Mit Krebs Beamter werden

Allgemeine Themen zum Bereich des öffentlichen Dienstes.

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Seelenstein
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Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von Seelenstein » 17.08.2018 19:24

Hallo ,
Ich hatte mich um eine Ausbildung stelle im Mittleren Dienst beim Finanzamt beworben und wurde auch schon zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Leider war ich vor 1 Jahr an Krebs erkrankt und habe nun Angst, dass ich wegen meiner Vorgeschichte nicht genommen werde.
Hat man überhaupt Chancen mit so einer Vorgeschichte? Beim Amtsarzt muss man ja die Wahrheit sagen oder soll ich lügen. Ich habe dazu noch eine Grad der Behinderung von 80% erhalten. Nach der Krankheit hatte ich 20kg zugenommen und man hatte festgestellt, dass meine Schilddrüse nicht mehr richtig funktioniert. Mittlerweile ist wieder alles normal( seit ca 1 Jahr Krebsfrei & 15 kg abgenommen) und ich mache mehrmals die Woche auch Sport. Man sieht mir nicht mehr an, dass ich mal an Krebs erkrankt war. Ich glaube ich würde heute nicht mal 50% auf meinen Behindertenausweis bekommen.
Ich bitte dringend um Rat.

despaired
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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von despaired » 20.08.2018 13:45

Genau kann ich es Dir nicht sagen, aber ich kenne einen Fall in dem jemand genau mit der selben Konstellation beim BUND im mittleren Dienst angestellt wurde. Lügen solltest Du beim Amtsarzt auf keinen Fall, da ausreichend medizinische Akten zu deiner Vorgeschickte auch bei deiner Krankenkasse o.ä. abgerufen werden könnten.

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Ruheständler
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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von Ruheständler » 20.08.2018 14:21

...einen Bericht / Attest Deines behandelnden Arztes, der Dich und Deine ganze Krankheitsgeschichte kennt und nun wieder den positiven Verlauf in Richtung Normalwerte bestätigen kann musst Du Dir unbedingt einholen, denn wenn der Amtsarzt die Untersuchung vornimmt, hast Du gleich ein AS im Ärmel und kannst eventuelle Zweifel über Deine Beamtentauglichkeit ausräumen, da wie Du schreibst der Krebs weg ist und die anderen Werte gegen Normal sind.

Die Schwerbehinderung von GDB 80 könnten den AA aber zum Zweifeln bringen ob Du damit in ein Beamtenverhältnis berufen werden kannst!

Eine Rücknahme der Schwerbehinderung ist vorteilhafter für Dich.

Weil medizinisch gesehen stellt eine Erkrankung welcher Art auch immer, wenn sie nicht dauerhaft zu Beeinträchtigungen führt, keine Schwerbehinderung im Sinne des Gesetzes dar.

Gruß vom Ruheständler
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DerHagn
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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von DerHagn » 21.08.2018 07:14

Eine Rücknahme der SB ist keinesfalls vorteilhafter. Der Prognosezeitraum beim Amtsarzt wird z. B. von 5 Jahre auf Ultimo verlängert.

Zollkodex-Ritter
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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von Zollkodex-Ritter » 22.08.2018 15:45

Ich sehe hier absolut kein Problem. Wurde sich denn mit der Angabe der Schwerbehinderteneigenschaft beworben oder nicht?

Seelenstein
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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von Seelenstein » 26.08.2018 11:07

Ja, ich habe den Schwerbehindertenausweis mit angegeben.
In der Anzeigen stand auch, dass die Bewerbungen von Menschen mit Behinderung gern gesehen wird und das diese bei gleicher Eignung bevorzugt werden.
Ich habe im Moment 7kg übergewicht und in 2 Wochen ist die Untersuchung beim Amtsarzt. Ist das zu viel? Ich Fühle mich sehr wohl mit meinem Gewicht und sehe auch nicht Übergewichtig aus.

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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von Zollkodex-Ritter » 26.08.2018 18:23

Dann machst du dir zu viele Gedanken. Das nimmt alles seinen normalen Gang.

Deine genaue Diagnose geht deinen Dienstherrn nichts an. Beim Zoll z.B. wird von Schwerbehinderten nur ein Mindestmaß an körperlicher Eignung erwartet. Das müsste im öffentlichen Dienst mMn überall der Fall sein.

Nimm doch vor der Untersuchung Kontakt mit der Schwerbehindertenvertretung vor Ort auf. Die kann dir genauer auf deine Frage antworten.

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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von Zollkodex-Ritter » 26.08.2018 18:26

Ruheständler hat geschrieben:
20.08.2018 14:21
...
Die Schwerbehinderung von GDB 80 könnten den AA aber zum Zweifeln bringen ob Du damit in ein Beamtenverhältnis berufen werden kannst!

Eine Rücknahme der Schwerbehinderung ist vorteilhafter für Dich.

....
Nö. Wenn der Amtsarzt hier irgendwelche Zweifel basteln sollte, dann ist er ganz schnell in der Situation, dass er sich schadensersatzpflichtig macht, denn das würde pauschal mal Schwerbehinderte Menschen diskriminieren, was der Staat nicht darf.

Ne Schwerbehinderung zurücknehmen? Verschwindet dann auch der schlechte Gesundheitszustand oder entfallen dann nur die gesetzlichen Schutzvorschriften für Schwerbehinderte? Wie soll denn bitte das gehen?

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Ruheständler
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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von Ruheständler » 26.08.2018 19:22

Zollkodex-Ritter hat geschrieben:
26.08.2018 18:26
Nö. Wenn der Amtsarzt hier irgendwelche Zweifel basteln sollte, dann ist er ganz schnell in der Situation, dass er sich schadensersatzpflichtig macht, denn das würde pauschal mal Schwerbehinderte Menschen diskriminieren, was der Staat nicht darf.
Ne Schwerbehinderung zurücknehmen? Verschwindet dann auch der schlechte Gesundheitszustand oder entfallen dann nur die gesetzlichen Schutzvorschriften für Schwerbehinderte? Wie soll denn bitte das gehen?
...der Hinweis kam nur weil der TE selbst vermutet das er jetzt ja wohl nicht mehr auf GDB 50 kommen würde und sein Gesundheitszustand ja wieder normal sei und natürlich darf und wird offiziell ein AA eine Schwerbehinderung nicht zum Nachteil eines Bewerbers werten,aber wie das Leben eben so ist ,vieles wird dann doch anders entschieden je nach der menschlichen Qualität eines Beurteilers.
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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von connigra » 26.08.2018 20:54

Hei,

kann dir nur aus eigener Erfahrung berichten, die allerdings schon (Himmel ich bin echt alt geworden) fast 40 Jahre her ist.

Schwerbeschädigte nimmt der Dienstherr gerne. Der öffentliche Dienst muss sogar einen gewissen Prozentsatz an Schwerbeschädigten beschäftigen. Andere Betriebe zwar auch, aber kaufen sich oft davon frei.
Mir persönlich wurde immer nahe gelegt ja meinen Prozenten nachzulaufen - Vorteil im Amt hatte ich deswegen nicht. Nur der Dienstherr.
Mir war das aber auch egal, ich wollte keine Extrawurst.
Zu der Verbeamtung: Ich war als Verwaltungsangestellte eingestellt und nach 5 Jahren machte man die Laufbahnprüfung für den mittleren Dienst.
Dann kam meine Krebserkrankung, Operationen und ein ungewisser Zustand wie es weitergehen würde.
Der Amtsarzt meinte bei mir, mit der Erkrankung kann er mich nicht verbeamten lassen, weil ich jederzeit dienstunfähig werden könnte.
Ich müsste beweisen, dass ich trotz meiner Erkrankung in der Lage bin meinen Dienst zu verrichten. Er stellte mich 2 Jahre zurück. Mein damaliger Chef setzte Himmel und Hölle in Bewegung, dass ich nach einem Jahr verbeamtet wurde. Ich hatte in der Zwischenzeit auch keine Krankentage - egal wie schlecht es mir ging, ich quälte mich ins Amt.
Nach einem Jahr Wartezeit wurde ich dann verbeamtet. Den Krebs hatte ich besiegt aber die nächste Krankheit lauerte schon.....
Gott lob habe ich noch die Lebzeitverbeamtung geschafft bevor es dann ganz schlimm wurde und ich in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Von daher, denke ich, du wirst genommen - gerade auf Grund deines Schwerbeschädigtenausweises. Aber zurückgestellt wirst du auf jeden Fall werden, also Lebzeitbeamter kannst du dir meines Erachtens momentan abschminken. Eventuell rechne ich mit einer Wartezeit von 5 Jahren, da es immer heißt, wenn du 5 Jahre überstanden hast wärst du geheilt. Wie gesagt, dass ist meine persönliche Meinung.
Nur verschleiern bringt dir nichts, dass rächt sich. Alles sagen braucht man aber auch nicht..... Dir gehts prima, und alles ist gut. Psyche gut, Körper gut. Jammer nicht rum und erzähle keine großen Dramen. Du hast das alles ganz easy erlebt.....
Drück dir die Daumen

Zollkodex-Ritter
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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von Zollkodex-Ritter » 26.08.2018 22:50

:roll: Hier wird ein Quatsch geschrieben, dass es nicht mehr feierlich ist.

Krebs. Da bekommt man, solange der Krebs "vorhanden" ist, unkompliziert nen hohen GdB für die Zeit der Heilungsbewährung. Das heisst, der GdB ist erstmal 2-5 Jahre lang "gültig". Kann ja auch sein, dass der Krebs metastiert hat und wieder/wo anders auftritt. Das heisst, er ist noch in der Heilungsbewährung und danach schaut die Behörde, ob er krebsfrei ist (was ich hoffe *daumendrück*) und der GdB wird dann nach unten gesetzt.

Wart einfach ab und lass es auf dich zukommen. Und spreche vor der Untersuchung mit der Schwerbehindertenvertretung. Deine genaue Diagnose geht deinen Dienstherren nichts an.

DerHagn
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Re: Mit Krebs Beamter werden

Beitrag von DerHagn » 27.08.2018 08:46

Vom SB wird ein "Mindestmaß an gesundheitlicher Eignung" verlangt. Zur Not Attest/Stellungnahme vom Arzt vorlegen und es müsste passen.

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