Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamiert?

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Nomadd
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Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamiert?

Beitrag von Nomadd » 25.07.2014 02:15

Ein Bekannter von mir ist Beamter und arbeitet auf einem Amt. Er ist seit 17 Jahren verbeamtet. Seit er verbeamtet ist, muss er sich ständig Witze und dumme Anmachen anhören wie z.B. "Wussten Sie schon, dass Tierärzte Hunde und Katzen neuerdings mit Beamtenblut einschläfern lassen?" oder "Beamte sind wie Viren: Sie wirken nicht indem sie handeln, sondern indem sie sich vermehren" und so weiter; nachlesbar im Internet ;) Immer wieder wird sich über die Beamten lustig gemacht. Aber warum? Sie arbeiten doch genauso wie alle anderen Büroangestellten. Warum haben Beamte den Ruf nicht richtig zu arbeiten und faul bzw. unnütz zu sein? Ist es der Neid auf die Privilegien der Beamten? Die Wut darüber, dass man selbst nur einen gammeligen Ausbeutersklavenjob in der Wirtschaft bekommen hat?

Wenn mein Bekannter müde von der Arbeit kommt, dann sagen die Nachbarn schon "Jaja, die Beamten schlafen bei der Arbeit und kommen müde nach Hause" und ähnliches. Sowas ist doch einfach nur scheiße, dass man sich von anderen Leuten wegen dem Beruf diffamieren lassen muss. Kürzlich las ich auch in der Zeitung, dass die Beamten auf Platz 1 der unbeliebtesten deutschen Berufsgruppen seien. Jedenfalls steht mein Bekannter kurz vor dem seelischen Austicken, weil er diese unterschwellige Hetze und Beleidigungen gegen Beamte langsam nicht mehr ertragen kann.

Nomadd
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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Nomadd » 25.07.2014 03:56

btw: Das gleiche Thema (bleibt immer aktuell!) habe ich schon mal vor zwei Jahren in folgendem Forum initiiert, aber die Resonanz war leider nur Getrolle...

www forum-3dcenter.org/vbulletin/showthread.php?t=523844

accuracy
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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von accuracy » 25.07.2014 06:32

Warum.... ?

Diese Frage lässt sich doch ganz einfach beantworten !

Nicht alle aber genügend Politiker - wobei von diesen die Beamten eingestellt werden um dessen Politik umzusetzen - lassen sich in den Medien entsprechend negativ über ihre eigenen Beamten aus !

Und mit besten Beispiel gehen da die Politiker vorran, welche sich in der Öffentlichkeit und beim Wähler mit sozialen Tugenden schmücken !

Ich habe mich lange nach dessen Motive gefragt und nur eines gefunden:

Ziel der Beamtendiffamierung ist es Arbeitnehmer und Beamte gegeneinander auszuspielen und dadurch dessen Solidarität zu verhindern!

Hier nich ein schönes öffentlichen Besispiel, was sich in diesem Zusammenhang unser Bundesfinanzminister geleistet hat:

https://www.youtube.com/watch?v=Ngm-rX_XZv0

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Hauseltr
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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Hauseltr » 25.07.2014 10:46

Hast du nichts Besseres zu tun? :oops: :oops: :oops:

Nomadd
2012-03-28, 22:09:23
Ein Bekannter von mir ist Beamter und arbeitet auf einem Amt. Er ist seit 15 Jahren verbeamtet. Seit er verbeamtet ist, muss er sich ständig Witze und dumme Anmachen anhören wie z.B. "Wussten Sie schon, dass Tierärzte Hunde und Katzen neuerdings mit Beamtenblut einschläfern lassen?" oder "Beamte sind wie Viren: Sie wirken nicht indem sie handeln, sondern indem sie sich vermehren" und so weiter; nachlesbar im Internet ;) Immer wieder wird sich über die Beamten lustig gemacht. Aber warum? Sie arbeiten doch genauso wie alle anderen Büroangestellten. Warum haben Beamte den Ruf nicht richtig zu arbeiten und faul bzw. unnütz zu sein? Ist es der Neid auf die Privilegien der Beamten? Die Wut darüber, dass man selbst nur einen gammeligen Ausbeutersklavenjob in der Wirtschaft bekommen hat?

Wenn mein Bekannter müde von der Arbeit kommt, dann sagen die Nachbarn schon "Jaja, die Beamten schlafen bei der Arbeit und kommen müde nach Hause" und ähnliches. Sowas ist doch einfach nur scheiße, dass man sich von anderen Leuten wegen dem Beruf diffamieren lassen muss. Kürzlich las ich auch in der Zeitung, dass die Beamten auf Platz 1 der unbeliebtesten deutschen Berufsgruppen seien. Jedenfalls steht mein Bekannter kurz vor dem seelischen Austicken, weil er diese unterschwellige Hetze und Beleidigungen gegen Beamte langsam nicht mehr ertragen kann.

http://www.forum-3dcenter.org/vbulletin ... 23844.html

Na gut, hast du oben schon mal eingefügt. Das habe ich zu spät gesehen!

Aber mal ganz ehrlich, über dem Sozialneid stehe ich. Früher durfte man sich anhören: Was, du willst Beamter werden? Geh mal zu Psychater, bei xyz verdienst du viel mehr und heute wird mir der Würfelzucker via Pension angeblich quer in den Arsch geblasen. Während die Renten dieser Klugscheißer angeblich nicht zum Leben reichen, trotz Eigentumswohnung und alle 2 Jahre einen neuen Wagen!

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Ruheständler
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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Ruheständler » 25.07.2014 12:19

eigene Biografie:
1965 bis 1969 Lehre als Feinmechaniker (privatwirtschaft)
1969 bis 1973 Soldat auf Zeit ( mitleidige Kommentare aus dem damaligen Bekanntenkreis :lol:
1973 bis 1986 beschäftigt in der Bundeswehrverwaltung (Technik) der Bekanntenkreis verdiente damals richtig Kohle :(
1986 bis 2013 technischer Beamter im mittleren Dienst ( mittlerweile hat sich der Bekanntenkreis beruhigt,da auf dem freien Arbeitsmarkt ja bekanntlich es nicht mehr so rosig aussieht) :D
seit 2013 im verdienten Ruhestand :mrgreen:
...und zur Unnützigkeit und Faulheit mal angemerkt,diese menschlichen Versager gibt es überall, in der Politik, im privaten Management, im öffentlichen Dienst.
Gruß Ruheständler
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
meine Eltern sagten damals immer wieder:Junge mach aus Deinem Leben was anständiges, Ergebniss : Feinmechaniker, Soldat,Arbeiter,Angestellter,Beamter,Pensionär,was soll ich noch vollbringen ?... :mrgreen:

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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Nomadd » 25.07.2014 17:53

accuracy hat geschrieben:Hier nich ein schönes öffentlichen Besispiel, was sich in diesem Zusammenhang unser Bundesfinanzminister geleistet hat:

https://www.youtube.com/watch?v=Ngm-rX_XZv0
Das habe ich damals auch mitbekommen und fand es ungeheuerlich :x
Hauseltr hat geschrieben:Aber mal ganz ehrlich, über dem Sozialneid stehe ich. Früher durfte man sich anhören: Was, du willst Beamter werden? Geh mal zu Psychater, bei xyz verdienst du viel mehr und heute wird mir der Würfelzucker via Pension angeblich quer in den Arsch geblasen. Während die Renten dieser Klugscheißer angeblich nicht zum Leben reichen, trotz Eigentumswohnung und alle 2 Jahre einen neuen Wagen!
Ja, das ist leider so. Die Leute aus der freien Wirtschaft legen es sich so, wie sie es gerade brauchen. Mal sind Beamte die armen Ausgebeuteten und wenn's in der Wirtschaft schlecht läuft, sind Beamte auf einmal Parasiten, faul etc. :?
dibedupp hat geschrieben:Warum wurdest du in dem Forum denn gesperrt?
Ich bin nicht gesperrt, ich bin da jetzt unter einem anderen Nick unterwegs.
Mich hatte halt schockiert, dass in dem Thread soviele Vorurteile und Klischees über Beamte vorgebracht worden sind... :oops:

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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Mikesch » 26.07.2014 00:00

Nomadd hat geschrieben:Jedenfalls steht mein Bekannter kurz vor dem seelischen Austicken, weil er diese unterschwellige Hetze und Beleidigungen gegen Beamte langsam nicht mehr ertragen kann.
Erwachsen scheint er aber dann nicht geworden zu sein, zumindest hat er scheinbar keine wirklichen Probleme im Leben, tz, tz, tz...

Gibts übrigens ne nette Erwiderung drauf: "Hättest Du besser in der Schule aufgepasst...", wenn das Gegenüber dann kocht, Ziel erreicht :-)

Tja, woher kommt das wohl, Freunde mache ich mir jetzt hier bestimmt auch nicht, geht mir aber am A. vorbei...

Es IST so, dass Beamte aus einer gesicherten Position heraus arbeiten. Es ist völlig egal, ob einer langsam oder schnell, gut oder schlecht ist. Er bekommt jeden Monat sein Salär ohne -bis auf vllt. fehlende Beförderung- Konsequenzen fürchten zu müssen.
Ebenso bei Krankheit, völlig schnuppe, ob er ein Jahr oder länger krank ist, er bekommt volles Gehalt. Zustände, die in der freien Wirtschaft schlicht undenkbar sind. Entweder man fliegt oder hat bei langer Krankheit nur noch 60% Krankengeld.
Ein Beamter im gD als Rat oder OR hat mit ca. 50 so viel Kohle netto in der Tasche, die im Bereich kleines Management in der Freien liegt. Selbst im mD, der Betriebsleiter eines großen bundesweiten Gaslagers eines Konzerns hat netto nicht mehr als ich als A9er in der Endstufe. Im Gegensatz zu mir muss er aber arbeiten...
Sicherlich spielt Neid eine große Rolle, aber ist es dann wirklich verwunderlich, dass Beamte zum Feindbild auserkoren werden? Selbst bei den Einschnitten der letzten 10 Jahre stehen Beamte immer noch besser da als die Arbeitnehmer in der Freien.

Ich nehme mal die Tretmühlen bestimmter Bereiche ausdrücklich aus, denn es gibt sie, die Beamten, die Stress ohne Ende haben und für wenig Geld in einer Mühle stecken. Nur, in der Gesamtheit der Beamtenschaft machen sie nur einen kleinen Teil aus.

Ich habe nun über 40 Dj auf den Buckel, kenne die BW, das Arbeiten bei einer Kommune, wurde kreuz und quer durch die Republik gescheucht. Wie sieht denn das Leben in einem Amt aus?
Gemächlichkeit aller Orten. Um 9 gibts Kaffepause, um 3 wieder, ach ja, dann noch die Mittagspause. Gut 1 1/2 Stunden jeden Tag Kaffetrinken, das durch den Steuerzahler finanziert wird. Die Zusatzstunde auf den Tag für die Raucher mal nicht eingerechnet...
Was sieht der Bürger? Geh mal zur Kaffeezeit zum Amt, egal welches, plötzlich geht es nicht mehr voran, aber ein Haufen Beamter/Angestellte laufen scheinbar ziellos über die Gänge...
Ich vermeide es mittlerweile, dienstlich bei einer Behörde gegen 9-10 Uhr anzurufen, hat eh keinen Sinn, da niemand zu erreichen ist. Nach 15 Uhr braucht man es auch nicht mehr versuchen.
Egal welches Amt ich war, überall das Gleiche...
DAS sieht der Bürger und da soll der sich nicht aufregen?

Jaaa, man hat uns einiges abgezwackt, aber ich sehe mich persönlich in einem arbeitstechnischem Schlaraffenland, was ich in der Freien nie und nimmer hätte. Und das halte ich mir immer vor Augen!
Wenn denn jemand schimpft, dann grinse ich und habe o.g. Spruch drauf...

Die, die über die Anfeindungen schimpfen, sollten mal drüber nachdenken, in welcher Situation sie stecken und wo sie mit ihrer objektiven Leistung in der Freien stehen würden, müssten sie ihr Geld ausnahmsweise mal mit Arbeit verdienen.
Die meisten Beamten sind doch gar nicht lebensfähig oder dürften bestenfalls die Straße fegen, überspitzt gesagt.

Ich bin bestimmt kein Freund von Schäuble, ist für mich iwie ein K......., aber in dem Video finde ich den richtig gut, da hat er seine Art mal an der richtigen Stelle raus gelassen.
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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Theaterkritiker » 26.07.2014 14:39

Ein Beamter im gD als Rat oder OR hat mit ca. 50 so viel Kohle netto in der Tasche, die im Bereich kleines Management in der Freien liegt. Selbst im mD, der Betriebsleiter eines großen bundesweiten Gaslagers eines Konzerns hat netto nicht mehr als ich als A9er in der Endstufe. Im Gegensatz zu mir muss er aber arbeiten...
Sag mal Mikesch, war heut was falsches im Kaffee drin, oder warum labern Sie so'n Scheiß. Entschuldigung, aber ich muß das in solch derber Deutlichkeit sagen. Genau so haben nämlich meine "ehemaligen" Kollegen auf'm Bauamt auch gelabert. Bis mal einer von der Firma Siemens rübergewechselt ist, war ein Elektroingenieur mit FH-Abschluß und hatte 6 Jahre dort auch im Ausland gearbeitet. Wurde dann in der Bauverwaltung als Angestellter BAT IIa (E11) eingestellt und teilt den verdutzten Kollegen unter Vorlage seiner siemensschen Verdienstbescheinigung mit, dass er nunmehr noch nicht einmal ein Drittel seines vorherigen Gehaltes hat. Auf die Frage, warum er denn in den ö. D. gegangen sei, antwortete er, dass er eine Familie gründen und seßhaft werden möchte. Die ständigen Auslandsaufenthalte und Wechsel der Arbeitsstätten seien nichts für ihn. Gleiches habe ich erlebt, als ich für schallschutztechnische Anträge zuständig war. Für die verwaltungsseitige Abwicklung war ich mit zwei anderen verbeamteten Kollegen zuständig, für die technische Abwicklung wurden zwei Ingenieur eines größeren Ingenieurbüros eingekauft. Die beiden "freien" Ingenieure hatte netto mehr als wir drei Beamten brutto im Monat verdienten. Aus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit heraus kenne ich einige Beschäftigte eines großen stuttgarter Autokonzerns. Die können mit 60 aufgrund einer betrieblichen Vereinbarung abschlagsfrei in Rente gehen und wenn se 50 % Erwerbsunfähig sind, dann sogar mit 55, abschlagsfrei wohlgemerkt. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Es wäre gut, einmal über den ländlichen Tellerrand hinauszuschauen als das Beispiel einer Hinterhof-KFZ-Werkstatt mit seinem "cholerischen" Chef zu nehmen, der seinen Angestellten gerade mal den Mindestlohn zu "fressen" gibt. :evil:

Ach und jetzt auch noch den Schäuble rechtfertigen, mit seiner übelsten Mobbingattacke gegen seinen Pressesprecher ist der Gipfel. In jedem anständigen Rechtsstaat würde der jetzt Schadensersatzpflichtig gemacht. Ich stelle mir diese Situation in den USA vor, wenn der US-Wirtschaftsminister seinen Presseheini dermaßen in der Öffentlichkeit zur Sau gemacht hätte. Millionen Schadensersatzansprüche wären die Folge gewesen.

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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Mikesch » 26.07.2014 14:52

Theaterkritiker hat geschrieben:... oder warum labern Sie so'n Scheiß.
Sagte ich doch, ich mache mir keine Freunde hier, auch das ist mir sch.. egal!

Meine Erfahrungen von über 40 Jahrzehnten, meine Meinung...
Tja, und tätigkeitsbedingt bewege ich ich mich ausschließlich in Unternehmen, ich sehe den Unterschied.

Aber wie das so ist mit der Selbstkritik, wir armen gescholtenen Beamtenherzchen... ;-)

Ach ja, die Minderheit derer, die wirklich Grund zum Moppern haben, hatte ich ja ausgenommen. Und die Autoindustrie anzuführen ist auch nicht vergleichbar, eine Minderheit mit umgekehrten Vorzeichen.

Macht mal weiter, ich bin raus ;-)
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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Theaterkritiker » 26.07.2014 15:09

Ach ja, die Minderheit derer, die wirklich Grund zum Moppern haben, hatte ich ja ausgenommen. Und die Autoindustrie anzuführen ist auch nicht vergleichbar, eine Minderheit mit umgekehrten Vorzeichen.
Es betrifft nicht nur die Autoindustrie die ich nur beispielhaft erwähnte, sondern auch alle anderen Großindustrieen. Meinen Sie, in anderen Großkonzernen wie etwa bei Bayer in Leverkusen oder BASF in Lu wäre es anders. In fast allen anderen Branchen außer dem ö. D. gibt es Taifverträge, in denen die Beiträge für Zusatzrenten von den Arbeitgebern getragen werden. Selbst in der gar nicht mal so arbeitnehmerfreundlichen Bauindustrie zahlt der Arbeitgeber den Zusatzbeitrag an die SoKa-Bau. Und wenn in der Großindustrie auch nur ein Arbeitsplatz BETRIEBSBEDINGT abgebaut werden soll, legt sich die ganze Politikerschar mächtig ins Zeug um diese Arbeitsplätze zu erhalten. Ich möchte nicht wissen, wieviele medienwirksame Krokodilstränen da schon geflossen sind. Und im ö. D., da wird ständig von Arbeitsplatzabbau, -verlagrung und Privatisierung gesprochen; von den gleichen Politikern eben.

Naja, ich hoffe nur, das die Spezies aus der Vergangenheit wie "wirtschaft_frei" oder "Mad Max" hier nicht noch auftauchen. Ich glaub, die sind eh gesperrt! :P

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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Mikesch » 26.07.2014 15:34

Theaterkritiker hat geschrieben:Naja, ich hoffe nur, das die Spezies aus der Vergangenheit wie "wirtschaft_frei" oder "Mad Max" hier nicht noch auftauchen. Ich glaub, die sind eh gesperrt! :P
Drum war ich mal so frei, gibt ja sonst keinen mehr ;-)

Was in den Konzernen abläuft, da mag ich nicht widersprechen. Ich hatte mal Einblick in die Gehaltstabelle bei VW, da ist mir ja fast schlecht geworden ;-)
Richtig ist auch, dass da öffentlich nicht dran gerührt wird, Beamte machen sich da als Feindbild besser.

Aber kann man das auf die Gesamtheit übertragen? Ich bewege mich in mittelständische Unternehmen, dort dürfte die Mehrheit der Arbeitnehmer angesiedelt sein, da mache ich jedesmal drei Kreuze, wie gut es mir geht.

Ich mag ja nicht von der Hand weisen, dass mein Blick eingeschränkt ist. Ich habe mit allerlei Ämtern zu tun, dienstlich wie privat. Sorry, wenn ich sehe, was da teils abgeht, bekomme ich manchmal ein Hörnchen.
Eben dies ist oft auch der Bereich, womit der Normalbürger zu tun hat und das oben von mir zuerst Geschriebene unter Absatz 3 Satz 1-3 ist Fakt.

Aber eigentlich ist das auch egal, als erwachsender Mensch muss man in der Lage sein, mit Anfeindungen klar zu kommen.
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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Michael1990 » 26.07.2014 16:38

Theaterkritiker hat geschrieben:
Ach ja, die Minderheit derer, die wirklich Grund zum Moppern haben, hatte ich ja ausgenommen. Und die Autoindustrie anzuführen ist auch nicht vergleichbar, eine Minderheit mit umgekehrten Vorzeichen.
Es betrifft nicht nur die Autoindustrie die ich nur beispielhaft erwähnte, sondern auch alle anderen Großindustrieen. Meinen Sie, in anderen Großkonzernen wie etwa bei Bayer in Leverkusen oder BASF in Lu wäre es anders. In fast allen anderen Branchen außer dem ö. D. gibt es Taifverträge, in denen die Beiträge für Zusatzrenten von den Arbeitgebern getragen werden. Selbst in der gar nicht mal so arbeitnehmerfreundlichen Bauindustrie zahlt der Arbeitgeber den Zusatzbeitrag an die SoKa-Bau. Und wenn in der Großindustrie auch nur ein Arbeitsplatz BETRIEBSBEDINGT abgebaut werden soll, legt sich die ganze Politikerschar mächtig ins Zeug um diese Arbeitsplätze zu erhalten. Ich möchte nicht wissen, wieviele medienwirksame Krokodilstränen da schon geflossen sind. Und im ö. D., da wird ständig von Arbeitsplatzabbau, -verlagrung und Privatisierung gesprochen; von den gleichen Politikern eben.

Naja, ich hoffe nur, das die Spezies aus der Vergangenheit wie "wirtschaft_frei" oder "Mad Max" hier nicht noch auftauchen. Ich glaub, die sind eh gesperrt! :P
Schon mal was von Zeitarbeit und Ingenieursdienstleistern gehört? Die letzte Zeit mal eine der Reportagen über Subunternehmer (ich meine es war bei Daimler) gesehen?
Und Zusatzrenten, die zu 100 von AG getragen werden? Träum weiter, Entgeltumwandlung ist die Devise. 50% AG, 50% AN. Auf die Zusatzrente darf dann im Alter schön der volle Krankenkassenbeitrag gezahlt werden.
Und als Schlecker und Arcandor pleite gegangen sind, gab es keine Rettung von der Politik.

Zu den Zusatzrenten der SoKa- Bau:
http://de.wikipedia.org/wiki/SOKA-BAU

1. Rentenbeihilfeverfahren
Die Rentenbeihilfe ist eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung für die Arbeiter, später auch für Angestellte, der (West-)deutschen Bauwirtschaft. Die Leistungen der Rentenbeihilfe richten sich nach der Zugehörigkeit zum Baugewerbe.
Höhe dieser Beihilfe im Höchstfall bei 65 Jahren Renteneintritt und 440!! Monaten Wartezeit: 88,70 Euro. Boah :twisted:
http://www.soka-bau.de/soka-bau_2011/de ... lfe/Hoehe/

2. Tarifliche Zusatzrente
2001 wurde im Rahmen des Alterseinkünftegesetzes die Tarifliche Zusatzrente, eine freiwillige Zusatzrente für die Arbeitgeber und Mitarbeiter der Bauwirtschaft, eingeführt. Üblicherweise sind die Leistungen per Entgeltumwandlung finanziert, der Durchführungsweg ist die Pensionskasse.
http://www.igbau.de/Binaries/Binary1040 ... _10_11.pdf -> Seite 4:
Garantierte Rente bei einem heute 30jährigen Mann im Altrer 67 = 195,18 Euro

Nomadd
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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Nomadd » 26.07.2014 22:18

Mikesch hat geschrieben: Es IST so, dass Beamte aus einer gesicherten Position heraus arbeiten. Es ist völlig egal, ob einer langsam oder schnell, gut oder schlecht ist. Er bekommt jeden Monat sein Salär ohne -bis auf vllt. fehlende Beförderung- Konsequenzen fürchten zu müssen.

Ebenso bei Krankheit, völlig schnuppe, ob er ein Jahr oder länger krank ist, er bekommt volles Gehalt. Zustände, die in der freien Wirtschaft schlicht undenkbar sind. Entweder man fliegt oder hat bei langer Krankheit nur noch 60% Krankengeld.

Ich habe nun über 40 Dj auf den Buckel, kenne die BW, das Arbeiten bei einer Kommune, wurde kreuz und quer durch die Republik gescheucht. Wie sieht denn das Leben in einem Amt aus?
Gemächlichkeit aller Orten. Um 9 gibts Kaffepause, um 3 wieder, ach ja, dann noch die Mittagspause. Gut 1 1/2 Stunden jeden Tag Kaffetrinken, das durch den Steuerzahler finanziert wird. Die Zusatzstunde auf den Tag für die Raucher mal nicht eingerechnet...
Ich habe eine Abi-Kollegin, die in HH gerade mit dem Studium "Public Management" (Vom Niveau eher 'ne etwas bessere 0815 Ausbildung, getarnt als DUALES Studium, weiß der Geier warum...) fertig geworden ist und jetzt Vollzeit anfängt... Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Die hat mir auch sooo krasse Geschichten bezogen auf die (ihre) Behörde erzählt, allerdings wusste ich nicht, ob ich ihr die glauben soll, weil's so unwirklich erscheint... :lol:

Unter anderem erzählte sie:
Pro Quartal 2 Tage extra frei für Arztbesuche und Behördengänge, selbstverständlich ohne Nachweis.
Am Geburtstag, Hochzeitstag und dergleichen braucht man nur von 09.00 - 11.00 Uhr da sein.
Dann irgendwelche Kaffeerunden, die als "Fortbildungen" getarnt sind.

Allgemein sehr laxe Arbeitsweise ohne Druck und Terminnot. Jeder teilt sich die Zeit dort so ein wie ihm gerade recht.
Einer der Kollegen dort kümmert sich mehr um sein D-Jugend Traineramt als um die Arbeit, ein anderer spielt hauptberuflich EVE Online...

Sie arbeitet in einer Abteilung, in der nominell 12 Personen beschäftigt sind, nur sind nie mehr als 4 bis 5 Leute da. Der Rest ist auf Teilzeit oder dauerkrank.
Da soll es Leute geben, die kommen montags und donnerstags (Teilzeitstelle) zum Quatschen ins Amt. Arbeiten tun die schon seit Jahren nicht mehr...

Usw. etc. pp. ...

Sie sagt, sie hätte nie geglaubt, dass die ganzen Klischees über die Beamten wahr sind...

Ich weiß allerdings nicht, inwiefern das wahr ist. Kann auch sein, dass sie mich auf den Arm genommen hat :roll:
Theaterkritiker hat geschrieben: Bis mal einer von der Firma Siemens rübergewechselt ist, war ein Elektroingenieur mit FH-Abschluß und hatte 6 Jahre dort auch im Ausland gearbeitet. Wurde dann in der Bauverwaltung als Angestellter BAT IIa (E11) eingestellt und teilt den verdutzten Kollegen unter Vorlage seiner siemensschen Verdienstbescheinigung mit, dass er nunmehr noch nicht einmal ein Drittel seines vorherigen Gehaltes hat. Auf die Frage, warum er denn in den ö. D. gegangen sei, antwortete er, dass er eine Familie gründen und seßhaft werden möchte. Die ständigen Auslandsaufenthalte und Wechsel der Arbeitsstätten seien nichts für ihn.
Es gibt immer irgendwelche privilegierten Ingenieure bei Siemens und VW, die besser als IGM bezahlt werden und im Arbeitnehmer-Schlaraffenland vor sich hin arbeiten, aber das sind die Ausnahmen.
Ein ING im Mittelstand kann froh sein, wenn er irgendwann die 50 000 € Jahresbrutto erreicht. Tarifverträge und Boni gibt es im Mittelstand kaum und bekanntlich arbeiten da mehr als 90% aller Ings.. :wink:

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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Nomadd » 26.07.2014 23:14

dibedupp hat geschrieben:Bist du selber Beamter?
Nein, ich promoviere.
Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden :mrgreen:

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Re: Warum werden Beamte ständig als faul und unnütz diffamie

Beitrag von Hauseltr » 28.07.2014 16:08

Sie sagt, sie hätte nie geglaubt, dass die ganzen Klischees über die Beamten wahr sind...

Ich sage mal: wer wie ich im regelmäßig unregelmäßigen Wechseldienst bei der Bahn im Betriebsdienst gearbeitet hat oder noch arbeitet, kann über solchen Blödsinn entweder nur lachen oder bittere Tränen vergiessen. Da wurden uns u.a. die Arbeitszeiten minutengenau vorgegeben.

Aus meinen "jungen" Jahren ein Beispiel:

DB Dienststelle KBW Hannover
Mai 1981, interner Dienstplan 1

Datum Plantag Dienstbeginn Dienstende Übernachtung in
Fr 01 17 16.00 Fuhrberg
Sa 02 18 9.03
So 03 19 R
Mo 04 1 11.39 Sprakensehl
Di 05 2 11.09
Mi 06 3 3.22 15.06
Do 07 4 11.26 Fuhrberg
Fr 08 5 9.55
Sa 09 6 R
So 10 7 21.40 Lauenau
Mo 11 8 11.19
Di 12 9 11.24 20.10
Mi 13 10 10.49 Messenkamp
Do 14 11 9.59
Fr 15 12 R
Sa 16 13 R
So 17 14 R
Mo 18 15 12.08 Nienstedt
Di 19 16 12.18
Mi 20 17 11.17 Fuhrberg
Do 21 18 9.12
Fr 22 19 R
Sa 23 1 10.09 Fuhrberg
So 24 2 11.45
Mo 25 3 3.22 15.06
Di 26 4 11.26 Fuhrberg
Mi 27 5 9.35
Do 28 6 R
Fr 29 7 11.43 Lauenau
Sa 30 8 15.16
So 31 Planwechsel 4 8.45 16.18

24 Arbeitstage
7 Ruhetage

Leider lassen sich die Angaben nicht genau wie im Orginal einstellen, sie sind nach links seitenverschoben.

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