Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Allgemeine Themen zum Bereich des öffentlichen Dienstes.

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Geometer
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Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von Geometer » 23.05.2019 06:26

Hallo liebe Forumsmitglieder,
stehe gerade vor einer nicht ganz einfachen Entscheidung, bei der mit Sicherheit auch das Geld am Ende eine Rolle spielt, weshalb ich hier mal um euren Rat bitte.

Vielleicht zunächst zu mir selbst bin gelernter Vermessungstechniker Mitte 20 seit fast drei Jahren bei einem Kreis (in BW) als Angestellter in EG8 tätig. Aussicht auf Aufstieg in EG 9a sind, da wird aber erst mittelfristig (wenn überhaupt möglich).

Nun zu meinem Anliegen, habe die Zusage vom hier ansässigen Finanzamt dort als Vermessungstechnischer Mitarbeiter tätig zu sein. Zunächst im Angestellten Verhältnis (beim Land) in der Probezeit ebenfalls EG8, anschließende Verbeamtung ohne weitere Prüfung und Bezahlung nach A9.
Jetzt bin ich natürlich am überlegen, es spielt mit Sicherheit auch das Finanzielle bei meiner Entscheidung einer Rolle und wollte wissen, ob sich der Wechsel lohnt?
Mit Sicherheit ist das höhere Gehalt ein Anreiz aber bleibt das Plus überhaupt erwähnenswert, wenn dann noch die PKV davon abgeht? Ist der Unterschied zur gesetzlichen Rente zusammen mit der Betriebsrente als Angestellter überhaupt signifikant (laut ZVK Rechner läge diese bei mir wenn ich bis 67 arbeite bei ca 600€)?

Hoffe hier kann mir weiter geholfen werden.
Vielen Dank schon einmal für alle Antworten.

Torquemada
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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von Torquemada » 23.05.2019 08:08

Bei dieser Konstellation gibt es anhand der Gehaltstabellen nur eine Antwort: Beamter A9

freshair
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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von freshair » 23.05.2019 08:37

...vom Gehalt/Pension gesehen, würde ich das auch bejahen...ob die Tätigkeit ggfls. weniger interessant ist, muss man halt abwägen, was man will...zu beachten wäre noch, dass man dann im Landesdienst steht (Stichwort: Versetzung landesweit)
Gruß aus Bochum

urbani
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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von urbani » 24.05.2019 23:04

Wenn du in der Probezeit nach E8 bezahlt wirst, wirst du kein direkt in A9 verbeamtet werden. Man wird in aller Regel im Eingangsamt verbeamtet und das Eingangsamt des mittleren Dienstes ist A7.

Geometer
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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von Geometer » 25.05.2019 09:39

Guten Morgen,

danke für die Antworten :)

So wie es jetzt aussieht, soll ich doch direkt verbeamtet werden. Hat es dann Auswirkungen auf die Eingruppierung? Beginn mit A7 im mittleren Dienst?

Skedee Wedee
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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von Skedee Wedee » 25.05.2019 11:37

Ja, der Vermessungstechniker ist im mittleren technischen Dienst angesiedelt und der beginnt in A7. Ein Tipp: hole Dir ein Buch über das Beamntenrecht in Baden-Württemberg, denn sonst kommt irgendwann unter Umständen das böse Erwachen. Denn das Beamtentum hat nicht nur Vorteile...

Ist dir bekannt, dass Du neben der Beihilfe vom Dienstherrn eine PKV mit 50% abschließen musst. Kennst Du die Kosten? Ist Dir bekannt, dass Du landesweit versetzt werden kannst? Mit der Ernennung auf Probe beginnt grundsätzlich eine dreijährige Probezeit, in der keine Beförderung möglich ist. Danach erfolgt die Beförderung in das 1. Beförderungsamt (A8) nicht automatisch - auf die du im übrigen keinen Rechtsanspruch hast -, sondern anhand Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung im Vergleich zu den anderen Beamten. Auch müssen die entsprechenden höheren Planstellen zur Verfügung stehen... Zumal es nach jeder Beförderung gesetzliche Wartezeiten für die nächste Beförderung gibt...

Geometer
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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von Geometer » 25.05.2019 12:40

Hey, danke für die vielen Hinweise. Hab mich natürlich schon versucht schlau zu machen, was der Wechsel alles mit sich bringen würde.
Nach PKV-Kosten habe ich mich mal im Bekanntenkreis erkundigt und sind da natürlich auch ein Faktor den ich nich außer Acht lasse.
Wenn das EIngangsamt A7 wäre, wäre es wohl am Anfang auf jedenfall ein finanzieller Rückschritt insbesondere mit zusätzlicher PKV für mich.
Ist den auch die Eingangsstufe in A7 vorgeschrieben?
Die Stelle war auch mit Aufstieg bis A9 ausgeschrieben, habe bei einer Internetsuche jedoch auch ähnliche Stellen mit Eingruppierung in A8 entdeckt.
Wie du sagst ist eine Versetzung landesweit möglich, habe ich beim Bewerbungsgespräch auch angesprochen, es wurde mir zwar zugesichert das eine Verlegung der Stelle nicht in Planung sei, aber Worte sind leider keine Sicherheit.

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Baumschubser
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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von Baumschubser » 25.05.2019 17:39

Wenn dir die Ortsgebundenheit mehr als nur rudimentär wichtig ist, bleib beim Landkreis. Als Beamter wirst du zu 99% in A7 anfangen und der Aufstieg kann Jahrzehte dauern. Ich bin nach 20 Jahren nach A8 befördert worden, andere haben nach 10-12 Jahren bereits A9 mit Zulage, das mal nur so als Beispiel. Für eine Beförderung brauchst du eine Planstelle, eine entsprechende Beurteilung und idealerweise einen Gönner, der dich etwas pusht und bei den Beförderungen mitzureden hat.
Auch die PKV ist heutzutage ein erheblicher Kostenfaktor. Ich habe noch einen Altvertrag und zahle bei 30% Beitragssatz 165€ im Monat, die neuen Unisexverträge kommen bei 50% Beitragssatz kaum unter 250€ im Monat weg.
In deinem konkreten Fall würde ich eher Angestellter bleiben.

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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von watschenmann » 26.05.2019 07:50

Thema Beförderungen:
Ich bin nach meiner Ausbildung im MD mit A5 angefangen - der A6 kam automatisch, auf den A7 ging nur mit Bewerbung und weil man ja irgendwann mal dran war. Als ich dann meinen A7 durch Bewerbung erhielt bekamen die anderen automatisch A7 weil das Eingangsamt angehoben wurde.
Bis zum A8 hat es bei mir auch 20 Jahre gebraucht. Und weiter werde ich auch nicht kommen, da mich mein Arbeitgeber aufs Abstellgleis geschoben hat.
Nur mal so am Rande - das mit den Beförderungen ist die größte Schiebung überhaupt- Denn wenn deinem Vorgesetzten deine Nase nicht gefällt, dann haste Pech gehabt, wenn ein anderer besser durch den Eingang kriechen konnte wo keine Sonne scheint.

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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von urbani » 28.05.2019 21:46

Ich bin vor 8 Jahren mit damals 38 Jahren verbeamtet worden. Musste ins Eingangsamt nach A6 zurück. Meine erste Beförderung bekam ich nach 3 Jahren und 9 Monaten. Ein paar Monate später fing ich ein vom Dienstherrn finanziertes Aufstiegsstudium (nebenberuflich) an. Während dieses Studiums - 2,5 Jahre nach der Beförderung nach A7 - wurde ich nach A8 befördert. Und ein paar Monate später - am Tage meiner Diplomierung erfolgte der Aufstieg in den gehobenen Dienst und die A9. Es geht also auch wesentlich schneller und dabei bin ich nicht bei einer obersten oder oberen Bundesbehörde. Der Stellenkegel ist ziemlich klein. Ich hatte einfach Glück, weil mein Dienstposten nach A9/A10 bewertet war. Das heißt aber auch, dass ich jahrelang nach A6 besoldet wurde und meine Aufgaben weitaus höherwertiger war.

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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von Geometer » 28.05.2019 21:58

Habe jetzt heute Nachricht bekommen das eine Gruppierung nach A7 während der Verbeamtung auf Probe vorgesehen ist.
Mit der zusätzlich anfallenden PKV, würde ich so wohl bei ca 150 Euro weniger am Ende des Monats raus kommen 😔
Hab’s mal hoch gerechnet das selbst wenn alles ideal lauft der Unterschied zu meiner derzeitigen Anstellung ca 15000 Euro in den nächsten 5 Jahren sind.
Glaube das ich nun auch unter der Berücksichtigung, das ich versetzt werden kann die Stelle nicht antreten werde. Mir tut es nun nur leid, dass ich wahrscheinlich für einen Haufen Arbeit verantwortlich bin der dadurch entstanden ist.

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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von freshair » 29.05.2019 07:14

...mit Mitte 20 verbeamtet wirst du bei voller Diensttätigkeit auch noch die volle Pension bekommen, die sich dann aus dem Amt berechnet, dass du die letzten 2 jahre vor der Pension inne hattest...darüber hinaus gibt es im Gegensatz zum Tarifbeschäftigten auch noch Familienzuschläge...

...du musst mindestens noch 40 Jahre arbeiten....da würde ich jetzt nicht unbedingt auf die nächsten 5 jahre abstellen...

...man muss es sich halt mal genau durchrechnen...
Gruß aus Bochum

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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von zeerookah » 29.05.2019 09:36

Als Beamter brauchst du aber auch keine Lebensversicherung mehr. Da es die Mindestversorgung gibt.
Und mit der passenden Frau solltest du eine große Familie gründen. Denn da gibt es ab 3 Kindern & mehr richtig Geld dazu.
Als Beamter mit Familie bist du fast unantastbar. Da werden erstmal die Junggesellen versetzt.
Und als Beamter ist es überhaupt kein Thema einen Kredit zu bekommen (Haus, Wohnung) :mrgreen:

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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von flyernils » 30.05.2019 08:37

Beim Vergleich des monatlichen Nettos (nach Abzug der PKV) sollte nicht vergessen werden, das die Angestellten noch eine sehr ordentliche "Jahressonderzahlung" (Weihnachtsgeld) bekommen, Beamte dagegen nichts. Außerdem müssen Beamten je nach Bundesland 1-2 Stunden pro Woche mehr Dienst leisten als die Angestellten (41h statt 39h).

bettelmusikant
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Re: Lohnt sich Wechsel mit Verbeamtung?

Beitrag von bettelmusikant » 12.06.2019 10:32

flyernils hat geschrieben:
30.05.2019 08:37
Beim Vergleich des monatlichen Nettos (nach Abzug der PKV) sollte nicht vergessen werden, das die Angestellten noch eine sehr ordentliche "Jahressonderzahlung" (Weihnachtsgeld) bekommen, Beamte dagegen nichts. Außerdem müssen Beamten je nach Bundesland 1-2 Stunden pro Woche mehr Dienst leisten als die Angestellten (41h statt 39h).
Stop, je nach Bundesland gibt es noch die Sonderzahlung. In Hessen immerhin 5% der Bruttobezüge. Aber ja, in BaWü nicht mehr...

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