Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

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Tübingen
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Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

Beitrag von Tübingen » 12.03.2020 08:02

Hallo und freundliche Grüße in die Runde,

die Angst irgendwie unter die Räder der juristischen Wertung oder ähnlichem zu kommen, hat mich frühzeitig hierher geführt.
Kurz zu meiner Person, bin Beamter mit deutlich über 40 Dienstjahren und zur Zeit die 4. Woche krank gemeldet.

Ursache:
Aus „notfallbedingten Grund“ habe ich mir leider auf einem Fluchtweg heftig den Kopf angeschlagen. Kam Zu Fall, musste mich danach übergeben.
Den Vorfall haben mehrere Kollegen beobachtet und mich dann auch zum Glück sehr freundlich betreut und unterstützt.

Preussisch korrekt und trotz sehr starker Kopfschmerzen, Schwindel und einiges mehr, habe ich jedoch aufgrund von Personalmangel (mit Hilfe von Kollegen) weiter gearbeitet.

Am nächsten Tag waren die Schmerzen jedoch derart stark, dass ich doch beim Arzt vorstellig wurde.
(Eine entspr. Unfallmeldung wurde per Fax an den Dienstherren abgesetzt. Bisher, 4Wo. später, noch keine Reaktion.)

Der Arzt, ein Orthopäde (D-Arzt) hat die HWS geröngt und ein Schleudertrauma (deutliche Bewegungseinschränkung) festgestellt, gleichzeitig wurde ich zum Neurologen überwiesen.
Das vom Neurologen geschriebenes EEG war ohne Befund.
Allerdings hat der Neurologe eine leichte Schwäche an einem Arm festgestellt.

Deshalb hat er wiederum ein MRT veranlasst.
Von diesem Radiologen wurde mir von  einer fokalen Blutung berichtet, deren Verlauf beobachtet werden muss.
Im späteren schriftlichen Befund war dann aber nun auch von zwei anderen med. Gründen der Bildabweichung/Blutung die Rede.




Zwar war ich, entsprechend meinem Alter zuvor nicht frei von Erkrankungen.
Hatte jedoch nie in solch einem Ausmaße Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen zu beklagen.
Außerdem ist es mir im Moment nicht möglich länger am PC zu sitzen, zu lesen oder TV zu sehen.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich jetzt schon ausdrücklich für hiesige Schreibfehler u.ä entschuldigen.
Die Konzentration ist derzeit ein großes Problem!



Beim letzten Kontrolltermin beim Orthopäden hat er mich an eine örtliche BG-Klinik „kurativ“ mit dem Zusatz „zur Mitbehandlung“ überwiesen.**


Dort war ich vor 15 Jahren schon einmal im Zusammenhang mit einem anderen Dienstunfall. Leider habe ich die Klinik nicht gut in Erinnerung. Meine anhaltenden Gelenkprobleme wurden damals mit einer anatomischen Besonderheit erklärt die angeblich durch den damaligen Unfall nur getriggert wurde.
Deshalb bin ich nun recht angespannt, da ich befürchte, dass nun wieder ähnliche "Besonderheiten" meiner Anatomie oder sonst etwas anderes als Grund für meine aktuellen Beschwerden herangezogen werden könnten und insbesondere evtl. Langzeitschäden dort eher skeptisch bewertet werden könnten....

Vielleicht kann der ein oder andere seine Erfahrungen (Beamter) mit mir teilen und kann vielleicht sogar wichtige Tipps dazu geben wie ich weiter verfahren soll und wo evtl. Fallstricke lauern.
Insbesondere interessiert es mich aktuell , ob ich verpflichtet bin mich von der BG** mitbehandeln zu lassen. Leider bekam ich konkret hierzu zwischenzeitlich von 2 Anwälten telefonisch zwei verschiedene Auskünfte.....

Danke vorab für die Unterstützung!

Kimba
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Re: Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

Beitrag von Kimba » 12.03.2020 19:51

Nur als Info:
als Beamter muss du nicht zum Durchgangsarzt.
Kannst zu jeden niedergelassenen Arzt gehen.

Dienstunfall_L
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Re: Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

Beitrag von Dienstunfall_L » 12.03.2020 20:15

Bin selber nicht in Bereich Telekom und Post.
Weiß aber: Bei Beamten, die versichert sind in der Pbkk, hat die BG Verkehr die Zuständigkeit.
Und wer Besoldungsgruppe unter A9 ist, muss einen Durchgangsarzt aufsuchen ... sagt dieses Infoblatt https://www.bg-verkehr.de/redaktion/med ... unfall.pdf

Dies ist ein Sonderfall, scheint mir.
Es gibt doch bestimmt mehrere Beamte bei der Post, die schon einen Dienstunfall hatten. Könnt ihr hier unterstützen?

Kimba
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Re: Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

Beitrag von Kimba » 13.03.2020 11:50

Ich hatte vor einigen Jahren einen Dienstunfall. (Deutsche Post)
War zuerst beim D-Arzt, weil mein Chef sagte, das ich da hin muss.
Ich war aber sehr unzufrieden mit dem Arzt. Er wollte mich nicht länger krank schreiben, obwohl ich starke Schmerzen im Knie hatte.
Ich sollte wieder arbeiten, er meinte das wird schon gehen.
Ich hatte dann eine Broschüre von der Unfallkasse bekommen, wo drin stand, das Beamte sich bei jedem niedergelassenen Arzt behandeln lassen können. Als Beamter muss man nicht zum Durchgangsarzt.
Ich hab zur Sicherheit bei der Unfallkasse angerufen, und die haben mir das auch nochmal bestätigt.
Sodaß ich zu meinem Orthopäden gehen konnte. (der hatte dann ein MRT angeordnet, wo raus kam das der Meniskus gerissen war)

Siggi09
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Re: Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

Beitrag von Siggi09 » 13.03.2020 13:12

Kimba hat geschrieben:
13.03.2020 11:50
Ich war aber sehr unzufrieden mit dem Arzt. Er wollte mich nicht länger krank schreiben, obwohl ... der Meniskus gerissen war)
Sind die Durchgangsärzte von den Unternehmen abhängig, dass sie "Gefälligkeitsgutachten" machen? Also nur wer die halb toten Mitarbeiter mögl. schnell wieder an die Arbeitsfront schickt, bekommt die Aufträge als Durchgangsarzt?

Im Grunde müsste doch klar sein, dass man damit die Ausfallzeit am Ende nur verlängert. Das kann doch nicht mal im Sinne der Unternehmen sein.

Tübingen
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Re: Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

Beitrag von Tübingen » 16.03.2020 20:02

Danke für die Info.

Wie aktuell ist dieses Infoblatt?

Dienstunfall_L
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Re: Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

Beitrag von Dienstunfall_L » 16.03.2020 21:38

Das Infoblatt ist das, was die BG Verkehr aktuell zum Abruf und Download bereit hält.
Ich würde es machen wie Kimba und mir noch einmal bestätigen lassen, dass die Steuerung des Heilverfahrens nicht bei einem D-Arzt erfolgen muss.

Gibt es hier außer Kimba keine Beamten der Post / in Pbkk, die Erfahrungen haben nach einem Dienstunfall?

@Siggi
So wie du - was im Grunde klar sein müsste - dachten viele vor einem Arbeitsunfall und Dienstunfall mit Langzeitfolgen, übrigens auch manche Arbeitgeber.

Tübingen
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Re: Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

Beitrag von Tübingen » 06.06.2020 18:07

Frage an die hiesigen "Profis", in welchem Zeitfenster muss ein Unfall als Dienstunfall von der BG bestätigt werden?
Konkret sind in meinem Fall schon fast 4 Monate her und ich habe von dort (Coronabedingt?) nichts gehört.

Mein Arbeitgeber ist da offensichtlich schon wieder im üblichen Trott, deswegen steht schon bald eine betriebsärztliche Untersuchung an...
Was muss man hier beachten?

Dienstunfall_L
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Re: Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

Beitrag von Dienstunfall_L » 06.06.2020 18:24

Ich bin nicht sicher, ob es mehr als die Vorgabe „kurzfristig“ oder „zeitnah“ dafür gibt.
Was du meinst, ist die Anerkennung darüber, dass der Unfall als Dienstunfall anerkannt wird und du meinst nicht die Anerkennung darüber, welche Gesundheitsschäden unfallbedingt verblieben sind - oder?

Hier wird erklärt, warum wichtig ist, dass die Entscheidung, ob ein Unfall als Dienstunfall anerkannt wird, zeitnah getroffen werden soll:

So sind in § 45 Abs. 1 und 2 BeamtVG zwingende Regeln über die Meldung von Dienstunfällen vorgesehen, deren Nichteinhaltung zu einem Ausschluss der Gewährung von Leistungen führt. Insbesondere ist der Dienstunfall grundsätzlich innerhalb einer Ausschlussfrist von zwei Jahren bei dem Dienstvorgesetzten zu melden. Dieser hat wiederum gem. § 45 Abs. 3 Satz 1 BeamtVG den Dienstunfall sofort zu untersuchen. Die obere Dienstbehörde hat zu entscheiden, ob ein Dienstunfall vorliegt und muss diese Entscheidung dem Verletzten bekanntgeben (§ 45 Abs. 3 Sätze 2 und 3 BeamtVG). Die Verpflichtung zum Erlass eines feststellenden Verwaltungsakts ermöglicht dem Beamten wiederum, sich gegen eine ablehnende Entscheidung zeitnah zur Wehr setzen zu können. Aus diesem engen Zusammenhang zwischen der Meldung des Dienstunfalles, der sofortigen Untersuchung desselben und der anschließenden Feststellung über das Vorliegen eines Dienstunfalles ergibt sich jedoch zugleich, dass Gegenstand der Entscheidung nach § 45 Abs. 3 Satz 2 BeamtVG nur das sein kann, was in Ansehung der Pflicht zur sofortigen Untersuchung sowie der zweijährigen Ausschlussfrist von der obersten Dienstbehörde zu prüfen ist bzw. von ihr geprüft werden kann. Dies ist in erster Linie die Frage, ob ein Unfallereignis vorliegt, welches sich in Ausübung des Dienstes ereignet hat. Bezogen auf diese Merkmale rechtfertigt sich auch die Ausschlussfrist des § 45 Abs. 1 BeamtVG ebenso wie die Pflicht zur sofortigen Prüfung gemäß § 45 Abs. 3 Satz 1 BeamtVG, denn die Überprüfung, ob und unter welchen Umständen sich ein bestimmtes Unfallgeschehen ereignet hat, wird regelmäßig durch einen zunehmenden Zeitabstand erschwert. Für diese Prüfung wird es häufig auf rein tatsächliche Feststellungen ankommen, die unmittelbar zeitnah am Besten zu treffen sind. Die in § 45 Abs. 1 BeamtVG vorgesehene Ausschlussfrist bezweckt die alsbaldige Meldung des Unfallereignisses und damit die zeitnahe Prüfung, ob ein Dienstunfall vorliegt oder nicht. Dass dem Dienstunfall auch immanent ist, dass infolge des Unfallereignisses ein Körperschaden eingetreten ist, ergibt sich aus § 31 Abs. 1 Satz 1 BeamtVG. Demgemäß hat die oberste Dienstbehörde jedenfalls auch zu prüfen, ob es zu einer körperlichen Beschädigung gekommen ist. Diese Prüfung hat sich jedoch, da sie wie die Prüfung der Voraussetzungen des Dienstunfalls im Übrigen zeitnah zum Unfallgeschehen („sofort“) zu geschehen hat, allenfalls auf den bloßen Umstand, ob überhaupt eine körperliche Einwirkung im Sinne einer möglichen Beschädigung vorliegt, zu beschränken. Insbesondere komplexere schädigungsbedingte Krankheitsverläufe sind im Rahmen dieser kurzfristigen Prüfung nicht überprüfbar und es würde damit die dem Dienstherrn letztlich auch aus Fürsorgegesichtspunkten auferlegte Prüfungspflicht überspannt werden.
Quelle: https://www.michaelbertling.de/beamtenr ... ennung.htm

Hilft dir das bei deiner Argumentation weiter?
Evtl. solltest du mit Angabe der Rechtsgrundlage und einer Frist den Antrag auf Entscheidung stellen.
Da nicht immer alles läuft wie es müsste, würde ich jedenfalls nicht ewig die Füße still halten.

Dein Arzt rechnet noch regelmäßig ab mit der BG Verkehr?
Dann müsste er m.W. wissen, ob es ein Unfallanerkenntnis gibt.

Tübingen
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Re: Akut aufgrund Dienstunfall erkrankt, was beachten?

Beitrag von Tübingen » 07.06.2020 19:38

Vielen Dank für Deine schnelle und ausführliche Antwort. :D

Alle Ärzte rechnen mit der BG als Leistungsträger ab, überall (Radiologe, Orthopäde, Apotheker usw) Nur der Neurologe hat auf Nachfrage mich darüber informiert, dass jetzt erst die BG einen Befund und auch eine entspr. Rechnung von ihm verlangt. Ich für meinen Teil habe eigenartigerweise keinerlei Anschreiben o.ä- von der BG erhalten. Denke das ist ein Corona-Effekt.

Allerdings muss ich demnächst zum Betriebsarzt im Rahmen des Beamtengesetzt (AU seit Feb.) ..... :roll:

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