Personalnot in den Behörden

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Acta
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Personalnot in den Behörden

Beitrag von Acta »

Hallo miteinander,

anbei einige Informationen zur Personalnot in den (Bundes-/Landes-/Kommunal-)Behörden bzw. hier in den Bundesministerien:

Quellen:
https://www.ludwigsburg24.com/personalm ... enluecken/

https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... 43e37d90da (Pay Wall)

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenb ... lt876.html
Kieler Primus
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von Kieler Primus »

Danke für diesen Thread. Das Thema beschäftigt mich ebenfalls.

Soweit ich weiß, ist die Finanzverwaltung deutlich(er) als die Allgemeine Innere Verwaltung (AIV) von der Personalnot betroffen. Ich kann leider nur aus der Perspektive des Finanzamts reden. Mich würde interessieren, ob mein Eindruck, dass die Finanzverwaltung drastischer an Personalnot leidet als die AIV übereinstimmt.

Meine Behörde konnte diesjährig weit nicht alle Ausbildungs- und Studiumsplätze für den Finanzwirt belegen. Die Gründe sind vielfältig. Habe den Eindruck, dass viele, sofern sie sich für Öffentliche Dient (ÖD) entscheiden, lieber in die AIV gehen, weil es für viele Menschen nicht so dermaßen abstrakt erscheint wie Steuern & Finanzen. Kann das aber sicherlich nicht belegen. Es ist nur mein Wahrnehmung. Die Landeshauptstadt München ist z.B. ein attraktiver Arbeitgeber/Dienstherr, in der AIV, wo viele hinwollen.

Tut sich die AIV tatsächlich leichter als die Finanzverwaltung? Mich würde es echt interessieren, wie das bei euch so ist? Wäre schön, wenn ein paar Beiträge unter diesem Post zu finden wären.

Vielen Dank
User5712
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von User5712 »

Kieler Primus hat geschrieben: 01.10.2023 20:37 Danke für diesen Thread. Das Thema beschäftigt mich ebenfalls.

Soweit ich weiß, ist die Finanzverwaltung deutlich(er) als die Allgemeine Innere Verwaltung (AIV) von der Personalnot betroffen. Ich kann leider nur aus der Perspektive des Finanzamts reden. Mich würde interessieren, ob mein Eindruck, dass die Finanzverwaltung drastischer an Personalnot leidet als die AIV übereinstimmt.

Meine Behörde konnte diesjährig weit nicht alle Ausbildungs- und Studiumsplätze für den Finanzwirt belegen. Die Gründe sind vielfältig. Habe den Eindruck, dass viele, sofern sie sich für Öffentliche Dient (ÖD) entscheiden, lieber in die AIV gehen, weil es für viele Menschen nicht so dermaßen abstrakt erscheint wie Steuern & Finanzen. Kann das aber sicherlich nicht belegen. Es ist nur mein Wahrnehmung. Die Landeshauptstadt München ist z.B. ein attraktiver Arbeitgeber/Dienstherr, in der AIV, wo viele hinwollen.

Tut sich die AIV tatsächlich leichter als die Finanzverwaltung? Mich würde es echt interessieren, wie das bei euch so ist? Wäre schön, wenn ein paar Beiträge unter diesem Post zu finden wären.

Vielen Dank
Ich kann nur spekulieren, aber ich denke, die meisten Bewerber wollen lieber in die AIV, da es dort mehr Einsatzmöglichkeiten gibt und als Finanzwirt sind die Optionen eher beschränkt. Vielleicht liegt das Thema Steuern auch nicht so vielen.

Die Personalnot in der Verwaltung/öD ist aber auch zum Teil "hausgemacht", finde ich. Die Bewerbungsprozesse könnten verbessert werden. Wenn man für einen Studienplatz erstmal einen Online-Test absolvieren muss, dann noch vor Ort einen Re-Test, dann ein langes Assessment-Center und dann erstmal monatelang auf eine Rückmeldung warten muss..

Gerade die Ministerien konkurrieren mit namhaften Großkonzernen, Kanzleien usw. um die besten Absolventen/Schulabgänger. Wenn dann schon das Bewerbungsverfahren viele abschreckt..
Zuletzt geändert von User5712 am 02.10.2023 11:31, insgesamt 1-mal geändert.
stuntmanmike
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von stuntmanmike »

tja was soll man sagen ueberraschung ueberraschung.

ich hatte mal als grund gehoert, dass die digitalisierung in den behoerden nicht vorangetrieben wird, damit man mehr arbeitsplaetze zur verfuegung stellen kann. bisschen komisch weil die beamten sind ja ohnehin schon verbeamtet i.d.r.

denke das wurde einfach verpennt. vor ein paar jahren hab ich noch sachen 4 fach ausgedruckt um sie an all die verschiedenen abteilungen zu schicken. vordrucke wurden fuer andere abteilungen ausgefuellt mit informationen, die ohne weiteres im computer gespeichert waren. ganz banale dinge. insgesamt war es eine sehr demotivierende stupide arbeit teilweise und dafür hatte man studiert gehabt. ich hab mein gehalt immer als schmerzensgeld verstanden fuer die arbeit die ich zu erledigen hatte.
Andreak
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von Andreak »

Ich komme aus der allgemeinen Verwaltung und habe mich vor 5 Jahren für die Finanzverwaltung entschieden.
Die allgemeine Verwaltung ist breiter im Fachwissen aufgestellt und damit sind die Einsatzmöglichkeiten breiter gefächert. In der Finanzverwaltung ist das Fachwissen schon sehr präzise und tiefer aber auch anspruchsvoller.
Wir bekommen schon seit Jahren die Plätze im mD nicht mehr voll, in der ausbildungsrunde laufen nur mehr nur 2 Runden sondern teilweise 4 oder 5. Und dann weiß man leider auch, was man bekommt. Einige springen schon während der ausbildung ab, andere schaffen die Prüfungen nicht und dann springen einige nach dem Ende ab und gehen z.b. zum Steuerberater.
Es gruselt mir vor den nächsten Jahren
HagenKrause
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von HagenKrause »

Kieler Primus hat geschrieben: 01.10.2023 20:37 Danke für diesen Thread. Das Thema beschäftigt mich ebenfalls.

Soweit ich weiß, ist die Finanzverwaltung deutlich(er) als die Allgemeine Innere Verwaltung (AIV) von der Personalnot betroffen. Ich kann leider nur aus der Perspektive des Finanzamts reden. Mich würde interessieren, ob mein Eindruck, dass die Finanzverwaltung drastischer an Personalnot leidet als die AIV übereinstimmt.

Meine Behörde konnte diesjährig weit nicht alle Ausbildungs- und Studiumsplätze für den Finanzwirt belegen. Die Gründe sind vielfältig. Habe den Eindruck, dass viele, sofern sie sich für Öffentliche Dient (ÖD) entscheiden, lieber in die AIV gehen, weil es für viele Menschen nicht so dermaßen abstrakt erscheint wie Steuern & Finanzen. Kann das aber sicherlich nicht belegen. Es ist nur mein Wahrnehmung. Die Landeshauptstadt München ist z.B. ein attraktiver Arbeitgeber/Dienstherr, in der AIV, wo viele hinwollen.

Tut sich die AIV tatsächlich leichter als die Finanzverwaltung? Mich würde es echt interessieren, wie das bei euch so ist? Wäre schön, wenn ein paar Beiträge unter diesem Post zu finden wären.

Vielen Dank

Die AIV tut sich allerdings auch nur dort leichter, wo viele Bewerber auf wenige Stellen treffen. Die Stadt München stellt z. B. 2024 mit 150 Leuten 1/3 aller vorhandenen Studienplätze bei allen Städten, Gemeinden, Bezirken und Landratsämern in ganz Bayern. Auch eine Stadt München hat es aufgrund der feudalen Lebensverhältnisse schwerer, ihre Stellen zu besetzen, als z. B. eine kleinere Stadt. Denn wenn ich als Beamter die Wahl habe, ins Kaff zu gehen oder nach München, wo ich dann faktisch zwei Besoldungsgruppen weniger verdiene, bleiben viele lieber daheim! Und in der Finanzverwaltung werden halt auch die meisten Leute gesucht. In Bayern werden 2024 von 1.496 Plätzen für Beamtenstudiengänge 353 Diplom-Finanzwirte gesucht. Das sind fast 1/4! Dementsprechend mangelt es dann auch hier an Leuten.
Fragender00
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von Fragender00 »

Andreak hat geschrieben: 02.10.2023 20:04 Ich komme aus der allgemeinen Verwaltung und habe mich vor 5 Jahren für die Finanzverwaltung entschieden.
Die allgemeine Verwaltung ist breiter im Fachwissen aufgestellt und damit sind die Einsatzmöglichkeiten breiter gefächert. In der Finanzverwaltung ist das Fachwissen schon sehr präzise und tiefer aber auch anspruchsvoller.
Wir bekommen schon seit Jahren die Plätze im mD nicht mehr voll, in der ausbildungsrunde laufen nur mehr nur 2 Runden sondern teilweise 4 oder 5. Und dann weiß man leider auch, was man bekommt. Einige springen schon während der ausbildung ab, andere schaffen die Prüfungen nicht und dann springen einige nach dem Ende ab und gehen z.b. zum Steuerberater.
Es gruselt mir vor den nächsten Jahren
Darf ich fragen, in welchem Bundesland du bist? Ein Phänomen, dass ich immer wieder beobachte: man findet keine Leute aber vergrault neue Mitarbeiter. Auch die Alteingesessenen, die Azubis und Studenten wie Müll behandeln. In den nächsten Jahren werden immer mehr Boomer in Pension gehen, dann sehen wir, wie es weiter geht!
Saxxo
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von Saxxo »

Die Personalnot kann doch eigentlich gar nicht so hoch sein ... Wieso werden dann im mD die Stellen hauptsächlich nur bis A8 bzw. E8 ausgeschrieben?
Gute Leute sind teuer, da muss man Anreiz schaffen und auch vielleicht mal mehr Geld anbieten bzw. in die Hand nehmen
Acta
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von Acta »

Saxxo hat geschrieben: 07.10.2023 21:35 Die Personalnot kann doch eigentlich gar nicht so hoch sein ... Wieso werden dann im mD die Stellen hauptsächlich nur bis A8 bzw. E8 ausgeschrieben?
Gute Leute sind teuer, da muss man Anreiz schaffen und auch vielleicht mal mehr Geld anbieten bzw. in die Hand nehmen
Vor allen Dingen, wenn man mal mehr auf die Kompetenzen des Personals eingehen würde und Stellen/Dienstposten neu gliedern würde, dann könnte man viele Zeitpuffer ausmerzen. In der Regel ist es ja Zeitabsitzen, wofür man dann mehr oder weniger gut bezahlt wird.

Außerdem sollten auch nicht inflationär Urkunden "rausgeballert" werden, sonst haben wir wieder "gut qualifiziertes" Personal, was gute Stellen blockiert - getreu dem Motto: "Peter-Prinzip".

Ergo:
Digitalisierung, sinnvolle Tätigkeiten, weniger Verbeamtungen (dafür die Besten der Besten) und dann bessere monetäre Anreize schaffen.


Vor allen Dingen, wenn die Landesdienstherren auf den Trichter kommen, ihre Laufbahnverordnungen anzupassen und anfangen, die Beamten/innen vom Dienstherrn Bund abzuwerben, indem dort Aufstiegsmöglichkeiten angeboten werden (eD => mD, mD => gD, gD => hD). Lassen wir uns überraschen.
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von Aufsteiger85 »

Acta hat geschrieben: 08.10.2023 13:05 Vor allen Dingen, wenn die Landesdienstherren auf den Trichter kommen, ihre Laufbahnverordnungen anzupassen und anfangen, die Beamten/innen vom Dienstherrn Bund abzuwerben, indem dort Aufstiegsmöglichkeiten angeboten werden (eD => mD, mD => gD, gD => hD). Lassen wir uns überraschen.
Das geht beim Bund auch. Und die Behörden, die es erlauben oder sogar offensiv kommunizieren werden immer mehr.

Ist m.E. aber auch der richtige Weg. Dass man Beamte in ihrer Laufbahn festhält, Tarifbeschäftigte mit höherem Abschluss aber einfach "wechseln" können, hat außer historischen Gründen eigentlich keine Rechtfertigung.
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von HagenKrause »

Acta hat geschrieben: 08.10.2023 13:05
Saxxo hat geschrieben: 07.10.2023 21:35
Außerdem sollten auch nicht inflationär Urkunden "rausgeballert" werden, sonst haben wir wieder "gut qualifiziertes" Personal, was gute Stellen blockiert - getreu dem Motto: "Peter-Prinzip".

Ergo:
Digitalisierung, sinnvolle Tätigkeiten, weniger Verbeamtungen (dafür die Besten der Besten) und dann bessere monetäre Anreize schaffen.

Wenn es weniger Verbeamtungen gibt und nur die Besten der Besten verbeamtet werden sollen, vergrößert das die Probleme eher noch mehr, denn die, die verbeamtet werden wollen und auf den Status Wert legen, werden nicht kommen und gehen zu der Behörde, wo es am leichtesten ist und die Besten der Besten gehen sowieso dort hin, wo man richtig Kohle verdient und studieren lieber was anderes ;)
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von Mainstream1 »

Merke, einen Nobelpreis nach einem Verwaltungsstudium hat es noch nie gegeben und wird es auch nicht geben!
Noch ein Spruch:
Der Diensteid wird gerne auch mal von erfahrenen Beamten als Armutsgelübde bezeichnet. Ist sicherlich ironisch gemeint.
MS
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von Acta »

StaatsdienerNr1
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von StaatsdienerNr1 »

Es ist eben nicht attraktiv alle 3 Jahre erst befördert zu werden (Bw)
Die Einstiegsgehälter sind für Bachelor Absolventen zu gering abzüglich der PKV
Bei ITlern brauch ich gar nicht anfangen ..

Es bleibt wirklich nur die Krisensicherheit durch die Urkunde, ob das auf Dauer reichen wird kA

Eine Änderung in der Laufbahnverordnung wie oben aufgeführt könnte helfen das bestehende Personal zu motivieren aber externe Bewerber können damit auch noch nichts anfangen
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Aufsteiger85
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Re: Personalnot in den Behörden

Beitrag von Aufsteiger85 »

StaatsdienerNr1 hat geschrieben: 11.10.2023 07:44 Es ist eben nicht attraktiv alle 3 Jahre erst befördert zu werden (Bw)
Wenn es denn so wäre, wäre das durchaus ziemlich attraktiv. Mit Stufensteigerungen zusammen kommt da ja halbwegs was bei raus. Viel schlimmer finde ich, wenn man eine Inflationsausgleichsprämie dafür nutzt, eine Nullrunde zu kaschieren und das dann als großen Wurf verkauft, weil es ja steuerfrei ist. Der öffentliche Dienst konkurriert hier mit vor allem mittleren und großen FIrmen, die diese Prämie zu einem erheblichen Teil zusätzlich zu anderen Tarifabschlüssen oder zum selbst verhandelten Gehalt gezahlt haben. Im ÖDienst einfach mit eingebaut. M.E. ist da der Weg zum Sozialversicherungsbetrug nicht mehr weit, denn so, wie das gemacht wurde, verfehlt es den Zweck der Sache.
StaatsdienerNr1 hat geschrieben: 11.10.2023 07:44 Die Einstiegsgehälter sind für Bachelor Absolventen zu gering abzüglich der PKV
Bei ITlern brauch ich gar nicht anfangen ..

Es bleibt wirklich nur die Krisensicherheit durch die Urkunde, ob das auf Dauer reichen wird kA
Das sehe ich auch so. In der freien Wirtschaft muss man zwar eher mehr arbeiten (nicht nur zeitlich, vor allem quantitativ), bekommt dafür aber als Hochschulabsolvent i.d.R. mehr Geld und zusätzlich oft andere Benefits wie Diensthandy, teilweise Dienst-Kfz (wenn nicht sofort, dann später) oder BahnCard o.ä. In allen Behörden, in denen ich bisher war, mussten die Beschäftigten sogar ihre Weihnachtsfeier selbst bezahlen - in den meisten Unternehmen undenkbar.