Wer hat Erfahrung mit Bossing bei Bundesbeamten?

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Mosaik
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Wer hat Erfahrung mit Bossing bei Bundesbeamten?

Beitrag von Mosaik »

Hallo,

ich bin noch nicht allzulange Bundesbeamtin und lerne (leider) gerade "Bossing" kennen.

Der Vorgesetzte setzt mir pro Tag zu meiner Arbeit zusätzliche Fristen sogar mit Uhrzeit, sodaß ich nur noch knapp zeitlich meine Arbeitsmenge bewältigen kann und ich mir an manchen Tagen sogar die Toilettengänge "einplanen" muss.

Schon mehrfach habe ich ihn gebeten, diese "Termine" (die sind hausgemacht, dieser Vorgesetzte ist noch nicht so lange da) zu unterlassen.

Ich habe es schon seinem Chef gesagt, daß es so nicht geht, aber leider kam nicht viel dabei heraus.
Sozialdienst weiß ebenfalls Bescheid.

Das morgentliche Aufstehen fällt mir inzwischen immer schwerer.

Hat von Euch noch jemand eine Idee, was ich tun könnte?
Allium
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Re: Wer hat Erfahrung mit Bossing bei Bundesbeamten?

Beitrag von Allium »

Kann dir nur raten, sofort zu gehen (Krank melden, Reha beantragen, ggf. sofort Versetzungsantrag stellen) oder umgehend einen Fachanwalt für Beamtenrecht mit einer deutlichen Ansage/Klage in Richtung Mobbing vorzubereiten. Es gibt aber auch Anwälte, die sagen dir, dass sowas nicht justiziabel ist. Auch diese Gremien (Sozialdienst, PR ect) stehen oft diesem System, wenn schon Mobbing und Bossing an der Tagesordnung ist, hilflos gegenüber. Daher erwarte da nicht zuviel....versuche selber etwas zu ändern. Wenn du noch nicht lange verbeamtet bist, kannst du auch in die freie Wirtschaft gehen, wo aktuell Fachpersonal mit Kusshand genommen wird. :lol: :mrgreen: du musst es dir also nicht länger bieten lassen.
Pipapo
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Re: Wer hat Erfahrung mit Bossing bei Bundesbeamten?

Beitrag von Pipapo »

Setzt der Vorgesetzete nur dir Fristen oder auch den anderen Mitarbeitern?
StaatsdienerNr1
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Re: Wer hat Erfahrung mit Bossing bei Bundesbeamten?

Beitrag von StaatsdienerNr1 »

Mosaik hat geschrieben: 13.10.2022 16:42 Hallo,

ich bin noch nicht allzulange Bundesbeamtin und lerne (leider) gerade "Bossing" kennen.

Der Vorgesetzte setzt mir pro Tag zu meiner Arbeit zusätzliche Fristen sogar mit Uhrzeit, sodaß ich nur noch knapp zeitlich meine Arbeitsmenge bewältigen kann und ich mir an manchen Tagen sogar die Toilettengänge "einplanen" muss.

Schon mehrfach habe ich ihn gebeten, diese "Termine" (die sind hausgemacht, dieser Vorgesetzte ist noch nicht so lange da) zu unterlassen.

Ich habe es schon seinem Chef gesagt, daß es so nicht geht, aber leider kam nicht viel dabei heraus.
Sozialdienst weiß ebenfalls Bescheid.

Das morgentliche Aufstehen fällt mir inzwischen immer schwerer.

Hat von Euch noch jemand eine Idee, was ich tun könnte?
Er darf dir nicht bei jedem Vorgang eine Frist setzen. In einer normalen Behörde ist es nicht unüblich dass zur Bearbeitung gewisser Vorgänge z.B. Widerspruchsbearbeitung eine übliche Bearbeitungszeit von 6-8 Wochen einzuhalten ist.

Vielleicht hat es auch noch andere Gründe, das ist natürlich sehr einseitig dargestellt. Wie verhältst du dich denn auf der Arbeit?
Vielleicht ist dein Chef mit dir unzufrieden (begründet oder nicht) und sammelt grade was um dein Verhalten nachweisbar beurteilen zu können.
Schlag ihm doch einfach selbst deine Versetzung vor. Habe ich auch mal gemacht („Okay wenn ich so schlechte Leistung erbringe, mache ich gerne jederzeit Platz für einen Besseren“). Das verdutzte Gesicht vergesse ich nicht und das unsichere Gestammel das dann folgte auch nicht.
Nick
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Re: Wer hat Erfahrung mit Bossing bei Bundesbeamten?

Beitrag von Nick »

Mosaik hat geschrieben: 13.10.2022 16:42
Hat von Euch noch jemand eine Idee, was ich tun könnte?
Zunächst mal müsste man das Verhalten schriftlich festhalten.
Setzt der Vorgesetzte die Frist per E-Mail oder sagt er das einfach mündlich?
Wenn er das mündlich macht würde ich zunächst mal per E-Mail nachfragen und um schriftliche Bestätigung der Fristsetzung bitten.
Damit wird er wahrscheinlich nicht aufhören sondern sich erst recht herausgefordert fühlen und nach was neuem suchen.
Ganz beliebt sind dann Sachen wie einen Berichte oder sonstiges so oft Schreiben und überarbeiten lassen bis man die Nerven verliert.
Aber wenn das passiert, muss man auch das schriftlich festhalten(also jeden überarbeiteten Berich, Schreiben etc.) und dann irgendwann seinem Anwalt vorlegen.

Die Frage ist eigentlich mehr ob du für eine möglicherweise langandauernde Auseinandersetzung mit einem Vorgesetzten das notwendige Stehvermögen mitbringst.
Mosaik
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Re: Wer hat Erfahrung mit Bossing bei Bundesbeamten?

Beitrag von Mosaik »

Erstmal vielen Dank für Eure Ratschläge!

Der Vorgesetzte setzt nicht nur mir Fristen, sondern auch anderen. Er macht dies schriftlich, verteilt z.B. irgendwelche Aufgaben und diese sind z.B. in der Realität bis 9 Uhr (als Beispiel) nicht fertig.
Ich bin 46 und schon eeewig im öffentlichen Dienst (aber gerade 1 Jahr beim Bund).

Wenn es z.B. Sinn macht eine Frist zu setzen, dann verstehe ich dies ja oder wenn es vom Gesetzgeber z.B. Widerspruchsverfahren so gewollt ist.

Mich regt es nur dann auf, wenn man von mir a) Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen verlangt (z.B. 3x irgendwelche Leute anschreiben, wo es klar ist, daß eh nichts bringt, weil es meinen Arbeitsbereich nichts angeht b) wenn ich ihn fachlich was frage, weil ich in irgendeiner Thematik Hilfe brauche und er es mir dann einfach zurück gibt, so nach dem Motto "da müssen sich selbst drum kümmern". Das Problem ist, daß er von "draußen" kommt, gleich in eine hohe Position gerutscht ist und nicht wirklich Ahnung hat, aber den "großen Zampano" spielt...

Gott sei Dank, bin ich nicht alleine in dieser Situation. Meine anderen Kollegen kriegen als auch "ihr Fett" ab...
Gebetsmuehle
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Re: Wer hat Erfahrung mit Bossing bei Bundesbeamten?

Beitrag von Gebetsmuehle »

So wie du das schilderst hat das tatsächlich eher mit einem überflüssigen Micromanagement zu tun, gerade weil diese Fristen auch bei anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angesetzt werden. Das kann schnell in Bossing überlaufen, ist aber tatsächliches Führungsversagen.

Setz dich mit deinen Kolleginnen und Kollegen zusammen die davon betroffen sind, dokumentiert dies deutlich und setzt die Personalstelle davon in Kenntnis! Sucht das Gespräch mit eurem Vorgesetzten. Wenn dann auch das Gespräch mit den nächsthöheren Vorgesetzten keine Veränderung in Gang bringt, schreibt von mir aus Überlastungsanzeigen oder sonstiges. Das ist grundsätzlich kein Verhalten, welches man sich bieten lassen muss und hier muss an einer anderen Stellschraube gearbeitet werden. Dokumentation ist hier jedoch das A und O - auch seitens der Mitarbeiterschaft.
(...) weil ich in irgendeiner Thematik Hilfe brauche und er es mir dann einfach zurück gibt, so nach dem Motto "da müssen sich selbst drum kümmern".
Das sehe ich zwiespältig. Man kann seine Vorgesetzten auch wunderbar in eine Richtung lenken, wenn es die Situation denn zulässt. Macht Vorschläge! Wenn der Vorgesetzte es nicht besser weiß, ist das sein Pech - lasst euch einen bunten Willi unter die Vorgänge mit eurem Vorschlag setzen und er hat das abgesegnet. Ist natürlich etwas anderes, wenn es um tatsächliche Grundsätzlichkeiten geht, die an anderer Stelle besprochen werden müssen..

Ansonsten ist zumindest auch die Einbeziehung diverser Gremien sicher nicht verkehrt. Viel Erfolg - wenn gar nichts mehr geht, zieh die Reißleine - es gibt auch Arbeitsbereiche, in denen man ohne Bauchschmerzen zur Arbeit muss. Da ist eine angestrebte Umsetzung oder Versetzung leider das heilbringende Mittel.