Kündigung wegen Dienstunfall - Dienstherr zweifelt an!

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Südsternchen
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Kündigung wegen Dienstunfall - Dienstherr zweifelt an!

Beitrag von Südsternchen » 06.11.2015 13:05

Hallo zusammen,

ich möchte nochmal kurz meinen Fall darstellen:

- 8/2014 Beginn Vorbereitungsdienst (Lehramt) in SH, davor 3 Jahre an Privatschule als Lehrerin tätig

- 10/2014 Dienstunfall während der Schulzeit (DU ist 12/2014 anerkannt worden) (Tinnitus ~ 90 db, Hyperakusis, deshalb ständige Kopfschmerzen und PTBS)
Ursache war ein (emotional/sozial) auffälliges Kind, welches mir aus nächster Nähe mehrfach ins Ohr gekreischt hat. Das Kind hat auch schon andere Lehrer und Mitschüler verletzt/verprügelt, es ergingen von Seiten der Schule etliche Meldungen ans Jugendamt.

- seit 11/2014 durchgehend wegen Dienstunfähigkeit krank geschrieben, viele Therapien, auch Psychotherapie. Keine gesundheitliche Verbesserung.

- 7/2015 Gutachten durch Amtsarzt, Tenor: "eindeutig dienstunfähig durch den Dienstunfall".

- 10/2015 Entlassung durch das Ministerium zum 30.11.2015 wegen "mangelnder gesundheitlicher Eignung".

10/2015 beantragte ich Unerhaltsleistungen wegen Entlassung wegen des Dienstunfalls und daraus resultierender unverschuldeter Arbeitslosigkeit.

Antwort Ministerium: Im Moment muss geprüft werden, ob überhaupt ein kausaler Zusammenhang zwischen Dienstunfall und Entlassung besteht.

Ich sage hierzu: Ich war vor 10/2014 gesund und habe mit Freunde 3 Jahre unterrichtet. Ich hatte keinen Tinnitus, und ich konnte aus der Haustür gehen, ohne dass mir die Welt sofort "zu laut" ist. Ich muss mir nun bei vorbeifahrenden Bussen die Ohren zuhalten, weil der Lärm mich richtiggehend schmerzt!
Ich bin im Moment unglaublich fassungslos, dass mit allen Mitteln versucht wird, sich aus der Sache herauszuwinden.

Ich habe eine Abschlagszahlung für die Unerhaltsleistungen erbeten, da ich sonst in finanzielle Schwierigkeiten gerate. Antwort: kein Rechtsanspruch.
In der selben EMail wurde mir nahegelegt, mich arbeitssuchend zu melden.
Ich empfinde diesen "Rat" als sarkastisch. ich bin weiterhin krank geschrieben und arbeitsunfähig, ich erhalte auch keine Leistungen bez. ALG II, da ich nichts erwerbsfähig bin (Rücksprache mit dem Jobcenter!).

Ich war zwar bei einer sehr kompetenten Anwältin, die mich auch gut beraten hat und mir bei der Antragstellung von Unterhaltszahlung und Unfallausgleich geholfen hat - allerdings kann ich mir mehr als das Erstgespräch finanziell nicht leisten.

Hat mir jemand bitte (!) einen Rat, was und wie ich noch tun kann?

Und noch eine Frage: was passiert denn mit meiner Krankenversicherung? Im Moment bin ich privat versichert (möchte das aber nicht bleiben). Kann ich ohne Arbeit / ohne ALG II / ohne alles?!? überhaupt in die gesetzliche wechseln? Was zahle ich da?

Danke vielmals!!

S.

Torquemada
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Re: Kündigung wegen Dienstunfall - Dienstherr zweifelt an!

Beitrag von Torquemada » 06.11.2015 14:12

Südsternchen hat geschrieben: ich bin weiterhin krank geschrieben und arbeitsunfähig, ich erhalte auch keine Leistungen bez. ALG II, da ich nichts erwerbsfähig bin (Rücksprache mit dem Jobcenter!).
Vorsicht !!! Diese Auskunft (wenn es denn eine ist) ist falsch.

Der Antrag ist beim Jobcenter zu stellen. Der Antragstermin gilt im Zweifel dann als Antragstellung auf SGB XII-Leistungen, falls kein Anspruch auf SGBII-Leistungen besteht.

NIEMALS irgendwelchen mündlichen Auskünften von überforderten und schlecht ausgebildeten Beschäftigten der Jobcenter bzw. der Agentur für Arbeit vertrauen.

Wenn du die Vermögensfreigrenze nicht überschreitest und nicht in Partnerschaft mit einem verdienenden Arbeitnehmer lebst, hast du immer Anspruch auf Leistungen entweder nach SGBII oder SGBXII. Das SGBII tritt auch in Vorleistungen auf eventl. zu erwartende andere Leistungen, für die dann Erstattungsansprüche angemeldet werden.

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