PDU + Dienstunfähig >>> Erfahrungen

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Zebra777
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PDU + Dienstunfähig >>> Erfahrungen

Beitrag von Zebra777 » 30.11.2020 19:46

Hallo liebe Kollegen(innen)...

... ich bin 55 Jahre alt und seit 35 Jahren Polizeibeamter in NRW. Ich habe die letzten 23 Jahre ausschließlich Wach- und Wechseldienst gemacht, davor Ausbildung, Hundertschaft, später Studium ( Aufstieg 2. Säule in den gehobenen Dienst). War danach WDF und DGL.

Mit 52 bin ich an Tinnitus erkrankt, habe seitdem einen hochfrequenten Pfeifton im Kopf. Der HNO Arzt hat mir damals noch Infusionen gegeben, aber die halfen nicht. Somit muss ich bis ans Lebensende mit diesem Pfeifton leben, 24 Stunden am Tag, und dass ist sehr belastend. Man hat einfach keine "Nervenstärke" mehr, ist schnell gereizt. Bestimmte Geräusche sind so, als haut Dir jemand mit dem Hammer auf den Kopf. Das laute Martinshorn tut so weh, dass ich mir die Ohren zuhalten muss, wenn ein Krankenwagen oder Streifenwagen an mir vorbei rauschen. Ich dreh mich dann weg.

Kurz darauf wurde ich mit einem Bandscheibenvorfall operiert, habe seit dem regelmäßig Rückenschmerzen, Hexenschuss. Durch die OP habe ich nun als Folge davon einen "tauben" linken Oberschenkel.

Vor über einem Jahr bekam ich dann eine heftigen Burnout mit Depressionen. Ich bin seit dem in psychologischer Behandlung, die auch noch lange Zeit weiter laufen wird.

Jetzt wird das PDU Verfahren eingeleitet. Dazu hätte ich sehr gerne Infos + Erfahrungen von euch, was mir sehr helfen würde :)

1.) Ich denke nach 23 Jahren Wachdienst, 55 Jahre alt, wird der Amtsarzt in Bochum wahrscheinlich ein Gutachten erstellen, dass mich mit diesen Vorerkrankungen PDU schreibt. Hat da jemand von euch in ähnlicher Lage Erfahrungen, wie dieser Termin dort abläuft? Und was man sagen sollte und was lieber nicht? Wie man sich dort verhält? Ich habe immer gerne Polizeidienst gemacht, aber gesundheitlich vor allem wegen der nervlichen Strapazen durch den Tinnitus, dazu die ständigen Rückenschmerzen, sehe ich mich nicht mehr in der Lage, den Job zu machen. Es geht einfach nicht mehr.

2.) Wie lange dauert es, bis der Amtsarzt das Gutachten erstellt hat und die Behörde mir die Entscheidung zuschickt?

3.) Es gibt ja noch die "allgemeine Dienstunfähigkeit", die geprüft wird, nachdem man PDU ist. Also bei "lebensjüngeren Beamten" erwartet die Behörde eine Umschulung für den Verwaltungsdienst (zwei Jahre Umschulungszeit). Ich sehe ich mich nicht mehr in der Lage, so eine Umschulung (Ausbildung) zu machen !! Alleine wegen des Tinnitus könnte ich mich gar nicht mehr auf so was konzentrieren. Nervlich würde ich das einfach nicht schaffen. Ich habe einige Gerichtsurteile gelesen, in denen fast immer eine Altersgrenze von 50 Jahren benannt wird. Obwohl das nirgendwo schriftlich fixiert ist. Auch nicht im Erlass. Wird einem so eine Umschulung für den Verwaltungsdienst dann angeboten? Oder kann das auch bei einem 55 jährigen Beamten mit meinen Erkrankungen angeordnet werden?

>>> meine Arbeitsunfähigkeit durch die psychische Erkrankung + psychologische Behandlung wird eh noch lange andauern, so dass ich auch gar nicht zu so einer Umschulung antreten könnte <<<

4.) Wird diese allgemeine Dienstunfähigkeit gesondert begutachtet? Also muss ich da noch mal zum Amtsarzt?


Es würde mich freuen, eure Erfahrungen und Antworten zu lesen... herzlichen Dank liebe Kolleginnen & Kollegen :)

Querulant
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Re: PDU + Dienstunfähig >>> Erfahrungen

Beitrag von Querulant » 01.12.2020 10:15

Hi,
ich weiss nicht, ob NRW mit Bayern vergleichbar ist:
zu 2. Ich hatte am 22.10.2018 einen Termin beim AA. Dieser befand mich nach einem 90 Minuten Gespräch für Dienstunfähig, eine Diagnose, was mir fehlt, konnte der AA aber nicht stellen. Im März 2019 schickte mich der AA zu einem Facharzt Rechts der Isar geschickt. Das Ganze zögerte sich dann etwas hinaus. Im Juni 2019 fand diese Untersuchung statt.
Komplette Körperliche Untersuchung mit Blutentnahme, Depperltest, gut 2500 Einzelfragen bei Psychologen und Psychiatern. Dauer gut 7 Stunden, dann habe ich diese Untersuchung abgebrochen und für die Weiterführung 6 Wochen später einen weiteren Termin erhalten.
Die zweite Unterredung Rechts der Isar dauerte lediglich eine Stunde.
Bereits Ende August 2019 hat mir mein Präsidium schriftlich mitgeteilt, dass die Frühpensionierung eingeleitet wird. Bei uns in Bayern muss aber das IM, bei Personen unter 55 Jahren, dieser Pensionierung zustimmen, was sie in meinem Fall auch taten. Zum 27.10. bekam ich die Pensionierungsurkunde für das Jahresende zum 31.12.2019.
Seit 01.01.2020 befinde ich mich jetzt im Ruhestand.

Ob eine Reaktivierungsuntersuchung nach zwei Jahren angeordnet wird, kann ich noch nicht sagen, dies wäre dann erst ab Juli 2021 der Fall.

In meinem Gutachten, das 29 Seiten umfasst, ist explizit aufgeführt, dass eine Umschulung keinerlei Erfolg versprechen wird, weil ich immer Probleme mit Vorgesetzten haben werde, deswegen wurde bei mir darauf verzichtet.

Hoffe, dir ein bisschen geholfen zu haben...

siam4
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Re: PDU + Dienstunfähig >>> Erfahrungen

Beitrag von siam4 » 02.12.2020 08:30

Hallo,
bin kein Polizeibeamter, sonder Lehrer in Bayern.
Meine Erfahrungen sind also nur bedingt übertragbar.
Ich weiß aber wie das ist, wenn dieser AA-Termin ansteht. Diese Ungewissheit, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt, war für mich die Wochen vorher nur schwer zu ertragen.

Zu 1.)
Du hast die Antworten ja bereits selbst geliefert. Sag dem AA einfach, wie es ist.
Die Ärzte sind weder dir, noch dem Dienstherrn verpflichtet, sondern entscheiden ausschließlich nach gesundheitlichen Gegebenheiten. Ihnen da anderes zu unterstellen ist, glaube ich, nicht fair.
Gut wäre aber schon mal, wenn du aussagekräftige Atteste deiner Fachärzte liefern kannst.

Zu 2.)
Ich bin seit Januar 2020 krank geschrieben und war im Juli 2020 bei der AA-Untersuchung.
Die Ankündigung der Zurruhesetzung bekam ich Ende September. Dazu habe ich mich innerhalb der Frist von vier Wochen geäußert. Seit dem habe ich nichts mehr gehört.
Da ich noch unter 50 bin, muss in Bayern wohl das Ministerium direkt beteiligt werden. Das zögert das Verfahren wahrscheinlich noch hinaus.
Gerne können die sich auch noch Zeit lassen.

Zu 3.)
Eine Unterscheidung der Dienstfähigkeiten (speziell oder allgemein) ist mir nicht bekannt.
Dass der Dienstherr nach vergleichbaren Stellen schauen muss, ist hier im Forum ausführlich beschrieben. Allerdings wird’s da bei Lehrern schwer. Wie sich das bei der Polizei verhält, weiß ich nicht.

Du schreibst, dass deine Arbeitsunfähigkeit sowieso noch länger andauern wird.
Lass doch alles ganz locker auf dich zukommen. Der Dienstherr ist am Zug.
Allerdings weiß ich auch, dass man in dem Stadium, in dem du dich befindest, Antworten haben will.

Unterm Strich wurde mir direkt bei der AA-Untersuchung klar, dass jetzt andere über mich entscheiden und ich nur noch wenig Einfluss auf den weitern Ablauf habe.

Alles Gute für dich!

Zebra777
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Re: PDU + Dienstunfähig >>> Erfahrungen

Beitrag von Zebra777 » 03.12.2020 17:27

Hallo ihr Lieben :)

ganz herzlichen Dank für eure ausführlichen Erfahrungen. Wenn man so gar keine Ahnung von dem hat, was in einem PDU Verfahren (Polizeidienstunfähigkeit) auf einen zukommt, erleichtert es das Herz und die Nerven sehr, wenn man Antworten, Tipps, Erfahrungen liest.

Ja es gibt eine "Polizeidienstunfähigkeit (PDU)" + eine "allgemeine Dienstunfähigkeit (DU)" bei der Polizei in NRW.
PDU heisst, Du kannst keinen Polizeidienst mehr machen, weder auf der Straße noch im Büro. DU heisst, Du bist auch für die Verwaltung nicht mehr zu gebrauchen.


Ich denke chronische Rückenschmerzen, chronischer Tinnitus und ein PTBS (posttraumatisches Belastungssyndrom) sollten reichen, um PDU festzustellen. Zumal ich 55 bin... und nach 23 Jahren durchgängigem Schichtdienst in einer Großstadt körperlich und seelisch einfach nicht mehr kann, in Verbindung eben mit meinen Einschränkungen.

Man sagte mir, dass der zuständige Amtsarzt, der auch das Gutachten schreibt, fair und nett ist. Mein Plan ist, ihm alles detailiert zu erzählen, auch das ich nicht mehr kann. Es geht einfach nicht mehr. Vor kurzem sollte eine Wiedereingliederung (BEM) stattfinden, die ich aber nicht antreten konnte, da ich... je näher der Tag X kam... immer schlimmere Rückenschmerzen bekam, dass Tinnituspfeifen im Kopf immer lauter wurde. Mein Psychologe sagte mir, dass mein Unterbewußtsein diese Schmerzen und das Pfeifen im Kopf als "Warnung" hervorgerufen hat. Ein klares Signal von meinem Körper !!

Wird man PDU geschrieben, aber nicht (!) allgemein dienstunfähig, wird eine weitere Verwendung in der Verwaltung angeboten bzw. von der Behörde gefordert (lebensjüngere Beamte). Mitt 55 noch mal zwei Jahre Schulbank, dass ist eine Horrorvorstellung. Um dann mit 57 noch 10 Jahre in der Verwaltung zu sein. Mein PTBS und mein Tinnitus würden mich schnell wieder in die Depression zurückwerfen. Wie gesagt, es klagen ja auch viele Kollegen(innen), in den Urteilen steht oft was von Altersgrenze 50 Jahre. Da liege ich ja deutlich drüber.

Fakt ist, dass ich den Job gerne gemacht habe. Auch wenn es hart war da draußen, ich viel schlimmes erlebt habe. Aufgrund der Krankheiten reicht die Kraft nicht mehr, es geht nicht mehr, selbst wenn ich wollte. Die finanziellen Abzüge, 7 Jahre vor der Pensionsgrenze in Vorruhestand zu gehen, sind mir egal. Man hat nur eine Gesundheit. Und wenn die restlos ruiniert ist, nützt Dir auch das Geld nichts mehr.

Über weitere Antworten und Meinungen würde ich mich sehr freuen.
Dankeschön, auch wenn ihr es nur durchlest, ohne zu antworten...

liebe Grüße

Pierredolle
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Re: PDU + Dienstunfähig >>> Erfahrungen

Beitrag von Pierredolle » 03.05.2021 13:26

Hallo Zebra,
Mich würde interessieren was aus deiner Geschichte geworden ist...!
Vielleicht magst du das ja mal mitteilen, ich stecke in einer ähnlichen Situation momentan.
Liebe Grüße

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