Beurteilung und Probezeit.

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Martin784
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Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von Martin784 » 04.06.2016 09:50

Hallo, liebe Kollegen, ich bin neu hier und hoffe auch hilfreiche Tipps zu bekommen.

Ich bin Landesbeamter in einer recht großen Behörde in Thüringen, im mittleren Dienst.
Ich habe auch in Thüringen meine Ausbildung für den mittleren Dienst gemacht.
Nach der Ernennung auf Probe, wurde meine Probezeit nochmals verlängert, da ich den Anforderungen lt. der damaligen Vorgesetzten noch nicht gerecht wurde.

Nach Beendigung der zweiten Probezeit, ist mir klar geworden, dass ich mit meiner Arbeit dort so nicht mehr zufrieden bin und ich mir mehr Aufgaben vorstellen könnte. Es dauerte auch nicht lange und es wurde die Stelle meiner Kollegin frei, auf welche ich mich bewarb. Ich fragte zuvor den Chef, ob er was dagegen hätte. Er meinte man suche Leute die "belastbar" und nicht oft krank seien. Beworben habe ich mich dennoch. Die folge der Bewerbung war, eine sehr schlechte Beurteilung. Man sei mit meiner Einstellung nicht zufrieden und ich würde zu viele Fehler machen.
Meine Bedenken sind, wenn man sich nun wegbewirbt hat man ja mit so einer Beurteilung keine Chance je irgendwo neu zustarten. Zumal mein Chef sich auf den schlipps getreten fühlt, da ich mich wegbeworben habe. Und da ich meine Augen und Ohren auch überall habe, spricht einiges dafür das die Ernennung auf Lebenszeit aus "Gnade" ausgeführt wurde. Der Chef hatte mir im Vorjahr ne Super Beurteilung gegeben mit dem Hinweis, dies seien nur die sogenannten "Vertrauenslorbeeren". Ich frage mich an dieser Stelle, ob das noch normal ist und wie ich hier am besten mit dieser Situation umgehen kann?

Baumschubser
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von Baumschubser » 04.06.2016 13:21

Beurteilungen sind immer so eine Sache, dagegen anzukämpfen ist nicht einfach. Dennoch hast du Anspruch auf eine korrekte Beurteilung, die frei von persönlichen Befindlichkeiten deines Chefs ist. Völlig frei von subjektiven Einflüssen ist sie nie, dass muss dir auch klar sein. Um dir aber hier überhaupt helfen zu können, müsstest du schon etwas mehr preis geben. Du sprichst z.B. den Punkt "nicht oft krank" an und dass du dich "dennoch" beworben hast. Warst du öfter abwesend?

Martin784
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von Martin784 » 04.06.2016 14:16

Also es ist so, das ich eine Schwerbehinderung habe und deswegen wenn Untersuchungen sind, etwas länger mal nicht da bin (3 Wochen). Die Befindlichkeiten meines Chefs, also diese Informationen, habe ich eben durch Vertraute die mir diesen Hinweis gegeben haben. Da mein Chef weiß, das ich durch die Schwerbehinderung zeitweise nicht so belastbar bin, wollte er vermutlich jemand anderes auf der Stelle haben. Ich habe leider kein guten Stand in dem Amt, jeder kennt meinen Namen und meine Geschichte und es werden mir immer Dinge hinterher gesagt, die nicht vollumfänglich der Wahrheit entsprechen. Durch die gesundheitliche Einschränkung, kam es in der Vergangenheit zu "Fehlern" welche den Chef nicht gefallen haben. Meine Beurteilung wurde mit einer 2,3 ausgestellt, bedeutet "entspricht noch den Anforderungen". Mit dem Hinweis das ich mich auf eine 1 zubewege, sollte ich meine Einstellung nicht ändern, was mich natürlich sehr empört hat. Ich selber möchte gerne in eine Andere Behörde, das ist aber aufgrund der Beurteilung und Vorgeschichte sehr schwierig. Gestern habe ich schon die nächste schlechte Nachricht erhalten. Eine gute Bekannte aus dem engeren Freundeskreis, welche nicht in unserer Behörde arbeitet, hat sich über mich mal schlau gemacht und es sei so, das es der ganzen Führungsebene im Amt nicht gefallen würde, das ich meine Arbeit kurzgesagt nur mit dem "halben A..." machen würde. Ich selber sehe es nicht so. Ich bin sogar kurz davor das Bundesland zu verlassen. Es ist ja auch so, das ich den ganzen Tag nix zu tun habe und wenn, werden sich irgendwelche "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen" ausgedacht, nur damit ich was zu tun habe. Das kann einfach nicht sein.

Baumschubser
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von Baumschubser » 04.06.2016 15:48

Hast du Rechtsschutz oder bist in der Gewerkschaft? Ich denk mal, so ganz alleine wirst du hier keine Veränderung herbei führen. Hier muss dich jemand unterstützen, der vom Fach ist.

Ganz wichtig bei dir ist, dass du dir umfangreiche Notizen machst. Also über Tage, wo du nichts zu tun hast, warum das so ist und vor allem, wer wann was zu dir gesagt hat bzgl. deiner Laufbahn. Egal ob es vom Chef kommt oder ob es Gerüchte sind, über die du von Kollegen erfahren hast. Alles notieren. Damit ist man meist gut ausgelastet ;) kann aber am Ende ziemlich gut argumentieren, was wann war. In deinem Falle gehts ja hier eher schon um Mobbing und da bist du in der Beweispflicht.

Darf ich fragen, was genau die 2,3 in der Beurteilung zu sagen hat, also welcher Schlüsel anzuwenden ist? Es gibt verschiedenste Beurteilungssysteme, von 1 bis 8, 1 bis 9 oder sogar 1 bis 16 bei mir.

Noch ein Satz zu deiner Erkrankung. Soweit ich weis, darf das in der Beurteilung nicht auftauchen. Zumindest bei uns ist das so, dass Krankheit keinen Einfluss auf den Punkt "Belastbarbeit" haben darf, es gilt bei uns der Grundsatz "bewertet wird nur die Zeit der Anwesenheit".

Martin784
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von Martin784 » 04.06.2016 15:55

Also da müsste ich mal die Beurteilung herausuchen. Fakt ist, das ich wie bereits erwähnt alleine keine chance habe. Eine rechtsschutz habe ich bereits 2014 genau aus solchen Gründen abgeschlossen. Nur wenn man gegen eine Beurteilung vorgeht, kann ein Gericht die eigene Arbeitsleistung ja nicht Beurteilen. Kollegen Freunde und Famile sagen, ich soll mich damit abfinden und mich weiter bemühen das Bild von mir in ein positives zu wandeln, aber ich she das kritisch, denn wenn man sich sowieso mit der Arbeit nicht mehr identifizieren kann, ist es Zeit für Veränderung. Falls möglich, kann man ja auch privat mal schreiben da kann ich ja ein paar Unterlagen zukommen lassen.

Martin784
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von Martin784 » 05.06.2016 18:58

Hat vielleicht sonst noch jemand einen Ratschlag?

KaijuRim
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von KaijuRim » 05.06.2016 20:20

Der einzige Rat den du hier beherzigen solltest, ist der, dass du zu einem Anwalt gehen solltest. Dieser kann dir am besten sagen was du machen sollst damit eine mögliche Klage aussicht auf Erfolg hat und ob überhaupt. Alle andere ist Kaffeesatzleserei. Jeder kann dir nur sagen wie es bei ihm ist, war oder gehandhabt werden würde. Du fühlst dich ungerecht behandelt und siehst keine Möglichkeit mit einem mediator zu helfen? Dann gehe dagegen vor.

Brauchst du nur eine Bestätigung für den Klageweg, weil deine Familie sagt es nicht zu tun, dann fühle dich bestätigt. Mit deiner Familie solltest du über sowas nicht mehr reden. Diese Leute verstehen deine Problem nicht und ihre Ansihten zu dem Thema werden dich auf kurz oder langkrank machen, da sie dir die folgende Entwicklung als deine schuld ankreiden werden.

Martin784
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von Martin784 » 05.06.2016 20:36

Danke, ich werde es versuchen. Ich kann ja berichten und euch hier auf dem laufendem halten. Und mit der Familie ist es leider wirklich so. Meine Partnerschaft leidet mittlerweile auch etwas darunter.

KaijuRim
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von KaijuRim » 05.06.2016 22:49

So. Jetzt einmal am PC schreiben und nicht mehr am kaputten Handy.

Es ist okay, wenn du dir Rat bei Freunden und Bekannten holst. Das ist ja nicht verkehrt. Auch der Rückhalt in der Beziehung sollte gegeben sein. Aber dir zu raten alles zu schlucken was kommt und lieber an deiner Einstellung zu arbeiten ist definitiv der falsche Weg. Natürlich musst du etwas an dir tun, falls deine Arbeitsweise nicht den Erwartungen entsprichst und du deine Arbeitszeit lieber mit Facebook und Youtube verbringst anstatt tatsächlich zu arbeiten. Aber davon gehe ich jetzt nicht aus - noch sollten es deine Vertrauenspersonen. Außer sie haben berechtigte Zweifel. Dann sollen sie diese Zweifel auch begründen, damit du daran arbeiten kannst. Aber einfach zu sagen "Das ist jetzt halt so!" ist definitiv falsch. Aus diesem Grund solltest auch nicht mehr mit solchen Leuten darüber reden. Oder eben die direkte sachliche Begründung einfordern wieso das so sein soll. Häufig kommen solche Äußerungen von Menschen die sich selbst nicht trauen gegen die ihnen entgegen gebrachte Ungerechtigkeit vorzugehen. Lass dich daher nicht durch solche Leute abschrecken und lass dich vom Anwalt beraten was du brauchst und schildere ihm alles wahrheitsgemäß. Er kann dir auch am besten sagen ob eine Klage Aussicht auf Erfolg hat, oder eben nicht.

Die Stimmung bei der Arbeit könnte viele Gründe haben. Ich vermute allerdings, dass diese Ablehnende Haltung dir gegenüber daher rührt, dass du durch die Krankheit fehlen musst. Wer chronische Krankheiten hat oder Leute mit solchen kennt, der kann in der Regel ein Lied davon singen wie stark die Akzeptanz unter den Kollegen oder des Umfelds zu wünschen übrig lässt. AN die häufiger Krank sind gelten in der Regel als Faul und Krankheiten und Schmerzen seien ja nur eingebildet. Oder Personen mit Morbus Chron sollen sich ja nicht so anstellen. Man selber habe ja auch ab und an Bauchschmerzen und das sei ja nie so schlimm. Solche und schlimmere Aussagen musste ich mit anhören oder wurden mir berichtet. Fehlst du also ab und an für 3 Wochen im Jahr und besitzt dann noch die Dreistigkeit Urlaub zu nehmen der dir zusteht, dann entbrennt schnell eine Neidhaltung die man an dir auslebt. Ob es tatsächlich so ist, kann ich natürlich nicht sagen. Aber meine eigenen Erlebnisse in diesen Bereichen sprechen stark dafür. Also nicht entmutigen lassen und für dein Recht kämpfen, falls du das Gefühl hast unrechtmäßig behandelt zu werden.

KaijuRim
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von KaijuRim » 05.06.2016 22:50

So. Jetzt einmal am PC schreiben und nicht mehr am kaputten Handy.

Es ist okay, wenn du dir Rat bei Freunden und Bekannten holst. Das ist ja nicht verkehrt. Auch der Rückhalt in der Beziehung sollte gegeben sein. Aber dir zu raten alles zu schlucken was kommt und lieber an deiner Einstellung zu arbeiten ist definitiv der falsche Weg. Natürlich musst du etwas an dir tun, falls deine Arbeitsweise nicht den Erwartungen entsprichst und du deine Arbeitszeit lieber mit Facebook und Youtube verbringst anstatt tatsächlich zu arbeiten. Aber davon gehe ich jetzt nicht aus - noch sollten es deine Vertrauenspersonen. Außer sie haben berechtigte Zweifel. Dann sollen sie diese Zweifel auch begründen, damit du daran arbeiten kannst. Aber einfach zu sagen "Das ist jetzt halt so!" ist definitiv falsch. Aus diesem Grund solltest auch nicht mehr mit solchen Leuten darüber reden. Oder eben die direkte sachliche Begründung einfordern wieso das so sein soll. Häufig kommen solche Äußerungen von Menschen die sich selbst nicht trauen gegen die ihnen entgegen gebrachte Ungerechtigkeit vorzugehen. Lass dich daher nicht durch solche Leute abschrecken und lass dich vom Anwalt beraten was du brauchst und schildere ihm alles wahrheitsgemäß. Er kann dir auch am besten sagen ob eine Klage Aussicht auf Erfolg hat, oder eben nicht.

Die Stimmung bei der Arbeit könnte viele Gründe haben. Ich vermute allerdings, dass diese Ablehnende Haltung dir gegenüber daher rührt, dass du durch die Krankheit fehlen musst. Wer chronische Krankheiten hat oder Leute mit solchen kennt, der kann in der Regel ein Lied davon singen wie stark die Akzeptanz unter den Kollegen oder des Umfelds zu wünschen übrig lässt. AN die häufiger Krank sind gelten in der Regel als Faul und Krankheiten und Schmerzen seien ja nur eingebildet. Oder Personen mit Morbus Chron sollen sich ja nicht so anstellen. Man selber habe ja auch ab und an Bauchschmerzen und das sei ja nie so schlimm. Solche und schlimmere Aussagen musste ich mit anhören oder wurden mir berichtet. Fehlst du also ab und an für 3 Wochen im Jahr und besitzt dann noch die Dreistigkeit Urlaub zu nehmen der dir zusteht, dann entbrennt schnell eine Neidhaltung die man an dir auslebt. Ob es tatsächlich so ist, kann ich natürlich nicht sagen. Aber meine eigenen Erlebnisse in diesen Bereichen sprechen stark dafür. Also nicht entmutigen lassen und für dein Recht kämpfen, falls du das Gefühl hast unrechtmäßig behandelt zu werden.

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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von Martin784 » 06.06.2016 09:10

Du sprichst mir aus der Seele. Naja ich denke ich müsste hier alles von Anfang an erzählen und ins Detail gehen, um ein Bild für jeden hier darzustellen.

Martin784
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von Martin784 » 16.06.2016 18:17

So ich habe mir un einen Anwalt genommen der diese Beurteilung anfechten möchte. Große Chanchen habe ich nicht, aber vielleicht leuchtet den Vorgsetzten dann mal ein, das es so nicht weiter geht. Wahrschnlich stehe ich dann in der Missgunst einiger, aber viel zu verlieren habe ich auch nicht mehr.

Martin784
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Re: Beurteilung und Probezeit.

Beitrag von Martin784 » 09.10.2016 12:05

So nun schreibe ich mal wieder, was sich in der Zwischenzeit getan hat. Mein Anwalt hat bisher erreichen können, das Amt dazu aufzufordern, die Beurteilung aus Form-und Inhaltlichen Fehlern aufzuheben. Ich habe mich das ganze Jahr 2016 beworben und scheiterte immer daran, das ich zu wenig Erfahrung habe. Mir ist auch mittlerweile bekannt, durch den sogenannten "Buschfunk", das mir im Amt nichts zugertaut wird. Ich friste also mein dasein mit zeit absitzen, bis zum Feierabend. Da ich nun keinen Erfolg bei bewerbungen habe versuche ich nun mit meinen Dienstherren, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu erarbeiten. Eigentlich will ich das Amt verlassen, aber das wird auf kurzfristig wohl nichts werden. Für mich grenzt dies schon sehr an Mobbing.

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