PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

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Hajonnes
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PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von Hajonnes » 10.10.2022 13:40

Liebe Forumsgemeinde,

Ich werde in Kürze verbeamtet (Bund). Aufgrund von Vorerkrankungen wird es beim Wechsel in die PKV auf die Öffnungsaktion hinauslaufen ( Anonyme Risikovoranfragen haben zur Ablehnung geführt. Ich bin recht weit in die Thematik eingestiegen, habe aber auf zwei Fragen noch keine zufriedenstellende Antwort erhalten. Ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen:

1. Es heißt immer, ohne Beihilfeergänzungstarif würden in der PKV „gefährliche“ Deckungslücken entstehen. Mit der Öffnungsaktion bietet ja kein keine PKV einen Beihilfeergänzungstarif an. Besteht dann zwischen den großen Versicherern überhaupt ein signifikanter Unterschied im Leistungsspektrum, wenn das ohnehin auf den Ausgleich dessen beschränkt ist, was beihilfefähig ist. Bisher habe ich die Unterschiede als marginal wahrgenommen?

2. Was sind denn die vielbescholtenen „gefährlichen Deckungslücken“? Ist die Öffnungsaktion in jedem Fall besser, als der verbleib in der GKV ( zahle Höchstbeitrag)? Besteht das Risiko, sich ohne Ergänzungstarife finanziell zu ruinieren, oder geht es da eher um ärgerliche Kosten und Comfortverszicht, weil z.B. das Einbettzimmer nicht inkludiert ist?

Vielen Dank für euren Input und beste Grüße,

Hajonnes

BalBund
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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von BalBund » 10.10.2022 16:03

Schneller Input, andere werden da sicherlich noch ausführlicher rückmelden.

Es kommt darauf an. Worauf? Nun, welche Vorerkrankungen Du hast, welches Leistungsniveau Du Dir wünscht etc.

Man spürt es z.B. beim Zahnersatz, den bieten nur einige Gesellschaften als Ergänzungstarif trotz Öffnungsaktion an, bei Heilmitteln und bspw. Physiotherapie (die Sätze der Beihilfeverordnung wurden jahrelang nicht angepasst, die wenigsten Praxen arbeiten noch für das Geld).

Das Einbettzimmer, das Krankenhaustagegeld etc. können hingegen durchaus manchem als verzichtbar erscheinen.

Trotzdem lohnt es nicht, in der GKV zu bleiben, wenn man lebenslänglich im Bundesdienst anstrebt.

Soviel erstmal quick & dirty

Hajonnes
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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von Hajonnes » 11.10.2022 20:41

Vielen Dank schonmal! So wie du das schilderst, habe ich es auch verstanden. Ich stelle mir einfach die Frage, wie sinnvoll die Ausandandersetzung mit den einzelnen Versicherern ist. Momentan bin erhalte ich regelmäßig Physio, bin sonst aber Beschwerdefrei. Wer kann schon sagen, ob es sinnvoller ist, jetzt einen Tarif zu nehmen der genau da das größte Entgegenkommen zeigt oder bessere Leistungen beim Zahnersatz? Vielleicht kriege ich ja in 20 Jahren üble Probleme mit dem Gebiss und ein entsprechender Tarif wäre die bessere Wahl gewesen. Es wird immer so viel von eklatanten Deckungslücken geredet, aber konkrete Empfehlung, welche PKV ganz grundsätzlich das beste Paket im Rahmen der Öffnungsaktion bietet, finde ich nirgends. Sollte hier noch jemand etwas zu wissen, freue ich mich auf eure Antwort!

Beste Grüße,
Hajonnes

RED-SECTOR
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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von RED-SECTOR » 14.10.2022 18:11

Das Gerede von „gefährlichen Deckungslücken" bei PKV ohne Beihilfeergänzungstarif ist m. E. Käse und Blödsinn.

Bei einem guten PKV-Tarif gleicht der angebündelte Beihilfeergänzungstarif auch nur das aus, was die Beihilfe ggf. weniger leistet als es der von Dir gewählte PKV-"Grundtarif" tut. Und von den Leistungen bietet die Beihilfe eigentlich fast immer mindestens das, was die GKV-Versicherung für Millionen Pflichtversicherte in diesem Land auch leistet - in vielen Bereichen auch mehr. Mit anderen Worten: Ein Beihilfeergänzungstarif enthält in den Regel Leistungen, die Du als normales GKV-Mitglied auch nicht haben würdest. Also nein, es besteht daher kein Risiko, sich ohne Beihilfeergänzungstarif zu ruinieren. Es bleibt ein Comfortverzicht, der schmerzlich sein kann und den man ggf. aus Eigenmitteln kompensieren muss.

Ich kann Dir nur den dringenden Rat geben, Dich an einen unabhängigen Versicherungsberater zu wenden (ich kann keinen speziell empfehlen), solltest Du nur über die Öffnungsaktion zugehen können.

Ansonsten spielst Du Lotto. Denn ob Du in 20 Jahren ein neues Gebiss brauchst oder nicht, ob Du Anspruch auf ein Einbettzimmer hast oder nicht - das sind ganz sicher nicht die Fragen, die über Dein wirtschaftliches Sein oder Nichtsein entscheiden werden.

Existenziell dagegen: Übernimmt die PKV die Ausbildung und den Unterhalt eines Blindenhundes, solltes Du erblinden? Wieviel Psychotherapie wird erstattet, solltest Du erkranken? Wie umfangreich ist der geschlossene oder besser offene Hilfs- und Heilmittelkatalog, solltest Du eine schwere Behinderung erleiden? Diese Fragen und viele weitere sind existentiell wichtig bei der Wahl eines privaten Krankenversicherers - mit oder ohne Öffnung. Die Unterschiede bei den PKVen sind da gewaltig. Versuche es nicht auf eigene Faust.

Hajonnes
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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von Hajonnes » 15.10.2022 19:31

Hallo Red,

Danke für deine Hinweise. Und ja, ich werde natürlich einen Berater engagieren. Das hier ist für mich Vorbereitung, damit ich ausreichend tief in der Materie bin.

Du schreibst jetzt von etwaigen Deckungslücken im Haupttarif. Fragt man die Großen PKVen an, bieten die genau einen Beihilfetarif an. Und dahin ging meine Frage: Bestehen da bei den großen Versicherern ( Debeka, HUK etc.) wirklich eklatante Unterschiede im Vertragswerk? Ich finde keine. Dass man nicht zur Hinterhof-PKV mit kleinsten Kundenstamm geht, um den letzten Euro zu sparen, ist ja selbstverständlich. Ich frage mich daher, ob man wirklich danebengreifen kann, wenn man als Beamter zu der „großen 5“ geht.

RED-SECTOR
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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von RED-SECTOR » 16.10.2022 13:30

Ich glaube nicht, dass man als Laie - und das bin ich auch - die Vertragswerke der Versicherer so durchdringen kann, dass man belastbar zu deinem Ergebnis kommt! Die PKV ist mit ihren individuellen Regelwerken so speziell, dass man sich da als Nichtprofi unmöglich eine Meinung bilden kann.

Einige Unterschiede habe ich ja schon aufgezählt. Ganz speziell wird es zusätzlich mit der Öffnungaktion. Der eine Versicherer hat eine bestimmte, für dich vielleicht wichtige Leistung in den Beihilfeergänzungstarif ausgelagert, den du mutmaßlich nicht bekommen wirst. Dieselbe Leistung hat ein anderer Versicherer im Grundtarif, für den wiederum im Rahmen der Öffnung Kontrahierungszwang besteht.

Nur welcher Tarif welcher PKV ist für Dich nun geeignet? Das kann dir hier keiner sagen. Und verlasse dich bloß nicht auf irgendwelche anonymen Meinungen hier im Netz, auch meine ist letztlich irrelevant. Keiner haftet hier für Fehlinformationen, inhaltlichen Quatsch oder gefährliches Halbwissen.

Grundsätzlich würde ich aber schon sagen, dass du mit den neuen Unisex-Tarifen der gängigen Beamtenversicherer (DBV, Debeka, HUK, APKV) keine großen Fehler machen kannst. Ein kleines Versichertenkollektiv bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass ein Vertrag schlecht sein muss! Überwiegend gesunde Kunden in einem kleinen Tarif sind besser als überwiegend kranke Kunden in einem riesigen Tarif! Und "Hinterhof-PKV" gibt es nicht.

Es ist zwar sehr gut, dass du dich schlau machst, auch gerade wenn es um die Öffnung angeht. Aber überlasse die Entscheidung einem Fachmann, der auch dafür geradestehen muss. Es kostet vielleicht 250 Euro oder so. Besser kannst du dein Geld nicht anlegen, wenn es um diese Entscheidung fürs Leben geht. Und bedenke, dass ein normaler Versicherungsvertreter kein Interesse daran hat, dich überhaupt zu vermitteln, da es für einen Kunden in der Öffnungsaktion keinen Cent zu verdienen gibt. Das Interesse, dich umfangreich zu beraten, dürfte daher gering sein.

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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von Bienchen2 » 25.10.2022 13:41

Die stationäre REHA wäre noch so ein Punkt bei denen einige PKV gar nicht andere nur gering und manche über einen Zusatztarif was extra leisten. Meine Tochter hat bei der Debeka auch einen Antrag gestellt und eine große Versicherung aus Koblenz wollte nur mit dauerhaftem Risikozuschlag 50% abschließen eine andere PKV aus Coburg sah die Vorerkrankung als nicht so schlimm an und wir schlossen einen Vertrag mit Leistungsausschluss für 1,5 Jahre ab, der nach Abschluss der Behandlung wegfiel.

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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von Hajonnes » 04.11.2022 13:18

Hallo Zusammen,

hier noch meine Rückmeldung. Ich habe inzwischen mit einem unabhängigen Versicherungsberater auf Honorarbasis gesprochen und mich für einen Versicherer entschieden. Um es kurz zu machen: Auch nach Aussage des Experten ist es ziemlich egal, welchen der üblichen Verdächtigen man nimmt. Das nimmt sich nicht viel, zumal man die tatsächlich auftretenden Erkrankungen nicht vorhersehen kann. Die Spekulationen über Beitragsentwicklungen sind reine Kaffeesatzleserei. Vielleicht konnte ich dem ein oder anderen damit die Entscheidung erleichtern oder ein besseres Gefühl rund um das Thema Öffnungsaktion geben. Vielen Dank für euren Input und bis bald!

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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von RED-SECTOR » 04.11.2022 17:40

Hast Du einen Beihilfeergänzungstarif beantragt? Also neben der Öffnungsaktion?

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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von Hajonnes » 07.11.2022 12:42

Nein, die Ergänzungstarife werden (abgesehen von dem abgesteckten BG bei der Debeka) in der Öffnungsaktion nicht angeboten. Im übrigen war ich auch überrascht, dass es im Rahmen der Öffnung offenbar automatisch auf 30 % Risikozuschlag hinausläuft und gar nicht geprüft wird, ob 10 % eigentlich angemessen wären.

Beste Grüße

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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von RED-SECTOR » 07.11.2022 16:51

Wenn 10% angemessen gewesen wären, hättest du die Öffnungsaktion nicht gebraucht.

Man kann bei einigen Gesellschaften den Beihilfeergänzungstarif (BET) neben den von der Öffnung erfassten Tarifen beantragen. Die Policierung des BET wird dann nach den normalen Annahmekriterien geprüft. Es kann dann bezüglich des BET ein Angebot geben, das weit über den 30% RZ liegt. Immerhin kann man sich dann entscheiden, ob es einem das wert ist.

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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von Hajonnes » 14.11.2022 14:43

Hallo Red,

Nun ja, der PKV Verband schreibt wörtlich , in der Öfnungsaktion seien die „sogenannten Risikozuschläge auf maximal 30 Prozent begrenzt.“Das sagt das doch ziemlich deutlich, dass es auch mit weniger als 30 % zu einer Aufnahme im Rahmen der Öffnung kommen kann. Sonst hätte man sich das Wort „maximal“ auch sparen können.

Trotzdem nochmal vielen Dank für deinen Tipp mit dem Ergänzungstarif. Welche Versicherungen machen das denn? Die nach Mitgliedern größten 5 meines Wissens nicht.

Beste Grüße,
Hajonnes

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Re: PKV mit Öffnungsaktion: Nachteile und Unterschiede zwischen den Versicherern

Beitrag von RED-SECTOR » 17.11.2022 15:21

Der Kern der Öffnung ist ja gerade das Beamtenprivileg der Limitierung des RZ auf max. 30% für Personen, die nicht oder nur zu ungünstigen Bedingungen (also <30%) zugehen können. Alles >30% wäre eine Normalannahme ohne Nutzung der Aktion.

Wer hat dir denn gesagt, dass die Big-5 das grundsätzlich nicht tun? Wo hast du das her? Es hängt trotz Öffnung von deinem Gesundheitszustand ab.

Da man über die Öffnung ja nur den einen scharfen Schuss frei hat, soll doch dein Berater seine hoffentlich vorhandenen Kanäle zu den Risikoprüfern der üblichen Verdächtigten (Debeka, DBV, Signal, HUK, DKV, APKV) inoffizell nutzen und erfragen, ob man in deinem Fall (= bei deinen Vorerkrankungen) neben den Tarifen der Öffnung zusätzlich einen BET unter den Bedingungen einer Normalannahme anbieten würde.

Der Mensch wird von dir bezahlt und kann sich ruhig einmal für dich ins Zeug legen!

Solltest du bei der Debeka schon gezeichnet haben, kannst du nur noch nach Policierung fragen, ob die den BG in den echten Beihilfeergänzungstarif BC nach neuer Gesundheitsprüfung ändern würden. Das halte ich aber auch für nicht sehr realistisch.

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