Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

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Diego
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Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von Diego » 16.05.2017 22:58

Guten Abend liebe Community

In wenigen Wochen beginne ich mit meiner 2 - Jährigen Berufsausbildung im allgemeinen Vollzugsdienst. Da ich somit nicht der Sozialversicherungspflicht unterlege, stehe ich als Beamtenanwärter nun vor der wichtigen Entscheidung freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung zu bleiben oder wie die meisten in die PKV zu wechseln. Rein finanziell und mit hinblick auf die Beihilfe müsste ich mich direkt für die PKV entscheiden, allerdings kommt jetzt der Grund weshalb ich mich bisher nicht eindeutig für eine der 2 Varianten festlegen konnte. Aktuell bin ich Single und habe weder Frau noch Kinder, jedoch spielt die Familienplanung in meinem künftigen Leben eine bedeutende Rolle. Realistisch betrachtet plane ich 3-4 Kinder, jedoch habe ich durch verschiedene Erfahrungsberichte sowie diverse Informationen im Internet gelesen, dass der Gang in die PKV bei mehrfachen Kinderwunsch und eigener Familie gut überlegt sein sollte, da die PKV im Alter zur Kostenfalle wird. Ich fühle mich bezüglich dieser schwierigen Thematik hin und her gerissen und möchte keine falsche Entscheidung treffen. Daher bitte ich um neutrale Ratschläge und Antworten auf meine Frage

Ist die PKV bei 3-4 Kindern finanziell tragbar?

Wäre es im hinblick auf meine Lebensplanung nicht klüger in der GKV freiwillig zu bleiben?

Muss ich als künftiger Beamter im mittleren Dienst, alle Kinder samt meine Frau privat versichern?

Und ganz wichtig : Welche Regelungen gelten, wenn ich beispielsweise eine Partnerin samt Kinder habe, aber nicht Standesamtlich verheiratet bin, könnten die Kinder und meine künftige Frau in der GKV bleiben?


Über eure Ratschlage würde ich mich sehr freuen und bedanke mich an dieser Stelle im Vorfeld viele Grüße Diego

netterkerl
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Re: Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von netterkerl » 17.05.2017 06:46

Wenn deine zukünftige Frau in der GKV ist, reicht das auch. Dann sind die Kinder halt über sie mitverischert.

Hanswurst I.
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Re: Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von Hanswurst I. » 17.05.2017 07:27

Du hast als Single 50% Beihilfeanspruch, der Rest muss PKV-versichert werden. Kinder erhalten (in Bayern, denke woanders ist das genauso?) je 80% Beihilfe. Ab 2 Kinder die über Dich beihilfeberechtigt sind erhältst Du 70% Beihilfe. Deine Ehefrau - sofern nicht eh GKV - wäre auch mit 70% bei Dir dabei.

Bei mir sieht es momentan so aus, das meine (eigentlich selbst beihilfeberechtigte) Frau in Elternzeit ist und sie und beide Kinder auf mich laufen. Das heißt, ich erhalte 70%, meine Frau ebenfalls 70% und die Kinder je 80%. Das kostet und (39 und 37 Jahre) im Monat jetzt 420€. Die Kinder kosten je 41 oder 42€ im Monat. Wenn meine Frau wieder den Dienst antritt, dann bleibt sie auf 70% wegen der 2 Kinder (bei 1 Kind "nur" 50%) und ich falle zurück auf 50%. Die Kinder bleiben auf 80% über meine Frau dann halt.

Falls Du ein Hengst bist und 3 oder mehr Kinder hast steigt ja auch Dein Familienzuschlag deutlichst (!) an, in Bayern ab dem dritten Kind z.B. glaub aktuell jeweils knapp 370€ Zuschlag. Eine PKV ist daher durchaus nichts was man unter Luxus verbuchen könnte.

Ich würde wohl in jedem Fall in die PKV gehen. Gerade mit Kindern ist das sicher nicht verkehrt. Zumal die ab Geburt quasi "prüfungslos" in die Beihilfe/PKV kommen weil die aufgenommen werden müssen von der PKV. Egal ob sie irgendwas haben gesundheitlich oder nicht.

Unsere Kids sind zum Glück gesundheitlich wie Ihre Eltern und haben ausser den U-Untersuchungen und Zahnarzt bislang noch keinen Arzt gesehen, aber wenn ich so im Kollegenkreis sehe was die teilweise für gesundheitliche Dinge plagen, dann ist das kein verkehrt angelegtes Geld wenn man in die PKV geht. Die Kinder einer Kollegin sind über ihren Mann in der PKV, aber die hadern beide aktuell rum, weil sie das damals so gemacht haben und nicht per Beihilfe. Die haben grad Zahngeschichten am Laufen mit OP etc..

Beihilfe und PKV ist natürlich nicht das Allheilmittel, aber bei einer Wahl würde ich die 40€ im Monat "anscheissen" und beitreten. Man weiß nie was mal kommt.

Momentan dürftest ja eh nur einen Anwärtertarif zahlen. Steuerlich absetzbar ist die ganze Geschichte ebenfalls (Bürgerentlastungsgesetz).

Torquemada
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Re: Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von Torquemada » 17.05.2017 11:15

Ganz klar PKV.

Baumschubser
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Re: Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von Baumschubser » 18.05.2017 21:46

In der GKV zahlst du als Beamter langfristig drauf. Klar ist es bequem, einfach die Chipkarte hinzulegen und alles ist geregelt. Aber der Aufpreis ist doch enorm und das bei geringeren Leistungen. Die PKV wird im Laufe der Jahre auch teurer werden, aber das ist je nach Vertrag sehr unterschiedlich. Die typischen Beamtenversicherer sind da aufgrund ständig neuer junger Einzahler meist sehr moderat.
Rechne mal grob damit, dass du nach der Ausbildung bei 50% Beitrag und ohne Aufschläge wegen Vorerkrankungen bei rund 200-220€ landest. Ab 2 Kindern sinkt dein Beitrag auf nur noch 30%, das lohnt sich dann schon.
Die Kinder würde ich in jedem Fall in der GKV der Ehefrau belassen (sofern die selbst in der GKV ist), weil dort beitragsfrei versichert. Gerade bei der von dir angestrebten Kinderzahl wäre die PKV dann doch eine finanzielle Belastung, die meiner Meinung nach absolut nicht sein muss.

Hanswurst I.
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Re: Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von Hanswurst I. » 19.05.2017 06:37

Mit fünf statt "nur" zwei Kindern hätte ich im Monat 767€ mehr auf den Konto, demgegenüber stehen 120€ mehr PKV-Beitrag. Das was man sich da vermeintlich spart kann bei der ersten notwendigen Behandlung schon für die nächsten 5 Jahre aufgebraucht sein. Oder man braucht dann doch wieder teure Zusatzversicherungen.

Für fünf Kinder gibt´s übrigens 797€ Kindergeld im Monat. Das bringt so manche Halbstags-AN nicht mit nach Hause.

Torquemada
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Re: Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von Torquemada » 19.05.2017 11:56

Hanswurst I. hat geschrieben:
19.05.2017 06:37

Für fünf Kinder gibt´s übrigens 797€ Kindergeld im Monat. Das bringt so manche Halbstags-AN nicht mit nach Hause.
Der "Halbtags-AN" braucht auch nicht für fünf Menschen Kleidung, Nahrung und Wohnraum.

Kindergeld und der Familienzuschlag gehen bei Kindern komplett für die Lebensführung drauf. Kindergeld ist keine Sozialleistung sondern das steuerliche Kinder-Existenzminimum als Zahlung im Voraus.

Als mit drei Kindern gesegneter Vater darf ich gleich wieder los um wieder neue Schuhe zu kaufen....

Baumschubser
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Re: Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von Baumschubser » 19.05.2017 19:00

Hanswurst I. hat geschrieben:
19.05.2017 06:37
Mit fünf statt "nur" zwei Kindern hätte ich im Monat 767€ mehr auf den Konto, demgegenüber stehen 120€ mehr PKV-Beitrag. Das was man sich da vermeintlich spart kann bei der ersten notwendigen Behandlung schon für die nächsten 5 Jahre aufgebraucht sein. Oder man braucht dann doch wieder teure Zusatzversicherungen.
Und auch hier muss wieder die Frage erlaubt sein, wie um Himmels Willen Millionen gesetzlich versicherter Kinder überleben können. :lol: :lol: :lol:

Kurzum, Kinder ohne Zwang privat zu versichern ist in 99% der Fälle ganz großer Mumpitz in meinen Augen. Denn man muss auch hier jede Rechnung vorstrecken und dann bei Beihilfe und PKV abrechnen. Nehme ich mal nur meine 2 Kinder und nur 18 Jahre mit 30€ Monatsbeitrag, dann wären das allein schon 13.000€ PKV-Beitrag. Für nichts.

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Re: Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von Hanswurst I. » 26.05.2017 06:37

Im Gegenzug hast Du aber z.B. allein schon (einfach gerechnet 100€ pro Kind und Monat) 43200 Kinderzuschlag erhalten in dieser Zeit. Da träumt sicher nicht nur ein "normaler" Arbeitnehmer davon fürs Privatvergnügen eine AUTOMATISCHE (!) Gehaltserhöhung zu kriegen.

Ich denke, das muss natürlich jeder selber wissen wie er das handhabt. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass man da schnell mal an falscher Stelle gespart hat.

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Re: Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von Zollkodex-Ritter » 26.05.2017 17:13

DIe PKV würd ich komplett abschaffen. Aber das nur vorangestellt.

Ich würd mich an deiner Stelle privat versichern, wenn keine Vorerkrankungen vorliegen, und die Frage nach den Kindern stellt sich doch hier noch gar nicht. Die Schlußfolgerung aus dem Satz: "Realistisch betrachtet plane ich 3-4 Kinder, jedoch habe ich durch verschiedene Erfahrungsberichte sowie diverse Informationen im Internet gelesen, dass der Gang in die PKV bei mehrfachen Kinderwunsch und eigener Familie gut überlegt sein sollte, da die PKV im Alter zur Kostenfalle wird" ist inhaltlich falsch.

Die PKV wird im Alter auch teurer ohne 3-4 Kinder. Wenn die Beitragserhöhungen signifikant wesentlich höher sein werden, dann sind deine Kinder entweder selbst in der PKV oder in der GKV versichert und raus aus dem Haus :-)

Kommt halt darauf an, wie deine Lebensplanung aussehen soll. Wenn deine Frau die ganze Zeit über zuhause bleiben soll/kann/muss, bis die Kinder dann 18 oder 21 sind, dann und nur dann wäre es sinnvoll, wenn du in der GKV bist. Dann und nur dann wäre es sinnvoll, wenn du in der GKV bleibst.

Was die ganzen "Versichere-Deine-Kinder-blos-Privat"-Fraktion gerne unterschlägt, ist, dass die Beihilfe in der Regel auch nur das bezahlt, was die GKV leistet. Gerade was das teuere Zahnspangenthema angeht wird da viel Schindluder mit emotionalen Apellen an die elterliche Fürsorge getrieben. Man sollte nicht vergessen, dass die Kinder dann eben auch nur zu 20% Privatpatienten sind. Das, was die Beihilfe dann nicht bezahlt, muss man zusätzlich versichern. Was nützt es, wenn die PKV eine Zahnspange auch dann bezahlt, wenn keine medizinische Indikation vorliegt -was sie aber eh nicht macht-, aber die Beihilfe die verbleibenden 80% nicht löhnt?

Beamte bekommen keine automatische Gehaltserhöhung für das "Privatvergnügen" Kind. Es besteht ein Rechtsanspruch auf amtsangemessene Alimentation, die im Falle einer Geburt ohne entsprechenden Ausgleich nicht mehr gewährleistet ist.

Meine Tochter ist in der GKV bei meiner Frau. Die Kasse meiner Frau zahlt Boni, wenn die normalen Vorsorgeuntersuchungen gemacht werden. Ist meine Tochter 18 und hat alles gemacht, was eh Standard ist, dann bekommt sie knapp 1.700 € ausbezahlt. Wenn man meint, die Kinder in der GKV seien unterversichert, dann spare man die 30-40 Euro Beitrag, die die PKV kosten würde, selbst an.

Für mich ist es so, wie Baumschubser sagt, großer Quatsch die Kinder in der PKV zu haben, wenn man es nicht muss. Ist deine Frau dann in der GKV, können die Kinder bei ihr mitversichert sein, solange dein EInkommen nicht über 4.800 Euro liegt. Das erreichst du im mittleren Dienst beim Bund mit KiFZ für 5 Kinder erst mit A9 und der 7. Erfahrungsstufe. Wenn du so weit bist, dann liegt diese Einkommensgrenze deutlich höher. Selbst wenn du sterben solltest und deine Kinder Halbwaisenpension bekommen, liegt diese unter 1/7 der Bezugsgrenze und eine beitragsfreie Familienversicherung sollte möglich sein.

Baumschubser
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Re: Beamtenanwärter.: GKV oder PKV

Beitrag von Baumschubser » 26.05.2017 18:36

Hanswurst I. hat geschrieben:
26.05.2017 06:37
Im Gegenzug hast Du aber z.B. allein schon (einfach gerechnet 100€ pro Kind und Monat) 43200 Kinderzuschlag erhalten in dieser Zeit. Da träumt sicher nicht nur ein "normaler" Arbeitnehmer davon fürs Privatvergnügen eine AUTOMATISCHE (!) Gehaltserhöhung zu kriegen.
Den bekomme ich aber auch, wenn die Kinder beitragsfrei bei meiner Frau versichert sind.

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