Der „Zehnte“ ganz modern

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Der „Zehnte“ ganz modern

Beitrag von B... » 05.11.2013 11:32

Hier wieder zwei lesenswerte Beiträge aus der Medienlandschaft.

http://www.focus.de/finanzen/doenchkolu ... 48141.html

und vor allem:

http://www.focus.de/finanzen/news/staat ... 47912.html


Der genannte Report mit dem Titel „Taxing Times“ behandelt die Möglichkeit einer allgemeinen Enteignung zur Senkung der öffentlichen Verschuldung in Europa. Die Höhe klingt zwar vergleichsweise harmlos und erinnert an alte Tributzahlungen.

Die Einsicht, dass eine höhere Besteuerung der laufenden Einnahmen immer weniger zusätzliches Geld aber immer mehr Ärger einbringt (Südeuropa), mündet seit geraumer Zeit – nachdem Zypern geklappt hat - in der Erkenntnis eine groß angelegte Enteignung vorzubereiten. Diese nennt man natürlich anders. EIN hübsches Beispiel ist die „Einmalige Vermögensbelastung“ was an der Sache freilich nichts ändert, aber nach der Belastung einiger weniger klingt.

Wer dies alles immer noch für eine Paranoia hält, dem sei ein Blick in die Veröffentlichung des IWF empfohlen. Der Titel „Taxing Times“ gibt die Marschroute vor.

Vor allem folgender Abschnitt daraus auf Seite 49 in der Box 6. A „One-Off Capital Levy?“ ist lesenswert.

http://www.imf.org/external/pubs/ft/fm/ ... fm1302.pdf

Zitate:
„The sharp deterioration of the public finances in
many countries has revived interest in a “capital levy”—
a one-off tax on private wealth
—as an exceptional
measure to restore debt sustainability.
...
„There is a surprisingly large amount of experience to
draw on, as such levies were widely adopted in Europe
after World War I
and in Germany and Japan after
World War II.
...
The tax rates needed to bring down public debt to
precrisis levels, moreover, are sizable: reducing debt
ratios to end-2007 levels would require (for a sample of
15 euro area countries) a tax rate of about 10 percent
on households with positive net wealth.


Der einzig korrekte Ansatz mit Überschuldung umzugehen, ist ein Schuldenschnitt. Damit lässt man diejenigen direkt haften, die rechtlich dafür vorgesehen sind. Bei insolventen Firmen sind dies Anteilseigner und Gläubiger, bei Staaten die Gläubiger. Wer ein Schuldpapier hält, hat dieses erworben und ist in der Verantwortung. Dies würde natürlich ebenfalls breite Kreise ziehen und über Versicherungen auch auf viele Menschen durchschlagen. Das ist bei einer Enteignung nicht anders. Aber warum sollte jemand, der sich bewusst oder unbewusst gegen derartige Risiken entschieden hat, zur Haftung gezwungen werden? Weil es gerechter wäre? Wohl kaum.

Zollkodex-Ritter
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Re: Der „Zehnte“ ganz modern

Beitrag von Zollkodex-Ritter » 06.11.2013 18:46

Bombadil hat geschrieben: Der einzig korrekte Ansatz mit Überschuldung umzugehen, ist ein Schuldenschnitt. Damit lässt man diejenigen direkt haften, die rechtlich dafür vorgesehen sind. Bei insolventen Firmen sind dies Anteilseigner und Gläubiger, bei Staaten die Gläubiger. Wer ein Schuldpapier hält, hat dieses erworben und ist in der Verantwortung. Dies würde natürlich ebenfalls breite Kreise ziehen und über Versicherungen auch auf viele Menschen durchschlagen. Das ist bei einer Enteignung nicht anders. Aber warum sollte jemand, der sich bewusst oder unbewusst gegen derartige Risiken entschieden hat, zur Haftung gezwungen werden? Weil es gerechter wäre? Wohl kaum.
Wer hat sich gegen irgend ein Risiko entschieden?
Jemand, der ein Girokonto mit Guthaben hat, oder ein Sparbuch, der ist doch eh nichts anderes als der Gläubiger einer Firma (Bank). Ein Schuldenschnitt würde genauso jeden treffen wie mit dieser Abgabe, solange diese Abgabe nur auf Geld liegt. Egal wie, der Mops ist der, der Vermögen hat.

Ich denke, dass dies ein Versuchsluftballon ist derart, dass jetzt viele sich dazu entscheiden, das gesparte zu investieren bzw. zu verbrauchen. Wirtschaftsförderung.

Reduziert man Schulden, ist das im System gleichbedeutend mit der Reduzierung von Guthaben.

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