Vogelgrippe, eine Einschätzung

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Mikesch
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Vogelgrippe, eine Einschätzung

Beitrag von Mikesch » 02.03.2006 01:13

Nach dem sich ein Schreiber offentsichtlich ängstliche Gedanken macht, hier ein paar Infos.

Meiner Meinung nach wird hier durch Politik und Presse fast eine Angst geschürt! Ich glaube nicht, dass wir Menschen ernsthaft bedroht sind, schlimmstenfalls wird für einen bestimmten Zeitraum eine Brathähnchenknappheit entstehen und viele Wildtiere sterben. Die Geflügelpest hat es immer schon gegeben und wird es weiterhin geben. Die Natur wird sich wieder erholen, sollte es ganz dicke kommen.
Man erinnere sich an das grosse Robbensterben (wo sich kaum jemand wirklich aufgeregt hat), fast die ganze Population in der Nordsee hatte es dahin gerafft. Aber schon ein paar Jahre später hat sich diese Population vollständig erholt.
Auch sollte man wissen, dass die Geflügelpest für die Hühner-KZ-Betreiber wie gerufen kommt! Hier gilt es ein Gesetz zu kippen, welches in diesen Tagen verabschiedet werden soll, nämlich das Verbot der Hühner-KZ`s.

Der folgende Bericht stammt von einem Tauch-Kollegen, deshalb der Bezug zur Gefahr für Taucher. Da nun Taucher eher für eine Infektion gefährdet erscheinen, als der Normalbürger, könnt Ihr hier schön euer eigenes Risiko ableiten :wink:
Weiterhin ist der Artikel einer der Ersten, der auch wirklich recherchiert ist, nicht auf Angstmachen aus ist und durch etliche kompetente Fachleute untermauert ist!
Entnommen ist der Artikel dieser Seite: http://tauchen.nullzeit.at/Content.Node ... e-h5n1.php

Der Artikel, geschrieben von Leo Ochsenbauer nullzeit.at

In den vergangenen Wochen waren die Medien - nach einem kurzem Ausflug in olympische Gefilde - mit Berichten über den Einzug der Vogelgrippe nach Europa gefüllt. Problematischerweise entsprachen diese zum Teil nicht ganz der Wahrheit, was einen kleinere Hysterie auslöste. Wir wollen hier aufzeigen, wie gefährlich die Vogelgrippe eigentlich ist und ob sie speziell für Taucher noch gefährlicher sein könnte.

Die Frage, wie gefährlich die Vogelgrippe für den Menschen wirklich ist, lässt sich nicht so einfach beantworten - ein kleiner Vergleich kann aber etwas aufzeigen. In den ursprünglich vom Typ "H5N1 Asia" betroffenen asiatischen Ländern leben ca. 30% der Gesamtbevölkerung der Welt und in den vergangenen Jahren haben sich ca. 120 Menschen infiziert, von denen 60 gestorben sind. Alle hatten einen sehr engen Kontakt mit infiziertem Geflügel und lebten unter viel schlechteren hygienischen Verhältnissen als hier zu Lande.

Bei dem Virus H5N1 hat es zudem bislang noch keine nachweisbare Mensch-zu-Mensch-Übertragung gegeben und es konnten keine Hinweise auf genetische Veränderungen des Virus festgestellt werden.

Die Vogelgrippe ist eine Viruserkrankung für die alle Geflügelarten empfänglich sind. Bei Hühnern und Puten werden die höchsten Erkrankungs- und Sterberaten beobachtet. Wassergeflügel erkrankt seltener und weniger schwer, kann das Virus jedoch tragen. Ebenso verhält es sich bei Zugvögeln. Außer bei Vögeln führen Influenzaviren,
welche sich jedoch von denen des Geflügels unterscheiden, zu Erkrankungen bei Menschen, Pferden, Schweinen, Walen und Robben.

Tauchen vom Seeufer weg

Seen und Uferbereiche sind natürliche Rastplätze von Zug- bzw. Wasservögeln wie u. a. Wildgänsen und Enten – und beliebte Ausflugsziele für uns Taucher. Eine direkte Ansteckung wäre zum derzeitigen Wissenstand nur gewährleistet, wenn man es vorzieht, sich im Kot und Federn der Vögel zu suhlen. Da dies nicht als gegeben anzunehmen ist, droht also aus dieser Ecke auch keine Gefahr – zumindest nicht für uns Menschen. Womit wir auch schon beim eigentlichen Problem sind: der Weitergabe des Virus.

Sollten Taucher am Seeufer einsteigen und dabei in Fäkalien von infizierten Tieren steigen, tragen sie das Virus am Fuß. Eine gründliche Reinigung der Ausrüstung (möglichst ohne direkten Kontakt mit den Überresten – aber das wollen ohnehin die wenigsten) ist also dringend angeraten. Die vor kurzem auf Rügen installierten Seuchenteppiche haben eine solch reinigende Wirkung und sollen eine rasche Ausbreitung verhindern.

Des weiteren dürfen tote Vögel nicht angegriffen werden, das das Virus eine leichte Übertragbarkeit durch direkten Kontakt hat. Vom Anschauen ist noch keiner erkrankt – ehrlich!

Entdeckt man ein verendetes Tier, sollte man das jeweilige örtliche Veterinäramt benachrichtigen. Solche Tiere könnten dann rasch in den Veterinäruntersuchungsämtern untersucht werden und somit wichtige Hinweise auf die Verbreitung des Virus geben. Im Falle einer Meldung sollten Sie die Tiere einfach liegen lassen und warten bis die Tierärzte vom Veterinäramt kommen.

Übertragung durch Wasserkontakt

Eine Übertragung durch Wasserkontakt ist nach jetzigem Wissensstand absolut auszuschließen, da das Virus eine leicht verflüchtigende Wirkung aufweist – also nicht lange aktiv bleibt. Weiterhin unbeschwerte Tauchgänge – allerdings mit gewissen Vorsichtsmaßnahmen – sind also durchaus möglich.

Und Hand aufs Herz: wie viele tote Vögel haben Sie in den letzten Jahren aus dem Wasser gezogen oder in wie vielen Fäkalabfällen von Vögeln haben Sie sich gesuhlt? Sollten Sie doch zu dieser Gruppe gehören, würden wir uns über ein entsprechendes Foto freuen ;-)

Inwiefern es Sinn ergibt, ganze Uferteile zu sperren, kann und soll hier nicht beurteilt werden. Dies dient jedoch vorwiegend dem Schutz vor einer Übetragung des Virus durch verunreinigte Schuhe oder Reifen. Dass die infizierten Vögel trotzdem hinfliegen wo sie wollen, sollte jedem klar sein.

Wissenschaftliche Details zur Vogelgrippe

Die im Volksmund als Vogelgrippe bekannte Krankheit, der in den letzten Wochen etliche Vögel in Europa zum Opfer fielen, ist nicht erst seit kurzem bekannt – und auch bei Leibe nicht erst jetzt nach Europa gekommen.

Die durch hoch pathogene (also krankmachende) aviäre Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 hervorgerufene Geflügelpest ist aber prinzipiell eine in der Tiermedizin seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannte Infektionskrankheit, die bevorzugt Hühnervögel und Puten, aber auch Wassergeflügel wie Enten und Gänse befällt und zu großen wirtschaftlichen Verlusten in der Nutzgeflügelhaltung führen kann.

Während bis Mitte der 1990er Jahre Geflügelpestausbrüche selten zu verzeichnen waren und diese geographisch begrenzt blieben, waren seit 1997 vermehrt Infektionen mit hochpathogenen aviären Influenzaviren der Subtypen H7N1, H7N3, H7N7, H5N1 und H5N2 zu verzeichnen.

In Europa waren die letzten Ausbrüche 1999/2000 in Italien (H7N1) und 2003 in den Niederlanden, Belgien und Deutschland (H7N7). Seit Ende 2003 werden Ausbrüche der Vogelgrippe in ca. 11 Ländern Südostasien gemeldet.

Im Jahre 2004 gab es weitere Ausbrüche in Pakistan, Texas/USA, Kanada und Südafrika. Im Juli 2005 wurde über das Auftreten der Geflügelpest in der Grenzregion zwischen Kasachstan und Russland berichtet. Seit einigen Wochen wurde durch heimkehrende Zugvögel der aggressive Virenstamm "H5N1 Asia" nach Europa transportiert.

Die Vogelgrippe in Europa 2006

Die gegenwärtige Situation der Infektion mit dem hoch pathogenen aviären Influenzavirusstamm "H5N1 Asia" zeichnet sich durch die enorme Zahl an infizierten Nutz- und Wildvögeln, die weite geographische Verbreitung sowie eine beträchtliche Zahl an Infektionen mit tödlichem Ausgang beim Menschen aus. Daher ist die "Vogelgrippe" sowohl unter dem Aspekt der anzeige- und bekämpfungspflichtigen Tierseuche als auch dem eines möglichen Ausgangspunkts für eine neue humane Pandemie zu betrachten.

Auf Grund der ständigen Bedrohung der Tierbestände durch aus dem Reservoir der Wildvögel (hauptsächlich Wildenten) in Nutzgeflügelbestände eindringende gering pathogene aviäre Influenzaviren, die spontan zu hoch pathogenen Formen mutieren können, die leichte Übertragbarkeit durch den Tierhandel und die großen wirtschaftlichen Verluste infolge der hohen Sterblichkeitsrate, ist die Bekämpfung der Tierseuche Geflügelpest national und international seit längerer Zeit gesetzlich geregelt.

In Deutschland sind die Maßnahmen in der Geflügelpest-Verordnung verbindlich vorgeschrieben. In der aktuell gültigen Fassung der Geflügelpest-Schutzverordnung werden darüber hinaus gehende Maßnahmen, die der aktuellen Bedrohungslage durch "H5N1 Asia" gerecht werden, festgelegt. Essentielle Voraussetzung für eine erfolgreiche Bekämpfung der Geflügelpest ist ein frühzeitiges Erkennen des Erstausbruchs und darauf folgende Bekämpfungsmaßnahmen wie die Isolierung des Seuchenherdes und die Tötung und unschädliche Beseitigung aller infizierten und ansteckungsverdächtigen Tiere.

Die weite geographische Verbreitung des Typs "H5N1 Asia" ist auf eine zunächst nicht erkannte oder nicht gemeldete großflächige Verbreitung in Südostasien zurückzuführen, wobei das Virus dann wahrscheinlich durch infizierte Wild- und Zugvögel weiterverbreitet wurde.

Ansteckungsgefahr für den Menschen

Seit 1997 ist bekannt, dass "H5N1 Asia" humanpathogenes (also den Menschen krankmachendes) Potential besitzt. Nach heutigem Kenntnisstand ist ein enger Kontakt des Menschen zu infiziertem Geflügel für eine Ansteckung notwendig. Allerdings erfolgen Infektionsereignisse insgesamt gesehen trotz einer erheblichen anzunehmenden Dunkelziffer nur selten.

Insofern ist die "Vogelgrippe" derzeit immer noch als Tierseuche ("Geflügelpest") zu klassifizieren. Es besteht allerdings die Befürchtung, dass sich "H5N1 Asia" eines Tages so an den Menschen adaptieren kann, dass es durch eine effiziente Ausbreitung direkt von Mensch zu Mensch das Potenzial für eine weltumspannende Pandemie mit unbekannten Folgen erlangen könnte.

Die für einen solchen Wirtswechsel notwendigen molekularen Voraussetzungen (Mutationen im Virusgenom) sind weitgehend unbekannt. Allerdings wurden experimentell einige Genombereiche identifiziert, die hierbei eine Rollen spielen. Dazu gehören u.a. die Rezeptorbindungsstelle im Oberflächenprotein Hämaglutinin sowie eine spezifische Aminosäure in einem Protein des Replikasekomplexes.

Beide Mutationen wurden schon früher in Patientenisolaten von "H5N1 Asia" gefunden, wobei sich aber bisher keine dieser Mutationen im Geflügel oder im Menschen selektiv ausbreiten konnte.

Pandemie oder Hysterie?

Inwieweit "H5N1 Asia" überhaupt die Fähigkeit zur pandemischen (also weltweiten Epidemie) Verbreitung erlangen kann, ist nicht bekannt, aber nicht auszuschließen.

Durch die Bedeutung aviärer Influenzaviren sowohl für die Veterinär- als auch die Humanmedizin ist eine enge Zusammenarbeit der verantwortlichen Bundesinstitute notwendig.

Die selbständigen Bundesoberbehörden des Bundesministeriums für Gesundheit und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, das für humane Infektionskrankheiten zuständige Robert Koch-Institut, das für Impfstoffe verantwortliche Paul Ehrlich-Institut und das für den Veterinärbereich zuständige Friedrich-Loeffler-Institut, befinden sich daher in der Einschätzung der Lage und hinsichtlich der zu treffenden Maßnahmen kontinuierlich in engstem Kontakt.

Damit wird ein unmittelbarer Informationsfluss zwischen Veterinär- und Gesundheitsbehörden sichergestellt, was für eine erfolgreiche Infektionsabwehr von grundlegender Bedeutung ist.

Aktuelle Informationen zur Vogelgrippe des Friedrich-Loeffler-Instituts
http://www.fli.bund.de/Aktuelle_Mitteil ... 471.0.html

[Quellen: nullzeit.at, Prof. Dr. Reinhard Kurth (Robert Koch-Institut), Prof. Dr. Johannes Löwer (Paul Ehrlich-Institut), Prof. Dr. Thomas Mettenleiter (Friedrich-Loeffler-Institut), VDST, Dr. Christina Popp (Geflügelgesundheitsdienst des Landes Baden-Württemberg), Dr. Marc Hoferer (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart), Prof. HM Hafez (Institut für Geflügelkrankheiten der Freien Universität Berlin)]

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