Weihnachten 2007

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Zollwolf1960
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Weihnachten 2007

Beitrag von Zollwolf1960 »

Hallo,

ich hab mal was geschrieben:

Weihnachtsgedanken 2007

Melanie ist mit ihrer Mutter in der Stadt unterwegs. Gemeinsam kaufen sie die Weihnachtsgeschenke für ihre Lieben ein. Jedes Geschäft ist weihnachtlich dekoriert und die Auslagen sind geschmackvoll ins rechte Licht gerückt. In der Dunkelheit wirken die Lichter so anheimelnd, leise Weihnachtsmusik erfüllt die Straßen und mit großen, leuchtenden Augen blicken Kinder auf die bunten Spielsachen, die blinkenden, glitzernden Gameboys und Spielkonsolen. Wie leicht es doch ist, Kindern eine Freude zu machen.

Nun sind Melanie und ihre Mutter in einem großen Kaufhaus. Weihnachtsmusik dudelt aus versteckten Lautsprechern, Überwachungskameras sind auf die Gänge gerichtet und unauffällig bewegen sich die Kaufhausdetektive durch die Menschenmassen. Ein kleines Kind schreit lautstark nach seiner Mama, Menschen giften sich an und aggressiv wühlen sich genervte Eltern durch die Gänge. Eine Ladendiebin ist erwischt worden und wird von einem Detektiv abgeführt.

Endlich ist Melanie wieder mit ihrer Mutter heim gekommen. Sichtlich erschöpft räumt Mutter die Geschenke weg und Melanie hilft ihr dabei. Danach setzen sie sich an den Küchentisch und trinken heißen Tee. „Mama, darf ich dich was fragen?“ „Ja, um was geht es?“ „Warum sind die Menschen an Weihnachten so anders? Sie sind so wütend, so gemein zueinander, so genervt und so traurig.“ „Sie wollen alle ihren Lieben ein besonders schönes Geschenk machen und zwar alle gleichzeitig. Das kostet sie viel Zeit und die fehlt ihnen dann. In der Woche müssen sie lange arbeiten, da bleibt meistens für den Haushalt kaum Zeit und das wird deshalb am Wochenende gründlich gemacht. Wenn durchs Einkaufen ihnen die Zeit vermeintlich gestohlen wird, so reagieren sie eben wütend und wehe denen, die ihnen in die Quere kommen.“ „In der Schule hat uns der Lehrer gesagt, Weihnachten ist das Fest der Liebe. Warum sind denn gerade dann die Menschen so böse zueinander?“ „Das verstehst du noch nicht, dafür musst du erwachsen sein.“ „Warum verstehe ich das erst, wenn ich erwachsen bin? Muss ich dann auch so gemein zu Anderen sein?“ „Hör auf mit den Fragen, ich bin müde und habe keine Lust mehr, dir zu antworten.“ „Warum sind Erwachsene immer nur müde?“ „Weil wir die Verantwortung für unser Leben tragen, weil wir arbeiten müssen, um Geld zu verdienen, damit wir zu essen, zu trinken, Kleidung und Wohnung haben. Ohne Geld gibt es keine Geschenke und wir müssten hungern. Sieh dir die armen Menschen in Afrika an, die hungern. Wenn wir nicht so viel spenden würden, ginge es denen noch schlechter. Nun lass mich bitte in Ruhe und geh spielen.“ „Darf ich mit Onkel Manfred telefonieren?“ „Ja, mach das. Nimm das Telefon mit in dein Zimmer.“

Melanie spricht gern mit ihrem Onkel, weil er sich immer Zeit für Kinder nimmt. Sie tippt die Nummer ein und legt sich aufs Bett. Nach dreimaligem Klingeln meldet er sich schon: „Hallo Manfred, hier ist Melanie.“ „Hallo liebe Melanie, ich hab schon gewusst, dass du wieder anrufst. Fehlt der Mama die Lust, mit dir zu reden?“ „Ja.“ „Warte bitte kurz, ich esse eben noch mein Brot auf.“ „Mach ich.“

„Dann erzähle mir doch mal, was dich bedrückt.“ Melanie berichtet von den Erlebnissen beim Einkaufen und fragt: „Weihnachten ist doch das Fest der Liebe. Warum sind die Leute da immer so gemein?“ „Die Menschen sind dumm. Sie glauben, sich abhetzen, sich quälen, sich was kaufen zu müssen. Auf diese Art meinen sie sich zufrieden zu machen. Durch Geschenke glauben sie, sich Liebe kaufen zu können. Je größer das Geschenk, desto größer die Liebe.“ „Ich hab dich auch so lieb, Manfred.“ „Das weiß ich. Nur wenige Erwachsene denken so wie du. Sie haben ihre Mitmenschen einfach so lieb. Ihre Geschenke sind unbezahlbar.“ „Was schenken sie denn?“ „Sie verschenken sich selbst, ohne etwas zu erwarten. Sie strahlen Zufriedenheit aus, sind aus sich selbst heraus glücklich und das spüren ihre Mitmenschen. Wäre das doch ansteckend.“

Melanie schweigt nachdenklich. Was kann sie tun? „Melanie, ich weiß, was du denkst. Jeder Mensch kann nur für sich selbst handeln. Lebe so, wie es sich für dich richtig anfühlt, vor allem dann, wenn jemand dir etwas Anderes erzählen will. Doch bedenke dabei immer, deine Freiheit endet da, wo die des Anderen anfängt.“ „Du bist mein Lieblingsonkel. Wie ich mich freue, wenn du Weihnachten auch bei uns bist. Ich hab dich ganz doll lieb.“ „Danke Melanie, ich dich auch. Bis bald, am Weihnachtsbaum.“


Euch allen und euren Angehörigen schöne Festtage.

Liebe Grüße
Zollwolf
Der öffentliche Dienst und der gesunde Menschenverstand schließen einander aus.

Man sollte sich die Gelassenheit eines Stuhles zulegen können, der muss auch mit jedem A.... klarkommen.