JS als Ausstiegsmöglichkeit?

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Bahnerin
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JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von Bahnerin » 28.11.2020 06:52

Guten Morgen in die Runde,
nachdem ich nun so gut wie jeden Beitrag hier gelesen habe, melde ich mich selbst zu Wort und hoffe auf ehrliche Worte von Euch :-).

Kurz zu mir: Ich arbeite bei der Bahn als beurlaubte Beamtin. Ich bin nun seit 32 Jahren in Dienst, bisher war immer alles gut, doch nun ist es einfach nur noch unterirdisch, schrecklich und ätzend. Kurz gesagt: Zum Kotzen, ich bin kurz vorm burnout, auch schon ein paar Mal länger (2 Wochen am Stück) erkrankt.

Nun suche ich Ausstiegsmöglichkeiten und bin natürlich auch auf den DB Jobservice und auf Euch in diesem Forum aufmerksam geworden. Ich bin mir sicher, dass ich mit meinem Chef vereinbaren könnte, dass mein Apl. bei der Bahn wegfällt und er mich zum JS transferieren könnte. Nun ist die Frage, ob ich vom Regen in die Traufe käme und so versuche ich nun herauszufinden, wie es beim JS tatsächlich zugeht. Über die rechtliche Komponente (Abordnungen/Versetzungen/Mitwirkungspflichten/keine Beförderungen mehr/Zwangszurruhesetzung usw.) weiß ich Dank Euch ganz gut Bescheid, aber mir brennen dennoch ein paar Fragen unter den Nägeln:

1. Wenn, käme ich zum Jobservice in Frankfurt - wie engagiert sind die dortigen Bearbeiter bei der Vermittlung von unsereins (ich bin 52 Jahre alt)? Ruft ständig einer an, dem ich dauernd erklären müsste, dass ich mich weder bewerben, noch in Projekten oder bei anderen Behörden arbeiten werde? (ich schließe gar nicht aus, mir selbst etwas zu suchen - ich möchte nur von keinem Jungdynamischen vermittelt werden. Hab von "denen" echt die Nase voll)

2. Gibt es Unterschiede zwischen den einzelne Jobservices? Ist vielleicht Hamburg weniger engagiert?

3. Wie oft ordnet das BEV tatsächlich gegen den Willen des Beamten (mir) zu anderen Behörden ab? Geben sie einfach auf, wenn ich mich zu doof für die Arbeit anstellen würde, die die andere Behörde von mir verlangt oder jedes Mal Widerspruch einlege?

4. Wie wahrscheinlich ist es, dass mich BEV / Jobservice einfach in Ruhe lässt?

5. Kennt jemand einen guten Anwalt speziell für die Bundesbahnbeamten?

Für ehrliche Antworten wäre ich mehr als dankbar :-)

LG, Bahnerin

Rhein-Bahner
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von Rhein-Bahner » 28.11.2020 18:07

Bahnerin hat geschrieben:
28.11.2020 06:52

Kurz zu mir: Ich arbeite bei der Bahn als beurlaubte Beamtin. Ich bin nun seit 32 Jahren in Dienst, bisher war immer alles gut, doch nun ist es einfach nur noch unterirdisch, schrecklich und ätzend. Kurz gesagt: Zum Kotzen, ich bin kurz vorm burnout, auch schon ein paar Mal länger (2 Wochen am Stück) erkrankt.
Nun suche ich Ausstiegsmöglichkeiten und bin natürlich auch auf den DB Jobservice und auf Euch in diesem Forum aufmerksam geworden.
1) Zum DB Jobservice (DBJS) kamen die meisten Kollegen und Kolleginnen hier, weil Sie entweder dienstuntauglich wurden oder ihr Apl weggefallen war (bzw. der Apl eingespart wurde um Kosten zu sparen - so passt es besser). Keiner hat sich freiwillig hierhin "beworben". Und keiner weiß 100%ig was bis zum Pension- oder Renteneintritt wohl noch kommen mag. Von Beföderungen sind Sie ohne Dp leider ausgeschlossen. Jedenfalls hätte ich es mir als "Ausstiegsmöglichkeit", nach der Sie suchen, vor vielen Jahren nicht selbst gewünscht, mittlerweile hat man sich arrangiert.

2) Zuerst würde ich in Ihrem Fall mal prüfen, inwieweit man der "Beurlaubung", die Sie damals wohl freiwillig eingegangen sind, widersprechen kann und was geschieht, wenn Sie wieder in den Status "Zuweisung" wechseln. Ich denke, damit verlieren Sie auch Geld. Jedenfalls hat im Fall der "Zuweisung" der aktuelle Betrieb erstmal eine Zeit lang dann die Verpflichtung, Ihre Weiterbeschäftigung zu begleiten und zu unterstützen. Vielleicht findet sich da etwas?

3) Mit 52 Jahren hat man schon noch ein paar Jährchen auf dem Buckel, jedenfalls hat man keine Garantie darauf bis zum Pensionseintritt "in Ruhe gelassen zu werden". DBJS wird besonders anfangs versuchen, Sie gleich wieder auf andere DBAG-Apl o. Projekte zu vermitteln, oder begrenzt oder dauerhaft an andere Behörden abzugeben. Ob Sie für den Wechsel und die Arbeiten jeweils auf Dauer geeignet sind, wird die DBAG oder die neue Behörde und Sie selbst im Bewerbungssgespräch, bzw. nach einer zeitlichen Abordnung feststellen können. Es liegt in Teilen auch an Ihnen, Ihren Kenntnissen und Vorstellungen.

4) Ob es Unterschiede zwischen den einzelnen Jobservices gibt, wird Ihnen hier keiner sagen können. Ich denke man wird mit gemeinsamen Richtlinien von oben arbeiten. Der DBJS-Sachbearbeiter wird natürlich auch an seinen "Erfolgen + Taten" gemessen und jeder Sachbearbeiter ist anders. Es wird nur keiner jünger und ausdauernder, aber leider weiß dies der junge Sachbearbeiter oder die junge Sachbearbeiterin beim DBJS noch nicht.

5) Es gibt für Beamte beim DBJS leider auch Grauzonen und damit wird ab und an auch versucht zu hantieren und Druck aufzubauen. Sie behalten nach wie vor im Status "Zuweisung" Ihre vollen hoheitlichen Beamten-Rechte und -Pflichten und diese sollten Sie gut kennen und artikulieren!

6) Fühlt man sich auf seinem Apl überfordert, ausgelaugt und ist keine Besserung in Sicht, kann man sich sofort jederzeit und überall hin bewerben, das wissen Sie selbst. Ob als beurlaubter Beamter, als zugewiesener Beamter, ob im aktiven Dienst oder als inaktiver DBJS-Mitarbeiter, als was man bessere Chancen hat seinen Wunscharbeitsplatz zu finden, das muss man abwägen.
Keiner sollte aber wegen seinem Apl krank werden, deshalb sollten Sie mal mit Ihrem Chef reden. Oftmals ist es so, dass der Chef der Auffassung ist, es sei mit der Arbeitsbelastung alles in Ordnung. Sagen Sie ihm was los ist, wenn Sie öfters krank sind wird er Sie sowieso fragen.

weisnix
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von weisnix » 29.11.2020 13:37

Mit 52 Jahren ist der JS sicherlich nur dann eine sichere Option, wenn man ehrlich beabsichtigt, sich beruflich zu verändern oder als worst-case Lösung irgendwann auch den vorzeitigen Ruhestand zu akzeptieren bereit ist. Möglichkeiten, sich zu verändern, gibt es im Frankfurter Bereich bei vielen anderen Behörden. Auch das BEV (KVB) sucht immer wieder Leute. Hängt halt davon ab, welche Besoldungsgruppe man ist und was man gemacht hat. Grundsätzlich kann da eine Betreuung durch den JS von Vorteil sein, da dieser Verbindungen zu den anderen Behörden hat und auch unverbindliche Praktika vermitteln kann.

Zwangsversetzungen zu andern Behörden sind derzeit nicht zu erwarten.

Eine gewisse Standhaftigkeit gegenüber dem JS Betreuer ist allerdings unverzichtbar. Grundsätzlich ist das JS-Büro zuständig, das im Einzugsbereich des Wohnortes des Mitarbeiters liegt, kann aber auch gewechselt werden. Die Personalberater ticken sehr unterschiedlich. Beamte sind fast immer ein Feindbild und nur dann wohlgelitten, wenn sie zur eigenen Zielerreichung beitragen.

Beamtenrechtlich sind sie nur lückenhaft und auch nur über, für die DB AG vorteilhafte Bestimmungen, geschult. Ein hohes Maß an Borniertheit ist deshalb bei fast allen Personalberatern zu erwarten. Sie "bearbeiten" natürlich lieber pflegeleichte Mitarbeiter, die leicht beeinflussbar sind und wenig Widerstand bieten.
Kollegen, die unangenehm sind, sich konsequent subtil kontraproduktiv verhalten (clevere Krankmeldungen/Tauglichkeitseinschränkungen, fachliches Unvermögen zeigen, Missverständnisse erzeugen, Anwalt drohen) ohne offenen Widerstand zu bieten, werden oft jahrelang in Ruhe gelassen oder in Projekten geparkt. Hier ist es erforderlich, einen ausgeprägten Egoismus zu entwickeln. Kann nicht jeder.

Wenn man mit einer vorzeitigen Zurruhesetzung leben kann, lässt sich allerdings im JS viel Zeit gewinnen. Welches taktische Verhalten hierbei angezeigt ist, wurde im Forum bereits umfangreich geschildert.

weisnix
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von weisnix » 29.11.2020 14:14

Konkret.

zu 1. In Frankfurt wird man in Ruhe gelassen, wenn man eine befristete Arbeit über den JS aufnimmt. Natürlich nur für diesen Zeitraum. Wenn dann Nachfragen von anderen Behörden kommen und der Personalberater hält einen für geeignet, wird immer angefragt. Bevorzugt natürlich immer die "pflegeleichten" Mitarbeiter, von denen man wenig Widerstand erwartet.

zu 2. Im Norden gibt es weniger Möglichkeiten Mitarbeiter (befristet) zu vermitteln als in Frankfurt. In ihrer Region gilt das auch für Saarbrücken. Entsprechend verhalten sich die Personalberater unterschiedlich.

zu 3. Versuche, Abordnungen gegen den Willen der Beamtin durchzuführen, sind in Frankfurt nur zum BEV hin bekannt. Ansonsten sind Vermittlungsversuche wenig erfolgreich, wenn die Kandidaten selbst Zweifel an ihren Fähigkeiten äußern oder ankündigen die Rechtmäßigkeit einer Abordnung zu prüfen. Selbst ein zu spät kommen zum Vorstellungsgespräch kann da schon ein k.o.-Kriterium sein.

zu 4. Ganz in Ruhe wird mit Sicherheit niemand gelassen. In der betriebsspezifischen Phase und den darauf folgenden 9 Monaten der Phase 1 sind Beratungsgespräche häufiger. Danach werden die meisten nur noch selten vom Personalberater angesprochen.

Hemmschuh
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von Hemmschuh » 01.12.2020 20:27

Hallo.

Beurlaubte Beamtin? Echt?

Normalerweise kommt keiner mehr ohne weiteres zu JobService.

Die Geschäftsbereiche müssen sich jetzt eigentlich kümmern.

Informiere dich bitte erst, ob die Beurlaubung mit JS endet. Andernfalls kommst du als Tarifkraft zu JobService.

Mfg

Rhein-Bahner
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von Rhein-Bahner » 04.01.2021 19:42

Hemmschuh hat geschrieben:
01.12.2020 20:27

Normalerweise kommt keiner mehr ohne weiteres zu JobService.
Die Geschäftsbereiche müssen sich jetzt eigentlich kümmern.

Mfg
Ist das wirklich so, oder nur eine Spekulation? Gibt es eine neue Anweisung wie mit Überhangpersonal verfahren werden soll oder läuft DBJS sogar aus? Müssen die Geschäftsbereiche sich jetzt länger als die Betriebspezifische Phase (9 Monate) kümmern, fällt die Orientierungsstufe I + II gar weg, oder werden einfach keine Beamten mehr freigestellt?
So viele Fragen.

filou
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von filou » 05.01.2021 00:37

Ich bin schon unfassbare 25 (!!) Jahre beim JS.
Begann mit DZA. über DB Arbeit, DB Vermittlung usw.....es wurde schon häufiger kolportiert, dass JS aufgelöst wird. Hab mal gehört, dass es bis 2025 bestehen bleiben soll. Aber die Zeiten sind unruhig.

weisnix
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von weisnix » 05.01.2021 10:28

Rhein-Bahner, ist alles Spekulation. Geändert hat sich in den letzten zwei Jahren nichts. Ob. wann und wie wegen Corona oder der desolaten wirtschaftlichen Lage des Konzerns der JobService sich verändern wird, ist derzeit nicht abzusehen.

Hemmschuh
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von Hemmschuh » 05.01.2021 18:18

Bitte keine Endzeitstimmung.

Natürlich bleibt JobService noch. Es wird sicherlich noch viele Namen dafür geben und Tausende von Reformen.
Mehr aber nicht.

Für die Fehler Anderer können wir herzlich wenig.

Und ein schönes neues Jahr noch.

Rhein-Bahner
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von Rhein-Bahner » 05.01.2021 18:45

Hemmschuh hat geschrieben:
01.12.2020 20:27

Normalerweise kommt keiner mehr ohne weiteres zu JobService.
Die Geschäftsbereiche müssen sich jetzt eigentlich kümmern.

Sorry, dass ich nochmal nachfragen möchte. Es ging mir um den eigentlichen Satz "Normalerweise kommt keiner mehr ohne weiteres zu JobService. Die Geschäftsbereiche müssen sich jetzt eigentlich kümmern."

Warum steht der so da? Der Beitrag suggeriert mir, dass kein Beamter mehr zu DBJS kommt.
Oder gilt der Satz nur für "beurlaubte" Beamte - wegen dem Eingangspost?

Oder ist der Satz aus der Laune heraus entstanden und was, wenn weitere Kollegen/Beamte trotzdem weiter zu DBJS abgeschoben werden? Also die Frage, "Ist der Sack nun zu oder immer noch für, sorry, "Nachwuchs" offen." :?: :)

weisnix
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von weisnix » 06.01.2021 09:34

Weiterhin offen.

Hemmschuh
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von Hemmschuh » 06.01.2021 11:50

„Ohne Weiteres“ bedeutet nur die Nacht- und Nebelaktionen bei den früheren Abschiebungen zu JobService. Oder weil einem gerade danach ist.

Jetzt müssen sich die Geschäftsbereiche mehr anstrengen. Und das ist gut so.

Es dürfte aber bereits aufgefallen sein, dass immer mehr Außenstellen schließen.

Ich lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen.

Rhein-Bahner
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Re: JS als Ausstiegsmöglichkeit?

Beitrag von Rhein-Bahner » 06.01.2021 15:06

Also, als ich hier vor vielen Jahren als "Auserwählter" ins DBAG-Forum kam, ging es beitragsmäßig noch wilder zu. Natürlich sind seither viele Beamte mittlerweile in den Ruhestand gewechselt, ob bereits im DBJS befindlich oder aus dem Regeldienst heraus. Aber damals, viele Beiträge, viele Fragen, viel Unsicherheit. Irgendwie ist es ruhiger geworden. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass immer weniger Kollegen zum DBJS nachkommen (müssen). Kann also auch sein.
Und Corona hat das ganze Procedere seit einem Jahr sicher auch mit beeinflusst. Bleibt gesund!

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