Wann bei Schikane am Arbeitsplatz Anwalt einschalten?

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sozibea80
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Wann bei Schikane am Arbeitsplatz Anwalt einschalten?

Beitrag von sozibea80 » 01.06.2019 11:49

Folgende Situation:

leite seit Jahren ein Team, einzelne Kollegen arbeiten massiv gegen mich, erscheinen nicht zu Besprechungen, halten Informationen zurück, wollen mir als Führungskraft ihre Arbeit aufdrücken, da sie es selbst nicht mehr schaffen können und da ich ja als Leitung für komplizierte Aufgaben zuständig sei. Der Leiter hat schon eine Dienstanweisung verfasst, in der ich auch Vorgesetzenfunktionen gegenüber meinen Teamkollegen habe, damit meine Rolle klarer wird. Dennoch hat es nichts genützt. Die Kollegen haben dies nicht akzeptiert.
Ich wollte eine Mediation, die auch die Vorgesetzten mit unterstützen wollten, diese kam aber nicht zustande, weil sich die Mehrzahl der Kollegen gegen die Maßnahme wehren, also gibt es keine Mediation und die Kollegen arbeiten weiter gegen mich. Ich habe nun erfahren vom Leiter und Personalrat, dass er mich als Leitung absetzen will, aus Fürsorgegründen. Als ich am nächsten Tag nach dem Gespräch nochmal nachhakte, ob ich denn nun meine Führungsaufgaben wirklich liegen lassen kann, wurde plötzlich wieder das Gegenteil gesagt- ich müsse auf jeden Fall abwarten, bis ein Vertreter für mich gefunden sei...also muss ich in dieser Atmosphäre nun weiter arbeiten und auch noch die Kollegen aushalten,die sich nun darüber freuen, dass ich keine Leitung mehr bin? Die Kollegen, welche die Arbeit verweigern und meine Anordnungen nicht befolgen und die Mediation verweigern, scheinen dagegen keinerlei Konsequenzen zu erhalten.
Ich weiß nicht mehr weiter. Möchte gerne einen anderen Dienstposten haben, aber ich weiß nicht wie ich vorgehen kann. Versetzungsantrag stellen? Dafür brauche ich doch auch eine gute Beurteilung. Ist es ok, dass man mich einfach als Leitung absetzen kann ohne ein Gespräch offiziell mit der Personalabteilung? Ich habe überlegt, mir anwaltlich helfen zu lassen, damit ich eine andere Stelle bekomme. Ich wollte lange alleine die Probleme lösen und sehe nun aber, dass ich wohl jemanden brauche, der meine Rechte als Beamter duchsetzt. Der Personalrat unterstützt eher die Seite des Arbeitgebers...er meinte, er sehe auch nur noch die Absetzung meiner Leitungsfunktion als Lösung...
Meint ihr, ein Anwalt könnte mich unterstützen? Ist das ganze als Mobbing zu sehen oder wäre das übertrieben?

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Baumschubser
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Re: Wann bei Schikane am Arbeitsplatz Anwalt einschalten?

Beitrag von Baumschubser » 02.06.2019 11:38

Ganz wichtig ist die Dokumentation dieser Vorgänge über einen längeren Zeitraum. Du solltest also in der Lage sein, exakt sagen zu können, wer z.B. wann zu welchem Termin nicht erschienen ist, wann dieses oder jenes zu dir gesagt wurde. Mobbing muss man nachweisen können. Wenn du eine Rechtsschutz hast oder in einer Gewerkschaft bist, hole dir zeitnah Hilfe, sonst zerfrisst einen sowas.

dibedupp
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Re: Wann bei Schikane am Arbeitsplatz Anwalt einschalten?

Beitrag von dibedupp » 02.06.2019 11:55

Bist du Fachvorgesetzte oder disziplinarische Vorgesetzte?

Dipl_Finanzwirt
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Re: Wann bei Schikane am Arbeitsplatz Anwalt einschalten?

Beitrag von Dipl_Finanzwirt » 09.06.2019 14:14

Hallo,
ein Anwalt kann (!) eine Möglichkeit sein, um den eigenen Vorgesetzten/der Personalabteilung Beine zu machen. Nach deiner Mail scheint das aber nicht zwingend das Problem zu sein, sondern eher die eigenen Mitarbeiter.
Vielleicht hilft es dir weiter, dir folgende Fragen zu stellen:
- Was kannst du tun um das Verhältnis zu deinen Mitarbeitern zu verbessern? Was brauchst du dazu (erfüllbar!) von deinem Vorgesetzten? (zu dem erfüllbar: Sich zu wünschen alle aufmöpfigen Mitarbeiter zu kündigen ist utopisch).
- Stelle dir vor, du wirst umgesetzt (gleiche Behörde, anderes Team) was wäre dann anders? Wie könntest du die entsprechenden Probleme auf der neuen Stelle vermeiden?
- Selle dir vor, du wärst bei einer anderen Behörde, was wäre dann anders?
- Stelle dir vor, du hättest keine Führungsverantwortung mehr. Wie würde sich das anfühlen?

ciao!

sozibea80
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Re: Wann bei Schikane am Arbeitsplatz Anwalt einschalten?

Beitrag von sozibea80 » 16.06.2019 12:45

Das Problem ist, dass ich nur eine Führungskraft im mittleren Bereich war, sozusagen in Sandwich-Position. Mein Rechtsverdreher meinte, das sehe für ihn so aus, dass der Vorgesetzte zu wenig gegen diese gegen mich arbeitenden Mitarbeiter unternommen hat, er hätte denen ein Disziplinarverfahren androhen können, wenn sie meine Anweisungen weiterhin unterlaufen...damit auch Konsequenzen entstehen. der Anwalt hat mir auch dringend geraten, mich versetzen zu lassen und von einem gerichtlichen Verfahren abzusehen...von einer längeren Krankschreibung riet er auch ab, denn dann bin ich komplett raus und niemand kümmert sich mehr...
In diesem Team ohne Führunsverantwortung weiterzuarbeiten, quasi als abgesägte Leitung (Persona non grata) kann ich mir nur schwer vorstellen, denn die besagten Kollegen freuen sich, mich losgeworden zu sein. Verbessern kann ich hier alleine nicht mehr viel, da ja von denen die Supervision/Mediation abgelehnt wurde. Ich habe mich sehr dafür eingesetzt, dass wir eine Mediation bekommen. Bis auf 1 Kollegin haben alle dies verweigert.Diese Kollegen wollen also keine Konfliktlösung...
Eine nun für die Leitung eingesetzte Kollegin (übrigens auch wieder aus dem Team, was ich sehr ungünstig finde- man hätte jemand von extern beauftragen sollen) hat nun meine Position eingenommen und schlägt sich tatsächlich schon nach 2 Tagen mit ähnlichen Schwierigkeiten herum...das Problem hat sich also nur verlagert. Auch ihr haben die Kollegen bereits eine wichtige Veranstaltung abgesagt, wo deren Anwesenheit vorher abgesprochen war. Die Arbeitsverweigerung geht also weiter...mit meiner Person hat es dann wohl gar nichts zu tun.
Danke für eure Antworten 8-)

Dipl_Finanzwirt
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Re: Wann bei Schikane am Arbeitsplatz Anwalt einschalten?

Beitrag von Dipl_Finanzwirt » 16.06.2019 17:29

Hallo,

drücke dir die Daumen, dass es mit der Versetzung klappt. Aktuell herrscht in vielen Bereichen Fachkräftemangel, mit etwas Flexibilität stehen die Chancen also vermutlich nicht schlecht...

Ich denke nur so lernen die Vorgesetzten (ich schreibe bewusst nicht Führungskräfte), die Ihrer Aufgabe nicht gerecht werden, dass man es vielleicht anders angehen soll...

ciao!

DerHagn
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Re: Wann bei Schikane am Arbeitsplatz Anwalt einschalten?

Beitrag von DerHagn » 17.06.2019 09:53

Wenn der Vorgesetzte (Führungskraft ;)) nicht hinter einem steht, hat man sowieso schlechte Karten. Egal ob im Innen- oder Außenverhältnis.

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