Verbeamtung oder TVÖD

Themen speziell für Bundesbeamte

Moderator: Moderatoren

Artcode
Beiträge: 12
Registriert: 13.12.2023 15:08
Behörde:
Geschlecht:

Verbeamtung oder TVÖD

Beitrag von Artcode »

Moin Zusammen,

zu mir: Bauingenieur im Bachelor und Immobilienwirtschaft im Master studiert.
Alter: 32, Seit 5 Jahren im Bauamt bei einer Kommune in Niedersachsen mit 10.000 Einwohnern.
Derzeit bekomme ich E10, Stufe 4

Mir wurde nun die Verbeamtung angeboten. Als Einstiegsamt wurde mir A10 (Technischer Bereich) genannt (ist das überhaupt direkt möglich?).
Falls ja, welche Erfahrungsstufe würde ich dann bekommen ?

Nun meine erste Frage: Ist eine Verbeamtung überhaupt Sinnvoll ? Finanziell sehe ich auf den ersten Blick keinen Vorteil.
Die Einzigen Vorteile sind die Pansion und das man bei Krankheit weiter Geld bekommt, richtig ?

Zum Ablauf der Verbeamtung: Ich muss ein 3 Monatiges Praktikum bei einer Landesbehörde machen, anschließend entscheidet der Landespersonal Ausschuss in Hannover über meine Verbeamtung. Muss dort auch noch eine Prüfung abgelegt werden ? Verwaltungrecht etc. habe ich bisher nur in der Praxis kennengelernt.

Ich hoffe, dass ihr mir weiterhelfen könnt, da meine Ansprechpartner bei einer kleinen Kommune sehr gering sind. Bei den einzigen Beamten im Haus ist die Verbeamtung auch schon 20 Jahre her, zu dem sagt er: er würde es heute nicht wieder machen, da man mit Tarifverhandlungen etc. immer hinterher ist.

Vielen Dank :)

Liebe Grüße :)
Benutzeravatar
Aufsteiger85
Beiträge: 264
Registriert: 04.05.2023 19:25
Behörde: BDBOS
Geschlecht:

Re: Verbeamtung oder TVÖD

Beitrag von Aufsteiger85 »

Das ist natürlich an Informationen ein wenig dünn, um zu entscheiden, ob es sinnvoll ist. Finanziell kommt es vor allem darauf an, auf was für einem Dienstposten du sitzt (E10 / A10, oder evtl. A9-A11 oder sogar noch mehr gebündelt?). Außerdem ist natürlich wichtig, ob du verheiratet bist, Kinder hast und vor allem, was deine Pläne für die Zukunft sind. Mit einem Master könntest du theoretisch in den höheren Dienst (bei Immobilienwirtschaft natürlich insbesondere entsprechende Behörden, auf Bundesebene fiele mir die BImA ein), dieser Master wird für den technischen Dienst aber zu 99% nicht einschlägig sein.

Vielleicht machst du noch ein paar Angaben, dann können wir das auch mit Zahlen unterfüttern :)
Artcode
Beiträge: 12
Registriert: 13.12.2023 15:08
Behörde:
Geschlecht:

Re: Verbeamtung oder TVÖD

Beitrag von Artcode »

Danke schonmal :)
Angaben zu meiner Person: meine Frau (verheiratet) ist Grundschullehrerin (A12) und bereits verbeamtet. Wir haben noch keine Kinder, planen jedoch zeitnah welche.

Mein Posten wurde gerade vor 8 Wochen neu bewertet und mit E10 bewertet. Ich werde jedoch in 4 Jahren meinen Amtsleiter beerben. Er sitzt auf einer A12 - Stelle. Die Perspektive auf A12 ist relativ gut, jedoch wäre bei dieser Kommune dann auch Ende der Fahnenstange. Ob ich da dann wirklich die nächsten 30 Jahre bleiben will, ich weiß es nicht :D
Benutzeravatar
Aufsteiger85
Beiträge: 264
Registriert: 04.05.2023 19:25
Behörde: BDBOS
Geschlecht:

Re: Verbeamtung oder TVÖD

Beitrag von Aufsteiger85 »

Damit kann man doch schonmal arbeiten...

Also wenn die Frau bereits verbeamtet ist, gibt's (zusammen gesehen) schonmal nicht mehr Geld (i.S.d. Familienzuschlags). Sobald Kinder da sind, sieht es finanziell natürlich besser aus. Wenn der Beamte dann noch Aufstiegschancen hat, überholt er den Tarifbeschäftigten leicht.

Beim Vergleich TB und Beamte rechne ich immer lieber mit (ca.-)netto, weil sich die Bruttobeträge zu stark unterscheiden und durch die unterschiedliche Abgabenberechnung auch schlecht vergleichbar sind.

TB, E10, Stufe 4: 2651.29 €

Als Beamter würde dir die bisherige Zeit als TB anerkannt werden. Möglicherweise unter Abzug von zwei oder zweieinhalb Jahren bis zur Zuerkennung der Laufbahnbefähigung. Sofern dir also sagen wir drei Jahre für die Stufenlaufzeit anerkannt werden, wärst du:

Beamter, A10, Stufe 3: 2614.89 €

Der Beamte muss sich aber selbst krankenversichern. Hier muss man je nach Alter 250 bis 400 Euro (mit Vorerkrankungen mehr) rechnen. Sagen wir also, es blieben 2300 netto übrig. Deutlich weniger als bei E10.

Bei zwei Kindern sieht die Sache aber schon anders aus. Der Familienzuschlag Stufe 1 wird bei zwei Ehepartnern im Beamtenverhältnis aber hälftig an jeden ausbezahlt, so dass ich ihn hier mal unberücksichtigt lasse, weil nur eine Verschiebung stattfindet.

Beamter, A10, Stufe 3, zwei Kinder: 2.791,04 € - wären wir nach PKV schonmal bei etwa 2450 netto (eigentlich 2500, mit FZ-Verheiratetenzuschlag). Der Abstand schmilzt also dahin.

Oft kann ein Beamter auf der gleichen Stelle aber befördert werden (deshalb die Frage nach der Stellenbewertung für Beamte, die sich meistens von der für TB unterscheidet. Beim Bund gibt es viele A9-A11 Stellen, die nur E9 oder E10 zugeordnet sind, so dass ein TB in seiner Gehaltsgruppe bleibt, ein Beamter aber nicht. Kannst du also A11 werden, sähe es schon so aus:

Beamter, A11, Stufe 3, zwei Kinder: 3.112,68 € - abzüglich PKV also schon knapp 2800.

Auch noch berücksichtigen solltest du, dass die jeweils höchste Stufe (Beamte vs. TB) den Unterschied minimiert bzw. umkehrt. Der Beamte braucht zwar länger in die höchste Stufe, der Unterschied ist netto (durch die Nichtzahlung von SV-Beiträgen) deutlich höher als bei Tarifbeschäftigten. Sofern A11 erreicht werden kann, umso deutlicher.

So, erstmal genug gerechnet. Ich kann dir https://oeffentlicher-dienst.info/ sehr empfehlen, da kannst du ggf. selbst Rechenbeispiele anstellen.

Gruß