Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Hier kann man Fragen stellen die nichts mit Beamten & Co. zu tun haben.

Würdet Ihr euch wieder für den öffentlichen Dienst entscheiden?

Ja
38
58%
Nein
28
42%
 
Abstimmungen insgesamt: 66

MK81
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von MK81 » 02.01.2014 21:24

Habe schon einige Beiträge hier gelesen, sehr interessant!

Ich habe meine Berufsausbildung im öD absolviert. Danach habe ich 9 Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet. Jetzt bin ich seit einem Jahr wieder im öD.

Für mich ist es noch zu neu, um "ja" oder "nein" sagen zu können.

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Hauseltr
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Hauseltr » 03.01.2014 10:23

Ein Vergleich zu den Beiträgen der Postbeamtenversicherung zur Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten:
http://www.pbeakk.de/fileadmin/redakteu ... nfo_09.pdf
Wer hier wie eingeordnet wird, ist mir nicht bekannt. Wenn ich das richtig sehe: Mindestbetrag mit 2 mitversicherten Angehörigen 538,50€, je älter der Versicherte, je höher der Beitrag!

Weiteres sollten hier die Postbeamten im Forum dazu sagen können.

Ich zahle bei der KVB in A7, verheiratet, keine Kinder monatlich ab 01.01.2014 = 208,00€ + Plegeversicherung 44,66€

Die KVB kennt nur die Versicherung für Alleinstehende oder für Familien ohne zusätzliche Kinderzuschläge.
Keine Erhöhung mit zunehmendem Alter, der Beitrag richtet sich nach er der Besoldungstufe.

Posttussi
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Posttussi » 06.01.2014 07:46

Ich habe mit ´ja´gestimmt,obwohl ich mir garnicht mehr so sicher bin.Gibt ja nur die 2 Optionen hier...

ich komme aus einem sehr armen Elternhaus ( ohne Vater und von der Grossmutter erzogen).Von daher hatte ich keine Rückendeckung eine gute Ausbildung zu machen.Es war wichtig,sofort Geld zu verdienen.
Also habe ich nach meiner Schulentlassung bei einer Druckerei im Fotolabor angefangen,320.-DM monatlich verdient.200.-DM musste ich davon zu Hause abgeben.
Als es immer offensichtlicher wurde dass diese Druckerei bald nicht mehr existiert,habe ich mir Gedanken machen müssen und die damaligen Kollegen bestärkten mich,eine Lehre anzufangen.
Das damalige Postscheckamt warb zu diesem Zeitpunkt um jede Menge Mitarbeiter.Auf allen Litfaßsäule stand in Grossbuchstaben ´tausend gute Dienste,Tag für Tag´...

also bewarb ich mich dort und musste zur Oberpostdirektion in Stuttgart gehen,musste dort einen Eignungstest machen und wurde angenommen.Fing dann am 3.April ( ein Montag)1967 an.
Rückblickend sage ich dass es für meine persönliche Situation eine gute Entscheidung war,also was Scherheit und monatliches Einkommen betraf.

Anfangs fühlte ich mich auch sehr wohl im Kollegenkreis,Gruppenführer ( die nannten sich damals so)waren bis auf 2,3,auch ok.

Mit den Jahren durchwanderte ich natürlich verschiedene Dienststellen und da wurde dann auch gemobbt,auch von Seiten der ´Gruppenführer´...

Auf Grund einer Schwerbehinderung standen mir 5 Tage mehr Jahresurlaub zu und dass wurde mir tatsächlich mal zu´m Vorwurf gemacht :( aber es waren nicht nur diese Vorfälle...

Fazit:
war ok... und ich wollte bei der heutigen Arbeitssituation auch nicht mehr jung sein,diese finde ich äusserst bescheiden... ,aber bei´m ´nächsten Mal´würde ich mich bei Schikanen mehr zu Wehr setzen :D

Einen liebes Gruss

PT
Die Hoffnung stirbt zuletzt... /b]

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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von maxg » 09.01.2014 23:45

Hauseltr hat geschrieben:Weder Post noch Bahn zahlen in so einem Fall einen Arbeitgeberanteil zu den Kosten der PKV. Das ist bei anderen Beamten ,soweit es mit bekannt ist, ebenso!
Die Wahrheit will doch hier keiner von den so schlecht behandelten hören. Also bitte keine Fakten jetzt...

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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von tiefenseer » 30.03.2014 12:34

Hallo,

als "Neuer" in diesem Forum und in dieser Runde habe ich mir den Spass gemacht und die bisherigen 6 (!!!) Seiten Beiträge zu lesen.
Es ist sehr interessant zu lesen, wie der/die eine oder andere sich mit dieser Frage auseinander setzt.

Die Frage nach dem "ja" oder "nein" kann ich für mich nicht so einfach beantworten.
Zumal ich als Kind des Ostens in das Beamtentum gerutscht bin und deren Bedeutung bis zu meiner eigenen Verbeamtung nur vom hören sagen kannte und auf keinerlei längerfristigen Erfahrungen zurück greifen konnte. Sicherlich hatte ich zu dieser Zeit bereits zwei Jahre lang Kollegen aus dem Westen um mich, die mir ihre Motivationen zum Beamtentum erzählten. Das waren aber eben nur persönliche Motive.
Die wahren Vorzüge, welches einem Beamten nachgesagt wurden, erlebte ich so nicht.

Ich hatte Spass an meinem Job und war mit Leib und Seele Polizist.
Doch um mich herum bemerkte ich, dass bei dem einen oder anderen der Haussegen schief stand, wegen unseres Jobs. So mancher Kollegen aus dem Osten verlor seine Ehefrau wegen des aufreibenden Dienstes. Auch von meiner Frau hörte ich, dass ich ja mehr mit meinem Kollegen zu sammen sei, als mit der Familie. Die Nerven lagen deshalb oft blank und standen unter einer sehr harten Bewährungsprobe.
Anfänglich nahm ich das als eine anstengende und kurzzeitige Phase als Ausrede.
Doch ich mußte feststellen, dass das eine Dauerphase wurde.
Überstunden im dreistelligen Bereich innerhalb eines Quartals wurden zur Normalität. In manchen Jahren hatte ich durch meine Ü-Std. mehr Freizeit als durch meinen Jahresurlaub. Und doch blieb es nur theoretisch, weil ein Abbau der Ü-Std. sich nur mit erheblichen finanziellen Verlusten durch Bezahlung reduzieren ließ.
Zusätzliche Dienste schmälerten das geringe Freizeitbudget und an Feiertagen befand man sich in der Regel im Dienst statt bei der Familie. Im Freundeskreis wurde nicht gefragt, was machen wir Ostern, Pfingsten usw. - sondern was sagt Dein Dienstplan...
Innerhalb weniger Jahre wurde unserer Polizeiabschnitt zu einem Schwerpunktabschnitt eingestuft und die dafür erforderlichen Beamten blieben aus. Gleichzeitig erfolgten die ersten Einsparungen, u.a. Kürzung des Weihnachtsgeldes. Die Arbeitszeit wurde um 1,5 Stunden pro Woche angehoben, An-und Abfahrten für Sonderdienste wurden gestrichen und eine Reihe weiterer bis dahin verbindlicher Dinge wurden regelrecht weg radiert. Hinzu kam, dass Ausrüstungsgegenstände ohne finanzielle Unterstützung des Dienstherren von uns selbst finanziert wurde - schließlich hatten wir unsere Familien versprochen lebend wieder nach Hause zu kommen.
Und - wir hatten einen 12/24 Stunden Dienst, d.h. 12 Std. Tag dem folgten am drauffolgenden Tag 12 Std. Nacht - Schlaftag-Frei und dann gings wieder von vorn los.
Hier pünktlich nach Hause zu kommen war ein Glücksfall. Ein Verkehrsunfall kurz vor Feierabend, ein Einbruch, eine Schlägerei oder was auch immer in einer großen Stadt, machten die Feierabendpläne schnell zu nichte.
Von durchschnittlich 11 (festgelegten) freien Tagen im Monat gingen 2 für Fortbildungen drauf. Durch Zusatzdienste wie Staatsbesuche/Demos/Häuserräumungen/Sondereinsätze und was weiß ich nicht noch alles - kamen 3 bis 5 weitere freie Tage in die Opferschale. Es gab kein reguläres komplettes freies Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend.

Dann mußte ich erleben, wie Kollegen(innen) im Dienst verunfallten und wie mit ihnen umgegangen wurde. Als Louser eingestuft, als Warmduscher beschimpft, weil sie einen "auf Krank" machten.
Ich selbst erlitt innerhalb weniger Jahre ein halbes dutzend Dienstunfälle. Ich wurde von meiner Familie gescholten, weil ich früher meinen Dienst auf nahm, um nicht von den Kollg. verspottet zu werden, obwohl ich noch garnicht fit war.

Bis dann ein unverschuldeter Verkehrsunfall im Dienst meine berufliche Zukunft von jetzt auf gleich völlig veränderte.

6 Moante zu Hause - in dieser Zeit hatte keiner meiner Vorgesetzten die Zeit, mal zu fragen, wie es mir geht - nein - es wurde regelrecht verlangt - melde Dich mal einmal die Woche wie es dir geht....
Mit dem Beginn des Hamburger Modells hörte ich wieder und wieder ...hab dich mal nicht so...OHNE zu wissen, was ich tatsächlich für Folgen aus dem Unfall habe und hatte...
2,5 Jahre hat es gebraucht - und wieder und wieder mußte ich mich in dieser Zeit rechtfertigen, dass ich den Unfall nicht zum Anlass für eine Pensionierung nutze - um endlich einen modifizierten AP zu bekommen.
Das hieß 2,5 Jahre als Innendienstkanker geführt zu werden, keine Möglichkeit zu haben sich für irgend etwas zu bewerben. Wegen meiner ungeklärten Verwendung wurde eine Beförderung zurück gezogen.
Seitens des Ärztl. Dienstes wurde recht zeitnah signalisiert, dass man die Folgen des Dienstunfalles nicht anerkennen wolle, da nach ihrer Auffassung alles nach 4-6 Wochen ausgeheilt sein müsse. (Heute weiß ich, dass die medizinischen Scharlatane durchweg ihre Daseinsberechtigung im öffentlichen Dienst gefunden haben - in einer Klinik hätten sie mit ihrer beruflichen Einstellung keine lange berufliche Lebenserwartung)
Dann, wie so oft in der Vergangenheit, Umstruktuierungen, die auch meinen AP betrafen. Ich verließ unfreiwillig meine Dst. und ging in ein Fachreferat- was sich schnell als eine Ansammlung von "durchgenknallten Fachwissenden" heraus stellte. Wie auch immer hielt es sich nicht einmal 2 Jahre. Denn niemand hatte geprüft, ob denn auch die finanziellen Mittel für dieses Referat vorrätig sind. So schnell es entstand - so schnell verschwand es.
Mit dem verschwinden war auch mein modifizierter AP verschwunden.
Alle bisherigen Beschwichtigungen und das "sogenannte Honig ums Maul" schmieren vieler gewichtiger Vorgesetzter war mit einmal vergessen. Ich fühlte mich wie die berühmte heiße Kartoffel fallen gelassen.
Verschärft wurde alles noch, dass ein aufstrebender junger Beamter im höheren Dienst, der auch noch mein Chef war, mit Krüppeln wie mir nichts anfangen konnte. Menschen die nicht seinen Leistungsansprüchen genüge wurden, wurden versetzt. Leider wollte aber niemand anderer einen Krüppel wie mich. Also die Konsequenz - vorzeitig Pensionierung. Heißt 15 Jahre früher von der beruflichen Bühne abschied nehmen.

Das Ende meiner beruflichen Karriere mit einer Pension, die fiannzielle Einbußen von monatl. runde 1.000 Euro bedeuteten und ein kompletter Entzug des sozialen Umfeldes. Was will man mit einem Krüppel sich auseinander setzen, der doch nicht mehr in den eigenen Reihen steht.
Im weiteren Verlauf eine Klageabweisung um Anerkennung der Folgen meines Dienstunfalles, einen Personalrat der sich näher ist als für seine Kollegen da zu sein.

Heute mit einem Abstand von mehr als einem halben Jahrzehnt - bin ich zu frieden über den heutigen Zustand. Das Leben ist leider keine Autobahn und alles im Leben geht nicht freibungslos von Statten. Zwischenzeitlich habe ich mein Leben geordnet, habe kein "Heimweh" für meine Polizeiarbeit, keinen Bezug mehr zu den polizeilichen Aufgaben und ertappe mich wieder und wieder, dass mir mehr und mehr Wissen aus dieser Arbeit verloren gegangen ist.
Doch noch einmal zum Beamtentum hin reißen lassen?...Kopf kratz....

Trotz vorzeitiger Pensionierung wird mein Leben - und das Forum ist voll von Beispielen - durch Gesetzgebung und dem Dientherren reglementiert. Die Werte eines Menschen und deren abfälliger und schäbiger Umgang damit kommen nirgend so drastsich zum Vorschein, wie im öffentlichen Dienst.
Ein Kollege aus dem "Westen" hat mir mal gesagt, die Ellenbogenmentalität ist nirgend so ausgefeilt, wie im öffentlichen Dienst.
Er hat weise Worte von sich gegeben.

Ich möchte mit einer letzten Anmerkung schließen.
Meine Tochter wollte in Vaters Fußstapfen treten und auch Polizistin werden. Meine Frau und ich konnten es ihr ausreden.
Heute hat sie einen verantwortungsvollen Job, mußte nicht dafür studieren, hat an WE und Feiertragen frei, muß keine Ü-Std. unentgeldlich leisten - und - hat ein besseres Einkommen, wie eine gleichaltrige Beamtin.

Ach so - da bleibt ja noch die Beantwortung der Frage - unter den heutigen Bedingungen, dem skrupellosen "Verheizen" von etwas sehr wertvollen -Lebenszeit- kann ich mir eine Verbeamtung nicht vorstellen.
In diesem so gerne gerühmten Grundgesetz (welches international keine Verfassung darstellt) wird über die Würde des Menschen über deren freie Entfaltung und dem Anspruch von Gleichbehandlung gesprochen....sie ist nicht besser wie in der ehemaligen DDR...sie ist eher perfider und skrupelloser in der Verletzung des Grundrechtsanspruch eines Einzelnen.


In diesem Sinne alles gute

Tiefenseer
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von egyptwoman » 31.03.2014 03:27

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, Tiefenseer. Ja wenn man sich hier im Forum so durchliest, kommt das ganze Elend zutage, sobald man nicht mehr wie ein Uhrwerk funktioniert. Ich nenn das einfach Schikane. Keiner sucht es sich aus ob er krank wird, man wird behandelt wie ein Ungeziefer, was man am liebsten für immer vernichten würde.
Es ist wirklich erschreckend, wie Leute die nicht in der Situation sind und meist vom aktiven Dienst keine Ahnung haben, über dich und dein Leben entscheiden. Sicher hat uns keiner gezwungen Beamte zu werden,, falls jetzt wieder der Einwand kommt, man könnte ja in die freie Wirtschaft gehen, aber ich glaub jeder der sich für den Beamtenstatus entschieden hat, ist mit völlig anderen Vorstellungen in den Job gegangen. Ich persönlich konnte mir nicht vorstellen, was für ein hauen und stechen, ein treten unter den Beamten, die ja in der Regel keine Angst um ihren Job haben müssen, herrscht. Man kannte das eher aus der freien Wirtschaft, aber im Beamtenapparat ist es noch wesentlich schlimmer, so mein Eindruck. Keiner gönnt einem die Butter auf dem Brot.

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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Mikesch » 31.03.2014 09:37

So übel es manch einem ergangen ist, frage ich mich allerdings, ob es in der Freien besser wäre.
Da wird noch mit ganz anderen Bandagen gekämpft.
Krank? Nach 6 Monaten ist man meistens weg vom Fenster, teils mit Mickerabsicherung.
Solche Schoten wie 2 1/2 Jahre krank wie bei uns bei vollem Salär sind dort wohl kaum möglich.
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von tiefenseer » 31.03.2014 20:18

Hallo Mikesch,
guten Abend all,

ich bin ungerne ein Benutzer solcher Vergleiche, denn sie hinken oder wie man so schön sagt der Versuch Birnen mit Äpfel zu vergleichen ist nicht so des besten Helfers Argument.

Es gibt bei jedem ganz individuelle Motive für den Einstieg ins Beamtentum.
Jedem ist zu diesem Zeitpunkt, wo er seine Hand hebt und seinen Eid spricht klar (zu mindest denkt es/sie es), was ihn zukünftig erwartet.
Im Verlauf seiner Ausbildung erfährt er auch die grundsätzlichen Regeln, die sich aus solch einem Treuegelöbnis ergibt. So ist er/sie guten Mutes, dass im Falle eines Falles auch Seitens des Dienstherren alles notwendige gemacht wird, um mich selbst und/oder meine Familie versorgen zu können.
Dann, wer ahnt es, trifft der Fall ein - sofort diszantiert sich der DH bzw. die erforderlichen Stellen, um dir die allseitig notwendige Fürsorge entgegen zu bringen. Fragen verhallen ins Leere, man manövriert Dich in die Ecke des Rechtfertigers, Kollg. tuscheln über Dich - da ist wieder eine(r), der auf Staatskosten in die Rente will-, die Untersuchungen bei AA häufen sich, da die Krankschreibung länger und länger wird, und so manche Ungereimtheit und Unklarheit schwirrt durch deinen Kopf.
Die die Antworten geben könnten (PR) ziehen sich mit der Bemerkung - das sind Rechtsfragen, da können...nein da dürfen wir gar keine Auskünfte erteilen -in ihr Schneckenhaus zurück.
So mancher Anwalt wittert das Geschäft - ich gewinne...wenn nicht den Fall...doch mehr Euronen auf meinem Konto....

Diese Gesellschaft rühmt sich der ausgeklügelten Regeln für den Fall der Fälle.
Leider ist die Realität so, dass im Fall eines Falles immer nach Auswegen gesucht wird, um diese Regeln zu umgehen.

Ich habe ihn schon viele Male Gebrauch von diesen philosophisch wertvollen Ausspruch...Recht ist dort wo die Gewalt herrscht...gemacht.
Wenn es um Rechtsfragen geht, steigt der Wert dieser Aussage...besonders häufig im öD...

Ich habe keine Antworten darauf, wie es wohl in der freien Wirtschaft ausschaut.
Meine Tochter wurde im letzten Jahr operiert. Danach war sie bei uns, da sie sich nicht allein zu Hause versorgen konnte. Anfänglich war ich von den ständigen Anrufen ihres Geschäftsführers genervt. (Empfand es irrtümlich als Kontrollzwang) Doch welche Unterstützung sie in den 10 Wochen zu Hause erfuhr - ich verneige mich und zieh den Hut vor so viel Fürsorge, wie sie meine Tochter erfuhr...

Achtung, Wertschätzung, Anerkennung - das sind Dinge, die ö.D. selten zu finden sind....

Gruß Tiefenseer
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von egyptwoman » 31.03.2014 22:59

tiefenseer hat geschrieben: Kollg. tuscheln über Dich - da ist wieder eine(r), der auf Staatskosten in die Rente will-,

Genauso sieht es aus, man hat als Beamter nicht krank zu werden oder wenn man im persönlichen Umfeld, sofern man überhaupt noch eins hat, hört: wie du bist krank, du bist doch Beamter? Du hast doch nichts auszustehen? Wie kann man denn da krank werden?
Es ist schon öfter erörtert worden, sicher haben wir noch ein paar Vorteile gegenüber jemand aus der freien Wirtschaft, aber wie jeder weiß und wie man die letzten Jahre gesehen hat, es wird immer mehr gekürzt, immer mehr dieser Vorteile verschwinden und wenn es dir dann mal schlecht geht, bist du auf dich allein gestellt, die ach so tollen Kollegen, die dir jeden Tag morgens ins Gesicht lächelten, waren dann nicht mehr für dich da. Wie du auch schon so schön bemerkt hast, der Personalrat ist auch nicht mehr das was er vielleicht noch vor Jahren war, die Kollegen dort stecken ihren Kopf meist auch nicht zu tief in die Angelegenheiten der um Hilfe suchenden, teils auch aus Angst vor ihrer eigenen beruflichen Laufbahn.
Solange du funktionierst wie ein Uhrwerk, immer im Dienst, immer Abrufbereit, Überstunden machen ohne Ende, weil da oder dort jemand ausgefallen ist, solange bist du gut genug, aber wehe du funktionierst nicht mehr so, dann kriegst du die volle Latte der Unannehmlichkeiten seitens des DH zu spüren. Da bist du kein Mensch mehr sondern nur noch die Nummer des Verwaltungsaktes.

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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Mikesch » 01.04.2014 00:52

Moin

@egyptwoman
@tiefenseer

Ihr habt ja recht, eigentlich... ;-)

Aber ich denke nicht, dass mein Vergleich hinkt.
Es geht ja um die Entscheidung, ÖD oder nicht und somit muss ich beides miteinander vergleichen. Was passiert im Falle X, wie sind die Arbeitsbedingungen.

Das was ihr beschreibt läuft nicht anders in der Freien ab. Ich behaupte mal ganz keck, dass die beschriebenen Missstände im ÖD weit weniger vertreten sind als in der Freien, wo das völlig normal und die Regel ist.
Ich bin nicht repräsentativ, aber nach Durchwandern vieler DSt in >40 Dienstjahren ist mir kein Fall bekannt, wo Kollegen infolge Krankheit über den Tisch gezogen wurden, im Gegenteil, die bekamen eher die Fürsorge zu spüren.
Nun ja, das mag je nach "Fakultät" unterschiedlich sein, im Strafvollzug, ehemals Bahn, Post...
...möchte ich nun wahrlich nicht (gewesen) sein. Aber das ist nicht DER ÖD, der umfasst eine breite Spanne an Dienstherren wo die unterschiedlichsten Bedingungen herrschen.

Bei einer Abwägung für oder wider müssen halt alle Institutionen einfließen. Das, was euch passiert ist, ist jedenfalls nicht die Regel, bei euch war es so.

Ich bin nur der Meinung, dass etliche, die über den ÖD schimpfen, nur ihre Situation aus ihrem "Verein" kennen, was keineswegs repräsentativ ist und von dem, was "draußen" passiert, so gut wie keinen Einblick haben.
Es macht auch keinen Sinn, sich vom "Draußen" zum Vergleich nur die Sahnehäubchen raus zu picken, die den Meisten eh verschlossen bleiben.

Für eine Entscheidung muss man das erst mal Global sehen und anschließend je nach Arbeitgeber. Erst dann ist eine Entscheidung möglich, die kann dann so oder so ausfallen...
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von egyptwoman » 01.04.2014 02:28

Ich denke trotzdem das man das "Draußen" nicht mit dem ÖD vergleichen kann, weil die Vorraussetzungen und Bedingungen einfach eine andere sind. Wenn man sich hier durchs Forum klickt, sieht man das es nicht nur bei Strafvollzug, Bahn oder Telekom mehr als unmenschlich zugeht. Beiträge über Missstände egal welcher Art gibt es mehr als genug, sei es bei Beförderung, Versetzung, Ruhestand etc. Darüber kann man auch in den anderen Unterforen mehr als genug Beispiele lesen. Es sagt ja auch keiner das es in der freien Wirtschaft einfacher ist, vergleichen kann man es eben doch nicht, zumal wenn den Vergleich Beamter - Angestellter/Arbeiter bzgl. Rechte und Pflichten sieht.
Nehmen wir nur mal zb. das Streikrecht: Als Angestellter/ Arbeiter auch im ÖD hast du das und das wurde ja auch schon öfter in Anspruch genommen. Als Beamter hat man das eben nicht, mit den uns glaub ich allzugut bekannten Folgen. Welche Möglichkeit, außer vielleicht einer Petition hat man denn, gegen Leistungskürzungen, Anhebung der Arbeitszeit, mehr und mehr Belastung der einzelenen Resorts durch zusammenlegung und dadurch folgend Stellenstreichungen, vorzugehen. Klar man kann sagen, die Gewerkschaft gibt es ja noch. Allerdings: Wo genau haben die sich wirklich durchsetzen können und wenn, wie lange hat dieser Kampf gedauert, meist mit dem Ergebnis, das irgendwo wieder was gestrichen wurde, wenn zb. in den Arbeitszeitbereichen eine Zustimmung gegeben wurde.
Jeder von uns hat die letzten Jahre mitbekommen können, wie im Beamtenapparat gespart wurde, sei es durch Zusammenlegung von Resorts und dadurch bedingt Stellenstreichungen, sei es durch finanzielle Einsparungen wie Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld - in Bayern gab es bis 2002 noch sogenannte AZV Tage auch diese wurden gestrichen. Anwärterzulagen sind gestrichen worden. Die Arbeitszeit wurde (ich kann nur für Bayern sprechen) auf 42 h ohne finanziellen Ausgleich hochgesetzt, mittlerweile nach langjährigem Kampf und mittels Petition wurde das zwar vor 2 Jahren wieder nach untern revidiert, trotz allem hat man erstmal ein paar Jahre diese 42 h Woche mitmachen müssen. So könnte man weiter machen, ich glaub da gibt es noch etliche Beispiele.
Mittlerweile ist es ja schon soweit das die Bewerberzahlen für den Bereich des Beamtentums in vielen Bereichen mehr als zurück gegangen sind, da sich diese Missstände auch in der freien Wirtschaft rumgesprochen haben und wie man am Beispiel von Tiefenseer sehen kann, das man selber seinen Verwandten und Freunden davon abrät und lieber versuchen sollte einen guten Job in der freien Wirtschaft zu bekommen.
Man kann sich auch mit älteren Kollegen unterhalten, die schütteln auch nur noch den Kopf wie mit den gerne auch mal "Staatssklaven" genannten Menschen im ÖD umgegangen wird.
Das Problem ist einfach, solange man noch jung ist, also irgendwas in den 20igern fällt so ein Wechsel leichter, man hat doch mehr Chancen auf dem freien Arbeitsmarkt, je älter man ist und je länger man aus dem vorher erlernten Beruf raus ist, umso schwerer bis fast unmöglich ist es, in der freien Wirtschaft einen entsprechend guten Job zu finden und ja ich stimme zu, man hat mit der Zeit nicht mehr den intensiven Einblick, zumindest wenn man keine Verwandten oder zb. nen Ehepartner hat, bei dem man das noch hautnah erleben kann.
Es hat sein Für und Wider und jeder erlebt es sicher anders und ja wir können nur aus unserer eigenen Erfahrung reden, aber wie Eingangs schon geschrieben, durchforstet man hier das Forum in den verschiedenen Bereichen, stellen sich bei manchen Berichten einem die Nackenhaare auf, ob der Willkür die da an den Tag gelegt wird.

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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Mikesch » 01.04.2014 09:12

egyptwoman hat geschrieben:Ich denke trotzdem das man das "Draußen" nicht mit dem ÖD vergleichen kann
Richtig, nur wenn man nach einer Alternative sucht, kann man doch nicht nur eine Sache betrachten, sondern MUSS vergleichen, alles Andere wäre unlogisch.

In der Tat haben wir seit gut 20 Jahren manche Feder lassen müssen, in den letzten Jahren mächtig und das nervt mich auch.
Nur, ich wiederhole mich, in der Freien ist es deutlich schlimmer. Ich sehe es, da ich Jobmäßig in Unternehme tätig bin...

Du kannst auch nicht einzelne Bereiche heraus picken, gerade Deiner gehört zu den A-Karten Inhabern. Aber das ist nicht der ÖD an sich, nur ein kleinster Teilbereich. Ebenso wenig kannst Du Dein Einzelschicksal anführen, Einzelfälle...
Dieses Forum ist auch kein Argument, wer ist denn hier? Die Leute, die Probleme haben oder überhaupt die Jammerer.
Denen, denen es gut geht, tummeln sich kaum hier im Forum. Wie viele sind das denn hier, gemessen an am gesamten ÖD?
Eine Mickerzahl, nicht ansatzweise repräsentativ.

Für eine Entscheidung müssen Fakten heran gezogen werden und hier muss dann jeder nach seinen Fähigkeiten, Lebenseinstellung und Umstände für sich entscheiden.
Das Ergebnis kann dann so oder so ausfallen...

Aber zu sagen -was viele machen- dass der ÖD perse Sch... ist, ist für mich kurzsichtig und nicht über den Tellerrand der eigenen Situation hinausgeblickt.
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Florek » 01.04.2014 13:22

Nun, ob ich die Entscheidung, die ich vor mittlerweile gut 14 Jahren getroffen habe bereue? Da würde ich eher zu nein tendieren, abgesehen davon, daß man sich damit auch nur Magengeschwüre züchten würde, kann ich mich auch über meinen Werdegang nicht beschweren. Im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten habe ich sogar Karriere gemacht und bin in den 14 Jahren immerhin nach A9 durchmarschiert, A9+Z sollte damit wohl in jedem Fall auch irgendwann noch drin sein. Damit läßt sich als Alleinstehender schon leben. Ob ich allerdings die Entscheidung mit dem Wissen und den Erfahrungen, die ich heute habe diese Entscheidung wieder so treffen würde? Nein! Ich würde wohl einen anderen Weg gehen. Ich hatte damals die Entscheidung getroffen, weil ich nach meiner kaufmännischen Ausbildung erstmal nur befristete Verträge bekommen hatte, was mich belastet hatte, danach hatte ich zwar auch einen unbefristeten Vertrag, jedoch war der bei einer Firma in der Autozulieferbranche, die Arbeitsbedingungen waren durchaus fair, wenn auch deutlich unter Metalltarif gezahlt wurde und die Arbeitszeit mit 38.75 Stunden über dem Metallertarif lag, aber man konnte sich nicht beklagen, nur war ich damals durch meine schlechten Erfahrungen gleich nach der Ausbildung "traumatisiert" (doofer Ausdruck, aber mir fällt grade kein besserer ein) und die Autozuliefererbranche ist durchaus Konjunkturschwankungen ausgesetzt, in dieser Situation war die Sicherheit eines Beamtenverhältnisses natürlich verlockend und sie hat mich auch verlockt. Aus heutiger Sicht sage ich, ich hätte damals ja nicht in der Branche bleiben müssen, evtl. hätte man sogar mal zu einem Autobauer wechseln können oder zurück in die Chemiebranche, wo ich meine Ausbildung gemacht habe und die auch etwas weniger Schwankungsanfällig ist, dort wären dann auch noch bessere Konditionen möglich gewesen. Die Aufstiegschancen wären besser gewesen, ich hätte sicherlich noch eine Fachwirtsausbildung draufgesetzt, evtl. hätte ich auch noch ein Fernstudium draufgesetzt, zu der Investition wäre ich auf jeden Fall bereit gewesen, diese Möglichkeiten habe ich im öffentlichen Dienst so nicht, der Aufstieg ist mir nicht möglich und mittels eines externen (Fern-)Studiums die Befähigung für den g. D. zu bekommen so eine Sache, vielleicht habe ich Glück und kann noch eines Tages den modularen Aufstieg machen. Vor 14 Jahren hatte ich natürlich auch die Entwicklungen im Bildungssystem nicht vorhersehen können, es war damals ja auch noch nicht so ohne weiteres möglich, mit einer beruflichen Weiterbildung zu studieren, hätte ich das vorausgesehen, hätte ich mich anders entschieden.

tiefenseer
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von tiefenseer » 01.04.2014 14:46

Hallöle miteinander,

ich glaube, dass ein Vergleich, wie wir ihn derzeit führen, zu keinem beweiserheblichen Ergebnis gelangt.

Es gibt in jeder Branche gute und schlechte Seiten und ja in diesem Forum tummeln sich sicherlich in der Mehrzahl Menschen, die im Verlauf ihres Lebens im ö.D. als Angestellte oder Beamte schlechte Erfahrungen/Erlebnisse hatten.

Mikesch – du wirst mir zustimmen, dass es eine Vielzahl von Kollegen gibt, die innerlich ihren Dienst quittiert haben. Die täglich nur noch erscheinen und wenn man sie nach einer Meinung fragt abwinken. Ein weiterer Teil mault und trotz alle dem den Lauf der Dinge nicht beeinflussen will oder kann. Und – es gibt einige wenige die sich öffentlich zu kritischen Fragen positionieren.

Auch das erlebt man sicherlich zugleich in der freien Wirtschaft, wie im ö.D.

In der freien Wirtschaft habe ich die Chance auf dem freien Arbeitsmarkt nach Alternativen mich um zu schauen, wenn ich mit meiner augenblicklichen Situation nicht zufrieden bin.

Was macht aber ein(e) Beamter(in), wenn das Arbeitsumfeld, die materiellen Ressourcen, die Vorzüge, die das Beamtentum gewährt, in den Jahren schlechter und schlechter werden. Wenn die Gewalt ggü. Mitarbeitern des ö.D. zunehmen und der Gesetzgeber tatenlos zu schaut. Es ist ja nicht nur, dass immer weniger eingestellt werden – nein –auf der anderen Seite werden auch mehr Stellen gestrichen, die ein beruflichen Fortkommen sichern sollten.

Ich lese hier nach 14 Jahren bereits A9 – herzlichen Glückwunsch.
Manch einer wäre glücklich, wenn er/sie nach 30 oder 35 Berufsjahren mit A9 in den Ruhestand gehen könnte.
Auch das ist nicht Repräsentativ – und doch – finde ich kann man die Arbeitsbedingungen des ö.D. keineswegs mit Arbeiten in der Wirtschaft vergleichen.

Eine Sekretärin in einem mittelständigen Unternehmen schreibt täglich Rechnungen, Angebote usw. und kann zum Ende des Tages sagen …ich habe für meinen AG Angebote mit einem voraussichtlichen Auftragsvolumen hin Höhe von xxx Euro geschrieben und ich habe Rechnungen versandt, so dass mein AG in den kommenden Tagen xxx (tausend) Euro auf seinem Konto kommt.
Woran soll man die Arbeit an einem Mitarbeiter des ö.D. bemessen?
Ist sie wertloser, weil kein Geld fließt – nein sie ist nicht wertloser und doch ist die Art und Weise der Leistungsbemessung ein abenteuerliches Konstrukt des ö.D. selbst.
Im ö.D. ist nichts so, wie man es in der freien Wirtschaft praktiziert.

Beispiel
In der Berliner Polizei wurde in den 90iger Jahren ein Modell eingeführt. Geistige Väter – Männer aus der Wirtschaft, deren Studien den damaligen Polizeipräsidenten überzeugten. Ziel war es die Polizei effizienter zu machen und das sogenannte „mehr Grün auf der Straße“ zu praktizieren.
Geführte Umfragen durch die Gewerkschaft kamen zu dem nicht unerwarteten Ergebnis, das es sowohl Befürworter als auch Ablehner gab. Die Ablehner waren in der Mehrzahl.
Hat sich nun dadurch etwas verbessert?
• Weniger Grün auf der Straße
• Weniger Tatortarbeit
• Keine Planungssicherheit mehr für den Einzelnen
• Eine Verlagerung von Kräften
• Neustrukturierung von Stellen
• Bewerbungen für Stellen haben sich erschwert
• Erhöhte Sondereinsätze
• Und einiges weitere unangenehme kam dazu

Nun nach etwa 15 Jahren gibt es die Reform der Reformen.
Steuergelder wurden Jahr um Jahr verschwendet (was ja für Berliner Politiker bzw. dem Berliner Senat keine Schwierigkeiten bedeutet – darin sind sie außerordentlich erfahren)

Die Eingangsfrage lautete…Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Meine Position dazu habe ich geschrieben.
Für mich ist das Kapitel meiner Lebensgeschichte ö.D. beendet und eine Neuauflage wird es keineswegs mehr geben. Da haben Menschen dem Mensch Tiefenseer zu viel mentalen Schaden zugefügt, der nicht mehr reparabel ist.

Gruß Tiefenseer
Ärgere Dich nicht über Deine Fehler und Schwächen, ohne sie bist Du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr.

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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Mikesch » 01.04.2014 16:14

tiefenseer hat geschrieben:Mikesch – du wirst mir zustimmen, dass es eine Vielzahl von Kollegen gibt, die innerlich ihren Dienst quittiert haben.
Richtig, wobei ich mich oft frage, auf welchem Niveau resigniert wird ;-)

Ich gehöre wahrlich nicht zu den Karrieremenschen, habe durch die Verwaltung Haus, Hof, Heimat und Frau verloren, wurde ausreichend verarscht und hab Mobbing hinter mir.
Ich bin aber ein positiv denkender Mensch und habe aus jedem Unbill was Positives herausgepickt, habe mich neuen Lebensumständen angepasst, bzw. gestellt und anschl. war es meist besser als vorher.
tiefenseer hat geschrieben:In der freien Wirtschaft habe ich die Chance auf dem freien Arbeitsmarkt nach Alternativen mich um zu schauen, wenn ich mit meiner augenblicklichen Situation nicht zufrieden bin.
Auch richtig, aber was bekommst Du?

Ich bin immer noch nicht in der der Endstufe, habe im mD aber so viel wie ein Betriebsleiter in einem mittelständischen Unternehmen. Ein Rat o. Oberrat müsste sich heute in der Freien schon in der mittl. Führungsebene befinden.
Diese Jobs liegen auch nicht gerade auf der Straße...
...mal davon abgesehen, dass man dort meistens nicht nach 8 Stunden den Griffel fallen lassen kann.
Lukrative Jobs gibt es in der Freien auch nur für wirklich helle Köpfe und nur die haben eine Chance, während die Masse immer weniger Geld, aber mehr Arbeit leisten soll und psychischem Druck ausgesetzt ist.
Bei uns bekommt jeder Pupser und sei er noch so blöde seine Kohle und kann vor allem im Alter seiner Kohle sicher sein. In der Freien setzt man Dich vor die Türe...

Ich hätte als normaler Arbeitnehmer nie die Zeit gehabt, all das zu tun, mich zu entfalten und das Leben geführt zu haben, wie es nun bald zu Ende geht.

Ich finde es nur immer blöde, wenn allgemein über den öD gemoppert wird und oft von Leuten, die wahrscheinlich im richtigen Leben gar nichts auf die Beine hätten stellen können, bzw. erst recht untergegangen wären.

Wie ich oben schon schrieb, es ist eine Sache der Fähigkeiten und der Einstellung, ob dieses oder jenes besser wäre. Überall wird mit Wasser gekocht ;-)
SELECT 'dreams' FROM 'erinnerungen' WHERE HARDCORE = 'yes'
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