Perspektiven junge Diplomverwaltungswirte (FH)

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Grünfrosch
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Perspektiven junge Diplomverwaltungswirte (FH)

Beitrag von Grünfrosch » 16.06.2021 19:02

Hallo ihr Lieben,

Ich wollte hier mal um Rat fragen. Ich bin dezent verzweifelt aktuell. Seit 2019 habe ich meinen Titel als Diplomverwaltungswirt nun in der Tasche, bester Abschluss meines Jahrgangs, Führungsposition, Probezeitverkürzung und gute Beförderungschancen, mit Mitte 30 wäre ich vermutlich A12.
Mein einziges Problem: ich weiß, ich kann mehr und ich sehe es ehrlich gesagt nicht ein, eine 40-Std.-Woche, massiven Stress, haufenweise Überstunden und ein eher dürftiges Klima hinzunehmen. Ich habe das Gefühl, bereits mit 25 alles in den Sand gesetzt zu haben und meine Berufswahl komplett verfehlt zu haben. Mir fehlt geistiger Anspruch in diesem Job, mir fehlt auch einfach mal rauszukommen, mir fehlt Anerkennung. Ich habe wirklich Angst unterzugehen und irgendwann einfach depressiv zu werden oder einen Bore- oder Burnout zu erleiden.

Nach meinem Abi wollte ich eigentlich Lehrer werden, damals hieß es aber, man säße auf der Straße damit. Da ich aus sehr bescheidenen Verhältnissen komme, trotzdem aber keinen Anspruch auf Bafög hatte und habe, konnte ich mir auch 5 Jahre nichts verdienen nicht leisten. Unterhalt durch die Eltern ist und war ausgeschlossen, da beide selbst sehr wenig hatten/haben.

Vielleicht hat jemand eine passende Idee, was ich machen könnte, um beruflich glücklicher zu werden und evtl einen Schritt nach vorne zu machen.

Ich bin empathisch, kommunikativ, durchsetzungsfähig, ich schätze menschlichen Kontakt, Außendienst, bin fleißig und motiviert, ich mag Herausforderungen. Ich würde gerne etwas machen, bei dem ich wirklich einen Wert in meiner Arbeit sähe, bei dem ich mir denken könnte: Ich mache wirklich einen Unterschied.
Ein Jurastudium hatte ich schon überlegt, Begabung wäre vorhanden, aber das ist auch ein recht eintöniger, reiner Schreibtischjob, bei dem man ab und an mal ins Gericht kommt, aber mehr Zeit in der Arbeit als sonst wo verbringt. Aktuell liebäugle ich tatsächlich noch mal mit Lehramt, 5 Jahre geldmäßig überbrücken für einen Job, bei dem ich nicht weiß, ob ich eine Stelle bekomme und wirklich erst nach 5 Jahren überhaupt erst in irgendeiner Weise verdienstfähig bin, ist eben recht bescheiden. Psychologie, Wirtschaft, etwas Extrovertiertes würde mich interessieren.

Mein Ideal wäre es tatsächlich entweder im höheren Dienst eine Pressestelle o.Ä. zu bekleiden oder eben 50% Beamter, 50% freie Wirtschaft mit Masterabschluss.

Ich bin dankbar für jeden Tipp und freu mich auf eure Antworten.
Grüße Grünfrosch

ISDNforever
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Re: Perspektiven junge Diplomverwaltungswirte (FH)

Beitrag von ISDNforever » 18.06.2021 14:56

Hallo Grünfrosch,

du bist deinen Ausführungen nach somit etwa Mitte Zwanzig und bereits in eine Führungsposition mit höherer Besoldungsgruppe aufgestiegen. Das ist doch schon eine gute Entwicklung der Karriere. Der hD kann stressiger sein und ob du in der freien Wirtschaft weniger Stress haben wirst, hängt von deiner aktuellen Tätigkeit ab. Die Wochenarbeitszeit kann dort auch höher sein.

Vielleicht gibt es innerhalb deiner Behörde andere Stellen oder auf den bekannten Portalen Stellenangebote anderer Behörden die dich interessieren?

Lea100
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Re: Perspektiven junge Diplomverwaltungswirte (FH)

Beitrag von Lea100 » 19.06.2021 09:51

Ändere Deine Berufswahl solange Du noch jung bist!!
Der falsche Beruf macht nur krank... wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann.

Grünfrosch
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Re: Perspektiven junge Diplomverwaltungswirte (FH)

Beitrag von Grünfrosch » 19.06.2021 23:19

Hallo Ihr Lieben,
@ISDNforever: vielen Dank für deine Antwort, ich bin immer noch im Eingangsamt, jedoch bereits Vorgesetzter. Mein Problem ist weniger der Stress, sondern mehr, dass mir der Stress komplett unnötig erscheint, dass mir die intellektuelle Herausforderung fehlt. Mir fehlt auch das Gefühl, dass meine Arbeit tatsächlich etwas wert ist, ich leide vor allem darunter dass ich keinen Effekt sehe. Im Großen und Ganzen ist meine Sachbearbeitung Masse, "Durchlaufposten" sozusagen, auch wenn ich mehere verschiedene Gesetze anzuwenden habe und meine VAs durchaus Maßarbeit sind. Meine Arbeit ist vom geistigen Anspruch zumindest höher angesiedelt als die in vielen anderen Behörden. Gerade deswegen ist es schwierig, etwas Neues zu suchen, weil ich mich vermutlich noch verschlechtern würde. Wirklich interessante Stellen sind nicht ausgeschrieben oder ich habe einfach die entsprechenden Stehzeiten nicht bzw. kann mit zu wenig Führungserfahrung aufwarten.

Mir fehlt einfach "der Sinn" in meiner Arbeit. Als Lehrer z.B. formt man junge Charaktere und kann Menschen wirklich helfen, kann motivieren, etwas wirklich auch verändern. In meinem Fachbereich habe ich eher mit menschlichen Abgründen und gereiztem, unzufriedenen Klientel zu tun, in der Regel sind es mehr belastende als begünstigende VAs, die ich zu erlassen habe. Der Rückwind kommt gerne in verärgerten Anrufen oder Schreiben. Damit kann ich zwar in diesen Momenten umgehen, es macht auf Dauer jedoch einfach nicht glücklich.

@Lea100: Danke für deine Antwort, ich muss und werde etwas ändern. Nur wohin sich das entwickeln soll, ist noch dezent schwammig. Ich mag die Sicherheit am Staat, ich habe gerne Verantwortung, jedoch muss ich einen Sinn in meinem Tun sehen, ich muss sehen für welches große Ziel ich meinen Beitrag leiste.

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