Faule Beamte mit zuviel Geld (lang)

Allgemeine Themen zum Bereich des öffentlichen Dienstes.

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Mikesch
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Faule Beamte mit zuviel Geld (lang)

Beitrag von Mikesch » 24.02.2006 16:34

Das ist doch ein Thema, das kommt immer an ;-)
Da sich hierhin bestimmt auch viele Nichtbeamte verirren, diese Sätze seien ihnen in erster Linie bestimmt.
Wird wohl nichts bringen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die sind doch eh zu faul, tun nichts, jammern nur rum, liegen uns auf der Tasche und bekommen dafür eh zuviel Geld...
Das scheint für mich der Eindruck zu sein, den ein grosser Teil der Bevölkerung, einschliesslich unserer Politiker hat.
Nun gut, um Beamter zu werden muss man schon ein besonderes Persönlichkeitsprofil besitzen ;-)
Ich bin zB. einer geworden, weil Sicherheit zumindest im finanziellen Sinne für mich eine grosse Bedeutung hat. Das immer wieder gerne angeführte Argument des sicheren Arbeitsplatzes ist nicht ganz unberechtigt, bietet es doch die Aussicht, jeden Monat einen bestimmten Betrag auf seinem Konto zu haben. Dafür kann man auch mal Abschläge in Kauf nehmen, damit bin ich auch einverstanden. Nachteil ist natürlich ein fehlendes Streikrecht, man ist so eine art Leibeigener, Doppelbestrafung (darf man nicht sagen, ist de fakto für mich aber so) und Bestrafung (sorry, Disziplinierung) für nicht strafrechtlich relevante Tatbestände.

Aber irgendwann muss damit mal Schluss sein, es kann doch nicht sein, dass die Beamten immer nur als willkommender Buhmann für Sparmaßnahmen herhalten müssen, oder die Bevölkerung von anderen Themen ablenken soll.
Gerne, sogar von unseren Politikern, wird immer der faule Beamte angeführt, der nichts tut, dem man ruhig was weg nehmen kann.
Klar gibt es sie, die faulen Säcke, die sich vielleicht nur einschleimen. Aber gibt es sie nicht überall, in jedem Beruf?
Beamte sind Arbeitnehmer wie jeder Andere, alleine schon durch die Stellenkürzungen der vergangenen Jahre wird dem Einzelnen immer mehr aufgebürdet, sie arbeiten genau so hart oder nicht wie jeder andere Arbeitnehmer!
Alle erwarten, dass die Polizei, Zoll, Feuerwehr usw. 24 Stunden am Tag funktionieren.
Beamte haben zumindest zur Zeit keine Lobby, keiner klärt die Bevölkerung mal über Tatsachen auf, was bisher den Beamten schon alles weggenommen wurde. Niemand regt sich über die Bezahlung zB. bei VW auf, deren Arbeitnehmer (z.Zt.) eine 28 Stundenwoche haben, über die Nebenleistungen wie freie Autowäsche, Sprit usw. ganz zu schweigen.

Die Entwicklung:
Wer in den 60`igern Beamter wurde, musste schon leidensfähig sein. Das Wirtschaftswunder hatte dafür gesorgt, das in der freien Wirtschaft gutes Geld verdient wurde, die Beamten hatte man da aber scheinbar vergessen. Erst ab den 70`igern ging es bergauf, dann aber richtig. Arbeitszeitverkürzung, zweistellige Gehaltserhöhungen, Zulagen für jeden Mist waren die Regel. Ich denke, Anfang der 80`iger hatten die Beamten im Vergleich zur freien Wirtschaft nie mehr Geld verdient, nun konnte ich meine Kumpels auslachen.
Dann entstanden die ersten Lücken im Haushalt und man begann auch bei den Beamten zu sparen.
Da wurde z.B. die Kältestunde, die Hitze-Cola, die tägliche Essensmark oder mein Fahrtkostenzuschuss (den bekam ich über Jahre hinweg für meine 20km Anfahrt) gestrichen.
War ja auch ok, diese Zulagen waren zwar nett, aber die empfand ich damals schon als hirnrissig.

Als die Löcher im Haushalt ab 85 dann grösser wurden, ging es dann in schöner Regelmäßigkeit bis heute los:

Abschlüsse unter der Inflationsrate, etliche Nullrunden, Streichung von Zulagen.

Pension:
Der erste grosse Hammer trat dann 1989 in Kraft, sogar eine Beamtenvertretung fand das ganz klasse:
Voller Pensionsanspruch nach 40 Jahren (vorher 35), neue lineare Berechnung der Pension (vorher hatte man nach 10 Jahren schon 35% erwirtschaftet) Ok, ist auch eine Anpassung an die Wirtschaft und nicht wirklich zu kritisieren, nur, übel sind die Abschläge wenn man früher geht, selbst dann, wenn man vielleicht 45 Dienstjahre auf den Buckel hat! Seit Ende der 90`er sogar dann, wenn man nicht mehr dienstfähig ist!
Nun wurde die Pension eh auf 71% herunter gesetzt, dies würde z.B. für mich bedeuten, sollte ich mt 62 wegen dienstunfähigkeit ausscheiden, nach 45 Dienstjahren bekäme ich nur noch knapp über 61%.
...und meine zuvor ruhegehaltsfähige Polizeizulage für meinen 24 Std Sch..-Dienst werde ich bei meiner Pension auch nicht mehr bekommen.

Beihilfe:
Wieso bekommen die Beamten eine Beihilfe? Streichen sollte man die, ab in die gesetzliche Krankenkasse...
Dies hört man immer wieder! Warum gibt es das Beihilfesystem?
Richtig, weil es für unseren Arbeitgeber billiger ist. Er müsste sonst einen Anteil in Krankenversicherung einzahlen. Da der übliche Beamte weniger kostet, als er einzahlen müsste, ist es so billiger.
Da der Arbeitgeber ja nur einen Teil zahlt, muss sich der Beamte für den Rest selber versichern. Hier ist es dann egal, wie hoch das Einkommen ist. Der kleine Wachtmeister zahlt genau so viel wie unser oberster Chef. Nur, ob der wie ich 290 Euronen zahlen muss, oder der Wachtmeister...
Im Übrigen hat sich die Beihilfe an die gesetzl. Krankenversicherung angepasst, die zahlt auch nicht mehr so viel. Brille, Zähne usw. gehen heute bei den Beamten genau so ins Geld wie bei jedem anderen Normalbürger.

Arbeitszeit:
Sollen wir jetzt ab März06 41 Stunden arbeiten, bei den Ländern sind schon 42 Stunden normal.
Soll angeblich Geld sparen, Blödsinn! Ich verteile meine Arbeit halt auf 41 Stunden, endlich habe ich weniger Stress ;-)
Mal rechnerisch, ausgehend von der 38,5 Std-Woche:
Im Monat wären das um die 10 Stunden mehr, d.h. ca. 17 Beamte ersetzen eine Stelle. Das kann aber nur dann funktionieren, wenn alle 17 die gleiche Arbeit machen. Natürlich wird unser Arbeitgeber die rechnerisch überflüssigen Stellen einsparen wollen, nur, aus o.g. Gründen geht das oftmals nicht. Wenn es dann hier und da zu Engpässen kommt, müssen also zwangsläufig wieder Stellen geschaffen werden.
Ärgerlicher für mich ist vielmehr, das wir die damalige Arbeitszeit verkürzung mit einem ausgefallenen Inflationsausgleich erkauft hatten! Klar, dass es für die Erhöhung keinen Ausgleich gibt ;-) Das kommt einer 6,5 %-igen Gehaltskürzung gleich!

Ach ja, Gehaltskürzung...
Da fällt das Urlaubsgeld weg, nun das Weihnachtsgeld...
Aber das macht ja nichts, war ja eh schon auf den Stand von 1990 eingefroren, da fällt es ja nicht auf ;-(
Ärgerlich, wenn ich bedenke, dass dies ein fest eingeplanter Bestandteil vieler Familien war, das tut weh!
Anzumerken sei noch, dass auch diese Zulagen damals mit Abschlägen beim Inflationsausgleich erkauft wurden.

1985 bekam ein A6`er 1. Stufe ohne Zulagen für Nachtarbeit usw. rund 1.200 Euro brutto, heute bekommt der gleiche A6`er ca. 1.700 Euro brutto.
Das sind ca. 42 % mehr, wie war die Inflationsrate seit dem?
Hört ihrs klingeln?

Habe ich sonst noch was vergessen?
Weitere Übel, die auf uns zukommen, betreffen ja jeden Arbeitnehmer gleichermaßen.

EDE
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Beitrag von EDE » 24.02.2006 16:47

So isses, Mikesch!

Die Politik hat den Respekt vor den Beamten verloren und knüppelt uns nach Herzenslust zusammen.

Und die "Beamten-Gewerkschaften" drohen und drohen und drohen...... doch sie werden von den Dienstherren nicht mehr ernstgenommen, die lachen doch nur noch über die "Gewerkschaften".

Macht keinen Spass mehr.

Mein Alter kann ich jetzt schon auf 60 aufrunden, also zu spät, um noch aus dem ö.D. auszusteigen :-(

Jeder Berufsanfänger sollte sich stark überlegen, ob er bei der Pleite- und Betrugsfirma Staat anfangen will.

EDE
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Beitrag von EDE » 24.02.2006 16:57

Frage!

Wozu brauchen wir eigentlich "Beamtengewerkschaften", die ja, wie jeder sehen kann, NULL Einfluß mehr haben??????????

enjoylive
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Beitrag von enjoylive » 24.02.2006 17:42

Alles in allem kann man feststellen, daß wir Beamte der Öffentlichkeit zum Fraße vorgeworfen werden. Schon Jahre, vom eigenen Dienstherrn durch Untätigkeit unterstützt - oder sogar erst möglich gemacht. Lassen wir es ihm doch mal spüren !
arbeite um zu leben, aber lebe nicht, um zu arbeiten

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headbanger
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Beitrag von headbanger » 26.02.2006 11:43

Beamte dürfen nicht streiken...somit hat die Gewerkschaft kein Druckmittel! Das ist doch der Knackpunkt!!!!!!

Oder sollten sie doch streiken..was würde passieren wenn sie es doch tun...alle Mann aus dem dienst entlassen???????
Denkt mal drüber nach!

Vollstrecker

Beitrag von Vollstrecker » 26.02.2006 16:03

Die ganze Streikerei (von ver.di aufgehetzt!) ist im Moment in meinen Augen sowieso totaler Schwachsinn. Mehr Schaden als Erfolg. Die Regierung bleibt hart, und unendlich Geld hat die Gewerkschaft auch nicht :!:

Ich brauche kein Streikrecht. Ich bin froh, daß ich Arbeit habe, egal was auch passiert. Nicht das der Schuß bei unseren Steikenden nach hinten los geht, und einige von Ihnen stehen danach auf der Straße. Dann ist das Gejammer noch größer.

3.Halbzeit
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Beitrag von 3.Halbzeit » 03.03.2006 07:36

An sich wär jetzt der Zeitpunkt(obwohl...eigentlich schon ewig),um die Öffentlichkeit mal zu informieren,was WIRKLICH bei uns abgeht.Aufklärungsarbeit nennt man sowas.Aber unsere Gewerkschaften haben ja offenbar NULL Interesse...

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