Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

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Larissa3456
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Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Larissa3456 »

Hallo,

ich habe nun in den letzten drei Jahren insgesamt drei Versetzungsanträge gestellt, denen allen aus „dienstlichen Gründen“ (also generellem Personalmangel) nicht entsprochen wurde. Zwei der drei Anträge waren innerhalb meiner Laufbahn, der letzte für einen Laufbahnwechsel.

Aber es passiert nichts und ich sitze nach wie vor auf meinem alten Platz. Und das trotz zwei Zusagen sowie auch Anforderungen durch andere Stellen, bei denen ich nicht für immer auf A6 festsitzen würde!

Nun meine Frage: was kann ich tun? Ist eine Raubernennung meine einzige Möglichkeit um von meiner jetzigen Stelle wegzukommen? Ohne Laufbahnwechsel geht es ja anscheinend nicht, obwohl mein jetziger Dienstherr bereits zugestimmt hatte, weil die aktuelle Stelle für meine Schwerbehinderung nicht gerade förderlich ist. Dies wurde auch in Meinem Versetzungsantrag so begründet.

Vielleicht hat ja jemand noch eine Idee! Ich freue mich auf eure Antworten!
Mainstream1
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Mainstream1 »

Was sagt denn die Schwerbehindertenvertretung dazu, ich hoffe, du hast die mit ins Boot geholt?
MS
Larissa3456
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Larissa3456 »

Mainstream1 hat geschrieben: 24.01.2024 20:47 Was sagt denn die Schwerbehindertenvertretung dazu, ich hoffe, du hast die mit ins Boot geholt?
Unser SBV hat damals zum ersten Versetzungsantrag nichts hinzuzufügen gehabt. Das hat er aber auch zu keinem anderen Thema, deshalb wende ich mich dann meist an die Bezirks-SBV.

Beim zweiten Versetzungsantrag handelte es sich dann sogar um eine vorgeschlagene Maßnahme im Rahmen des BEM durch meine Geschäftsleitung. Der SBV und die GL segneten dies beide im BEM-Gespräch ab. Eine Stellungnahme gab es nicht.

Den Laufbahnwechsel habe ich nicht mit dem SBV besprochen. Ist nicht gern gesehen, vor allem da ich seit der letzten Wahl seine erste Stellvertreterin bin. Einen Grundkurs konnte ich bislang nicht absolvieren, was aber eine andere Geschichte ist. Jedenfalls habe ich leider selbst wenig Kenntnis zu dem Thema.

Wenn man meiner Behörde zugeteilt wird, kommt man im mittleren Dienst nie wieder weg. Eine Kollegin lies sich deshalb aus dem Beamtenverhältnis entlassen, eine andere hat auch nach mehreren Jahren die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Begründet wird dies immer mit der „angespannten Personalsituation“. Einzelfallbegründungen gibt es nicht.
Mainstream1
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Mainstream1 »

Es ist zwar nie aller Tage Abend, aber wenn die Situation so ist, dass man im Prinzip nicht wrg kommt, dann bleibt letztlich nur die Möglichkeit, sich bei einem anderen Dienstherrn mittels Raubernennung von der aktuellen Stelle zu lösen. Das sollte klappen, wrnn man noch jung ist und "nur" A6 hat.... Stellen gibt es ja zurzeit wie Sand am Meer.
MS
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Aufsteiger85
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Aufsteiger85 »

Nun im Zweifelsfall bleibt auch noch der Klageweg übrig. Ich habe irgendwann auch mal ein Urteil zu einer ähnlichen Situation gelesen (finde ich auf die Schnelle nicht), in dem das Gericht die Praxis, Versetzungsanträge immer wieder mit Verweis auf die Personalsituation abzulehnen, gerügt hat. Eine Behörde könne sich nicht über Jahre darauf berufen, nicht genug Personal zu haben, während sie keine Anstrengungen unternimmt, weiteres Personal zu gewinnen. (sinngemäß zitiert).

Eine "schnelle" Lösung wäre der Klageweg aber sicher auch nicht...
Mainstream1
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Mainstream1 »

Eine Klage gegen den Dienstherrn geht natürlich immer, das Problem ist, auch wenn man die Versetzung damit durchsetzen sollte, man unter Umständen ganz schnell EdeKa-Beamter ist.

EdeKa = Ende der Karriere :o

Mit A6 eine unschöne Aussicht.
MS
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Aufsteiger85
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Aufsteiger85 »

Nun, wenn bei A6 auch in der aktuellen Behörde das Ende der Karriere erreicht ist, hat man ja nichts mehr zu verlieren. :mrgreen:
Larissa3456
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Larissa3456 »

Mainstream1 hat geschrieben: 25.01.2024 13:32 Eine Klage gegen den Dienstherrn geht natürlich immer, das Problem ist, auch wenn man die Versetzung damit durchsetzen sollte, man unter Umständen ganz schnell EdeKa-Beamter ist.

EdeKa = Ende der Karriere :o

Mit A6 eine unschöne Aussicht.

Ich hätte schon noch gern ein paar Beförderungen gehabt, bevor ich mir so viele Feinde mache, dass nichts mehr geht. Wenn ich mithilfe vom Amtsarzt irgendwie eine Versetzung anstrebe, wird’s aber denk ich ähnlich sein, oder?

Also ich bin aktuell eben oft aufgrund meiner Behinderung dienstunfähig. Hätten wir elektronische Akten, wäre das um einiges seltener der Fall, weil der körperliche Aspekt der Arbeit wegfallen würde. Dieses ganze rumschleppen den ganzen Tag ist wirklich kontraproduktiv. Unsere Behörde wird aber wohl eine der letzten sein, bei der das mit der eAkte funktionieren wird. Die Versetzungsanträge waren alle für Behörden in denen es die eAkte schon gibt.

Außerdem waren sie zusätzlich auch noch heimatnah. Mein Partner ist ebenfalls Beamter und aktuell wohnen wir genau zwischen unseren Dienststellen. Diese sind 60km voneinander entfernt…
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Aufsteiger85
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Aufsteiger85 »

Das liefert aber einen guten Ansatzpunkt, um auf den Dienstherrn Druck auszuüben. Und wenn auch unter diesem Argument nicht reagiert, könnte man die Diskriminierungskarte ziehen.
Larissa3456
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Larissa3456 »

Aber wie übe ich denn Druck aus? Wie genau kann ich reagieren? Ich komme mir bei sowas immer sehr machtlos vor. Geht ja quasi nichts bis oben durch und mein Dienstvorgesetzter macht auch nichts…

Ich durfte letzte Woche einen anderen schwerbehinderten Kollegen von einer anderen Behörde kennenlernen. Der ist schon A9 jedoch auch aufgrund der Art seiner Tätigkeit oft dienstunfähig. Noch nicht sehr alt… ca. 50. Er wollte eine andere Tätigkeit, die mit seiner Erkrankung vereinbar ist. Hier gab es auch einen konkreten Vorschlag. Dies wurde vom Dienstherren abgelehnt. Stattdessen musste er zum Amtsarzt wegen einer eventuellen Versetzung in den Ruhestand. Der Amtsarzt kam natürlich zu dem Entschluss, dass der Kollege NICHT in den Ruhestand versetzt wird. Hierfür ist er zu gesund und möchte ja auch noch arbeiten… jetzt ist er aber trotzdem weiterhin an seiner alten, ungeeigneten Stelle. Das kann doch alles nicht wahr sein?

Wenn das keine Diskriminierung ist, was dann? Aber wen interessiert denn, ob ich diskriminiert werde?
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Dienstunfall_L »

Larissa, es gab ein BEM-Gespräch, dazu gibt es auch eine schriftliche Vereinbarung. Vielleicht steht darin etwas, worauf du dich berufen kannst.
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Aufsteiger85
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Aufsteiger85 »

Larissa3456 hat geschrieben: 27.01.2024 13:31 Aber wie übe ich denn Druck aus? Wie genau kann ich reagieren? Ich komme mir bei sowas immer sehr machtlos vor. Geht ja quasi nichts bis oben durch und mein Dienstvorgesetzter macht auch nichts…

Wenn das keine Diskriminierung ist, was dann? Aber wen interessiert denn, ob ich diskriminiert werde?
Also genau für so etwas sind ja die Gremien da. In deinem Fall auch alle drei (Personalrat, GleiB, Schwerbehindertenvertretung). Hast du mit denen denn mal ein persönliches Gespräch gesucht und deinen Fall dargelegt? Wenn die nur eingebunden werden, wenn was schriftliches kommt, haben sie in der Regel wenig Handhabe (und auch wenig Anreiz - denn der/die Betroffene hat ja vorher nichts gesagt), sich in das Thema richtig einzuarbeiten.

Ich habe mit Personalrat und GleiB sehr gute Erfahrungen gemacht, insbesondere eben bei persönlichen Gesprächen. Du kannst sie auch von ihrer Schweigepflicht entbinden, so dass sie in deinem Namen sowohl informell als auch formell direkt tätig werden und bspw. deine Vorgesetzten kontaktieren können.

Und gerade wenn eine Schwerbehindertenvertretung auf deine besonderen Umstände aufmerksam macht und vielleicht sogar anführen kann, dass deine derzeitige Stelle für dich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wahrgenommen werden kann, wird die Luft für die Leitung sehr dünn...
Larissa3456
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Larissa3456 »

So, Leute … es gibt Neuigkeiten.
Die Stelle auf die ich mich beworben hatte, wäre zur Raubernennung bereit. Jedoch ist es so, dass mir die Befähigung für die neue Laufbahn ja derzeit noch fehlt. Es war geplant dass ich dieses Jahr, wenn die Versetzung erfolgt ist, einfach an verschiedenen Fortbildungsveranstaltungen teilnehme.


Nun ist es ja so, dass die Versetzung durch Ablehnung meines Dienstherren nicht zustande kommt. Deren Vorschlag war nun, dass ich mich entlassen lasse, anschließend ein Jahr lang mit Arbeitsvertrag dort arbeite und mich dann nach Besuch der Fortbildungen neu ernennen lasse. Das ist mir aber eine gute Nummer zu riskant… hierbei geht es um meine Behinderung: eine chronische Krankheit mit der ich ja evtl innerhalb des Jahres teilweise arbeitsunfähig sein könnte und wer versichert mir dass ich DANN wirklich noch ernannt werde? Außerdem verliere ich all meine bisherigen Ansprüche, muss aus der PKV raus und und und… ich denke nicht, dass das für mich machbar ist.

Sie sagten dass sie nicht wüssten, ob eine Raubernennung aufgrund des Laufbahnwechsels und der fehlenden Befähigung möglich wäre. Aber ich glaube da irren sie sich, oder? Weiß jemand mehr zu diesem Thema? Was gibt es dort beamtenrechtlich zu beachten? Kann auf die Befähigung vorerst verzichtet werden oder würde es reichen wenn ich durch Kollegen eingearbeitet werde um eine gewisse „Grundbefähigung“ zu haben? Es wird wohl beim LPA noch nachgefragt werden, aber Raubernennungen sind ja immer so ein Thema, bei dem niemand mit irgendwelchen Infos rausrückt….
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Dienstunfall_L »

Hallo Ich würde in der Situation auch nicht (auch nicht anraten zu) kündigen. Was ist mit der schriftlichen Vereinbarung des BEM-Gesprächs, kannst du mit Gleichstellunsbeauftragter und SchwBV da nicht anknüpfen?
Larissa3456
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Re: Mehrere Versetzungsgesuche gleichzeitig

Beitrag von Larissa3456 »

Habe ich auch schon überlegt. Laufbahnwechsel aufgrund § 26 Abs. 1 Satz 1 BeamtStG: „Eine anderweitige Verwendung ist möglich, wenn der Beamtin oder dem Beamten ein anderes Amt derselben oder einer anderen Laufbahn übertragen werden kann.“

Immerhin könnte das Beibehalten meiner jetzigen Stelle ja zur Dienstunfähigkeit führen.

Erstmal abwarten was der LPA zum Thema Laufbahnwechsel noch zu sagen hat …