Entscheidungen zum Berufseinstieg (3./4. QE)

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_Matthias_
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Entscheidungen zum Berufseinstieg (3./4. QE)

Beitrag von _Matthias_ » 25.05.2020 19:34

Hallo!
Ich bin neu hier und habe mich vor allem angemeldet, weil so langsam entscheidende berufliche Weichenstellungen anstehen...
Da ich in meinem erweiterten Familien- und Freundeskreis keine Beamten kenne, hoffe ich auf den ein oder anderen Tipp, der mir bei der Entscheidung helfen könnte :)

Das "Grundproblem" ist im Prinzip die Entscheidung zwischen einer relativ sicheren Stelle mit weniger Gehalt und einer potentiellen Chance auf (langfristig) mehr Gehalt. Also eher ein Luxusproblem, aber man will ja doch möglichst die "richtige" Wahl treffen...

Erstmal die Rahmenbedingungen, die sich zum Teil auch deutlich einschränkend auf die Job-Auswahl auswirken, aber für mich so gesetzt sind:
- Ende 20
- Masterabschluss vorhanden
- Bereich im Groben Softwareentwicklung/Technik
- lokal gebunden, ein Umzug kommt also nur im näheren Stadtbereich in Frage
- vorherige, kurzzeitige Einstellung in E13
- ansonsten keine nennenswerte Berufserfahrung (vor allem keine mehrjährige)

Momentane Situation:
Fest steht, dass ich im ÖD arbeiten möchte. Habe für mich gemerkt, dass ich da einfach besser reinpasse, als in Firmen.
Nun schaut es so aus das, dass ich aufgrund meines Abschlusses im Prinzip für die 4. QE geeignet wäre. Allerdings sind das größenteils Stellen, welche oft mehrjährige Berufserfahrungen erfordern und eher in den Bereich Projektmanagement/Beratung gehen. Als Berufseinsteiger natürlich eher suboptimal. Wie soll ich was managen, was ich gar nicht kenne? :mrgreen:
Allerdings gibt es hier und da durchaus auch Einstiegsmöglichkeiten z.B. als Referent. Auf eine dieser Stellen hatte ich mich beworben (war auch explizit für Berufseinsteiger ausgeschrieben). Leider hatte ich dort kein Glück, da es noch einen fachlich qualifizierteren Bewerber gab, welcher wohl auch schon etwas Erfahrung in dem Bereich mitbringt. Blöd gelaufen für mich, aber nun gut, passiert.
Gleichzeitig habe ich noch eine Bewerbung für die 3. QE laufen, diese Stelle würde fachlich und persönlich auch sehr gut zu mir passen. Noch habe ich keine Zusage, aber es schaut ziemlich gut aus, würde ich mal behaupten. Für diese Stelle wäre es so, dass ich erstmal drei Jahre als Tarif-Angestellter (E11; durch die Zulagen aber Netto sogar etwas mehr als meine letzte E13-Stelle) arbeite und dann in A10 verbeamtet werden würde. Aufstiegschancen gibt es dort bis A12, dies aber recht sicher, wie mir mitgeteilt wurde. Wie lange das aber letztendlich dauern würde, keine Ahnung.
Neben dieser habe ich noch weitere ausstehende Bewerbungen auf befristete E13-Stellen, ohne Verbeamtungsmöglichkeiten.

Wie ich mit den ÖD-Rechnern festgestellt habe, wäre - falls ich einigermaßen zeitnah verbeamtet werden würde - der Unterschied zwischen dem gehobenen und dem höheren Dienst bei 'nem guten Tausender Netto. Also doch ein ziemlicher Batzen Geld. Zudem scheint es wohl so zu sein, dass ich - trotz Masterabschluss - erstmal A10-A12 durchlaufen muss, um überhaupt auf eine A13-Stelle zu kommen (warum??).
Jetzt stellt sich für mich also die Frage, ob ich die unbefristete E11/A10-Stelle annehmen sollte, wenn ich eine Zusage erhalte, oder mich doch lieber erstmal von befristeter E13-Stelle zur nächsten hangeln sollte, bis ich wieder die Chance auf eine E13/A13-Stelle bekomme (sprich E13 als Einstieg, aber mit Option auf Verbeamtung). Was wäre die bessere Entscheidung? Würde sich das Warten auf eine passende A13-Stelle lohnen oder sind die Chancen sowieso zu gering?
Letztendlich hab ich einfach Angst, dass ich, obwohl ich mich in dieser 3.QE-Stelle fachlich und persönlich gut aufgehoben fühle, aufgrund des großen Netto-Unterschieds mir doch irgendwann in den Arsch beiße :?

Zusätzliche Fragen, die sich mir in dem Zusammenhang auftun:
- Falls man verbeamtet wird, aber die Dienststelle/Behörde wechselt, wäre dann ein Sprung von z.B. A11 auf A13 mit vorhandenem Master möglich? Oder ist es vollkommen egal, wo/wie man hinwechselt? (auch in Bezug auf Land/Bund)
- Wie lange dauert es ungefähr, um von A10 auf A12 zu kommen?
- Kann man problemlos von E11 auf E13 wechseln oder müsste man hier auch dazwischen erst einen E12-Job haben?
- Bei einem Wechsel der Entgeltgruppe bleiben die Stufen nicht erhalten, sondern man wird entsprechend so eingestuft, dass das Gehalt in etwa gleich (bzw. bisschen höher) ausfällt. Verstehe ich das richtig?
- Sind Nebentätigkeiten, wie z.B. ab und an ein VHS-Kurs geben, möglich und finanziell überhaupt sinnvoll (Steuern)?


Folgende Optionen sehe ich gerade für mich:
Option A: Ich gehe und bleibe in die 3. QE und komme einfach damit klar, "nur" gut zu verdienen, statt extrem gut.
Option B: Ich arbeite maximal drei Jahre als Angesteller in der unbefristeten Stelle, immer mit Blick auf eine mögliche A13-Verbeamtungs-Stelle... (wäre allerdings auch etwas arschig gegenüber meiner potentiellen zukünftigen Kollegen und Vorgesetzten :/ )
Option C: Ich verzichte auf die unbefristete Stelle und hangel mich von E13 zu E13 durch, bis ich auch in A13 verbeamtet werden kann.
Weitere Optionen?


Vielleicht kann der ein oder andere ja für etwas mehr Klarheit sorgen oder stand mal vor einem ähnlichen "Problem". Würde mich über Antworten freuen :) Und vielen Dank schonmal, wer sich das überhaupt bis hier hin durchgelesen hat. Ist ja doch viel Text geworden :mrgreen:

Saxum
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Re: Entscheidungen zum Berufseinstieg (3./4. QE)

Beitrag von Saxum » 05.06.2020 13:58

Sagen wir mal so, ohne jegliche Gewähr für die Richtigkeit, ich habe mitbekommen dass in der 4. QE in der Regel ein stärkerer Gegenwind gegenüber allen "anderen Bewerber*innen" oder "frischen Nasen" besteht, außer vielleicht eventuell Jurist*innen mit zweitem Staatsexamen. Hier sind die Kriterien "enger" ausgelegt, wer wann wo wie weshalb reinkommen kann - es ist nicht unmöglich aber anderseits auch nicht so, dass man einen roten Teppich ausrollt. Umgekehrt wird aber auch ein Schuh darauf, wenn der Dienstherr willens ist und die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt sind, geht es auch mehr oder weniger relativ schnell.

Ich versuche deine Fragen nach bestem Wissen und Gewissen meiner persönlichen Meinung nach zu beantworten:

1. "Sprungbeförderungen" bei Beamten gehen in der Regel nicht, jedoch meine ich vernommen zu haben, dass es bei einem Laufbahnwechsel eventuell gehen könnte, wenn die Laufbahnbefähigung besteht bzw. Laufbahnprüfung bestanden wurde. In der Regel muss man aber jedes Amt durchlaufen.

2. Wie lange es dauert, kommt darauf an, ob eine freie Planstelle vorhanden ist, die Absicht besteht diesen mit einem Beamten zu besetzen und generell die Beförderung des Beamten geplant ist. Einen "Rechtsanspruch" bzw. einen "Automatismus" nach x Jahren gibt es nicht, jedoch kann eine "positive Leistungsbeurteilung" besser auswirken.

3. Bei Tarifbeschäftigten (TVöD) kannst du tatsächlich die E12 "überspringen" also du kannst von E11 auf E13 kommen oder auch auf E14 meinetwegen, jedoch sobald du verbeamtet wirst ist dein Eingangsamt dann in der Regel A9 bei der 3QE zumindest.

4. Nebentätigkeiten sind individuell zu beurteilen, da musst du am besten die Personalabteilung und den Steuerberater*in fragen.

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