Hedge Fonds

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Klaus
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Hedge Fonds

Beitrag von Klaus » 22.11.2011 10:11

Was ist ein Hedge Fonds?

Bislang konnte mir das noch keiner nachvollziehbar erklären. Manche haben das ungemein gefährliche 10-Prozent-Wissen und stammeln etwas von Derivaten oder Leerverkäufen. Da merkt man schnell, dass sie selbst nicht durchblicken.

Oder die Erklärung, da wettet man auf sinkende Kurse. Na schön, aber gegen wen wettet man? Zum Wetten braucht man doch wenigstens zwei.

Bitte jetzt nicht googeln. Das kann jeder. Bringt in dieser Frage aber wenig.

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Bundesfreiwild
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Beitrag von Bundesfreiwild » 22.11.2011 12:04

Ich traue mich mal an eine - relativ vereinfachte - Erklärung, die beleibe keine Einzel- oder Feinheiten des ganzen Geschäftes abdeckt.

Dabei ist es prinzipiell wurscht, um welche Derivate es konkret geht, denn sie sind Finanzinstrumente, deren Preise sich nach den Kursschwankungen oder den Preiserwartungen anderer Investments richten. Derivate sind so konstruiert, dass sie die Schwankungen der Preise dieser Anlageobjekte überproportional nachvollziehen.

Daraus resultieren dann auch die sogenannten Leerkäufe von Wertpapieren, Waren, Devisen, Optionen und Futures-Kontrakten im Kassa- oder im Termingeschäft, die sich nicht im Besitz des Verkäufers befinden (weil man ja nur Kauf-oder Verkaufsrechte/Pflichten bislang erworben hat und nicht das reale Aktienpapier). Dies geschieht zumeist mit der Absicht, sie später billiger erwerben zu können und an der Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis zu verdienen (Differenzgeschäft).


Hedge Fond
Investmentfonds, die bezüglich ihrer Anlagepolitik keinerlei gesetzlichen oder sonstigen Beschränkungen unterliegen. (Das wäre schon mal per Gesetzgeber vermeidbar).
Hedge-Fonds bieten die Chance auf eine sehr hohe Rendite, bergen aber auch ein entsprechend hohes Risiko des Kapitalverlusts in sich.
In erster Linie versuchen Hedge-Fonds Marktineffizienzen aufzudecken, sich entsprechend zu positionieren und bei Korrektur der "falschen Marktpreise" dann die Gewinne einzustreichen.

Die müssen sich also -eigentlich- jedes Unternehmen genau ansehen, weltweit - um zu erkennen, ob es mit diesem geschäftlich aufwärts oder abwärts gehen wird und wie sich der Gesamtbörsenmarkt entwickeln wird.
Weil ja leider niemand ein Hellseher ist, ist das nicht mal mit den tollen Wahrscheinlichkeitsrechnern vorhersehbar, weil sich eben auch vor allem politische und damit wirtschaftliche Landschaften manchmal von heut auf morgen ändern können.

Bemerkung: "Falsche" Marktpreise können sich sowohl nach oben oder unten auswirken:

Call
Der Käufer eines Call (englischer Begriff für eine Kaufoption) erwirbt ein Recht, nicht jedoch die Pflicht, während der Laufzeit (amerikanische Option) bzw. am Ende der Laufzeit (europäische Option) den Basiswert (Aktien, Indizes, festverzinsliche Wertpapiere, u.a.) zu vorab festgelegten Konditionen zu kaufen.

Put
Der Käufer eines Put (englischer Begriff für eine Verkaufsoption) erwirbt ein Recht, nicht jedoch die Pflicht, während der Laufzeit (amerikanische Option) bzw. am Ende der Laufzeit (europäische Option) den Basiswert (Underlying) zu vorab festgelegten Konditionen zu verkaufen.


Hebel
Der Hebel eines Optionsscheins berechnet sich aus dem Kurs des Basiswertes, dividiert durch den Kurs des Optionsscheins und multipliziert mit dem Optionsverhältnis. Er gibt an, um wieviel Einheiten (theoretisch) der Wert Optionsscheins steigt/fällt, wenn das Underlying um eine Einheit steigt/fällt. Das Underlying ist das Bezugsobjekt eines Optionsscheins (also eine echte Aktie z.B.)

Der Hebel ist das eigentlich interessante an den Optionsgeschäften.
Grobe Erklärung: Angenommen, die Bedingungen im Optionsschein stehen für einen Hebel "5". Wäre jetzt der Aktienwert des Optionsscheinsobjektes Aktie an der Börse um 10 Punkte höher oder niedriger als per Optionsschein, würde das sich über den Hebel des Optionsscheines um 50 Punkte - nicht nur um 10 - auswirken. Hier ist also ein unglaubliche Potenzierung von Gewinn oder Verlust möglich.
Je früher oder später vor dem Fälligkeitstermin man einen Optionsschein kauft, desto höher oder niedriger ist Risiko und Hebel in der Regel.

Es gibt an den Börsen bestimmte Termine, zu denen diese Puts und Calls fällig werden. An den Tagen ist auch immer großes Hallo an der Börse.
Denn - hat sich da jemand schwerst verzockt und muss Aktien über/unter Wert kaufen/verkufen, der verkauft sie dann auch gleich meist sofort am realen Aktienmarkt - um sein restliches Vermögen wenigstens zu sichern, weil die Aktie vermutlich noch weiter abkacken wird. Oder auch weiter steigen wird, obwohl der Optionsschein auf fallende Kurse gesetzt hatte.

Große Verkaufsmengen wirken sich natürlich wieder auf den Börsenkurs aus - der dann immer weiter abstürzt. So kann sich durch den ganzen Aktienkurswald ein einziger umgestürzter Baum wie eine Dominowelle ausbreiten.

Denn - viele "normale" Aktienanleger haben in ihren Aktiendepots sogenannte "Stopp-Loss-Kurse" eingegeben. Das bedeutet, wenn ein Wert unter einen bestimmten Kurs fällt, wird der automatisch verkauft.

Ist man der erste, hat man vielleicht Glück und bekommt noch einen guten Verkaufspreis, der oberhalb des früheren Kaufpreises liegt. Ist man erst weiter hinten dran, kommt man vielleicht schon in die Lawine und legt drauf, weil der Preis an der Börse schon weit abgerutscht ist. Auf jeden Fall kommen durch größere Verkaufsaktionen von einem oder mehreren Hedgefonds plötzlich die Börsenkurse unter Druck und es setzt ein Bergrutsch ein.
Deshalb sind die Fälligkeitstermine immer Horrortage an der Börse.

Man legt in einem Hedge-Fond also nicht seriös an und kauft zum Beispiel echte Aktien (also Anteile an einem Unternehmen) und hofft auf Unternehmens- und Gewinnwachstum, sondern zockt nur auf Kursbewegungs-Wahrscheinlichkeiten. Da man nur ein Recht erwirbt, zu einem bestimmten Termin die Aktien oder Zertifikate, o.a. zu einem bestimmen Termin zu einem bestimmten Preis zu verkaufen, wird das Recht oder die Pflicht, die man mit dem Kauf einer Option eingeht, auch erst zu dem Termin tatsächlich als realer Betrag fällig.

Wenn man sich jetzt verzockt hat und ein Papier sich in die andere Richtung bewegt hat, als gehofft, muss man evtl. Aktien zu einem viel höheren als dem aktuellen Marktpreis kaufen oder anders herum, Papiere weit unterhalb des aktuellen Marktpreises verkaufen.

Das böse daran ist, dass nicht beim Kauf oder Verkauf der Optionsscheine (Call oder Put) die Kohle zum Kauf der REALEN Werte fällig wird (da werden nur ganz geringe Beträge im Verhältnis zum späteren Kauf- oder Verkaufspreis fällig), sondern mit dem Verfallstermin.

Und wenn man die Kohle dann nicht wirklich HAT, muss man einen Kredit aufnehmen. Und dann fällt die jetzt zwangserworbene Aktie evtl. noch weiter. Also hockt man auf einem Millionen/Milliardenkredit und legt auch noch Geld drauf, weil der Wert der Aktien immer weiter fällt. Man "verbrennt" das eingesetzte Geld.

Also: Die Anleger haben z.B. 1 Milliarde Euro zusammengelegt.
Der HF-Manager kauft für echte 5 Mio Euro Puts oder Calls. (Die Preise der Optionsscheine sind im Verhältnis zum Wert der betroffenen Aktie praktisch im Promillebereich).
Zum Termin werden z.B. die Calls (Kaufoptionen) fällig. Leider war der Callpreis und der Termin so konditioniert, dass man jetzt für die gekauften Rechte/Pflichten 1 Milliarden Euro auf den Tisch legen muss, um den angegebenen realen Wert zu kaufen, obwohl die tatsächlich mit deser Option zu kaufenden Papiere zum Termin nur 500 Mio Euro wert sind. Man macht also mal Knall auf Fall ne halbe Milliarde Miese.

Passiert das öfters, ist das Geld, das die Hedge-Fonds über ihre Geld-Einleger gesammelt haben, auch schnell mal futsch.
Dazu kommt, dass es eben auch Hedge-Fond-Leiter gibt, die in die eigene Tasche wirtschaften und die Anleger-Gelder veruntreuen.

Dazu kommt außerdem noch, dass Hedge-Fonds auch - wegen der erheblichen Gewinnchancen - in die Aktienmärkte von Schwellenländern investieren. Das geht natürlich meistens gut, solange die Lage stabil bleibt. Gibts aber mal wieder politische Schwierigkeiten, kann das schnell zum Totalverlust der Einlagen führen.

"Gute" Hedge-Fonds-Manager streuen deshalb das Risiko so, dass ein gewisser Anteil aus relativ sicheren Anlagen besteht (aber was ist am Aktienmarkt schon sicher), die aber eben meist keinen "Hebel" haben, sondern nur mit einfacher Marktbewegung steigen und fallen, was ja auch schon ein Risiko beinhaltet.

Das ganze Elend hat sich eigentlich erst entwickelt, weil diese Fonds eben kaum einer gesetzlichen Regelung unterliegen und dort mit fiktivem Geld gespielt werden darf, dass auch per Kredit beschafft werden kann, das dann aber leider irgendwann auch mal tatsächlich auf den Tisch muss. Und dann zu einem Termin, der dann aber auch gar nicht passen muss.

Also, das sind jetzt mal die groben Zusammenhänge, wie das funktioniert.
Frage einen Profi-Börsianer und der hält dir 3 Tage lang einen Vortrag, wie das alles im Einzelnen funktioniert.
Wobei nicht nur ich vermute, dass da so einige in dem Geschäft auch nicht mehr voll durchblicken.

Wer schon an der Börse spielen will, der soll es mit paar 1000 Euro Geld tun, auf das er auch gut verzichten könnte. Das Risiko ist schon mit normalen Aktien oder Indexpapieren (die beziehen sich nicht auf eine einzige Aktie, sondern z.B. auf die Entwickung des gesamten DAX) befassen. Und dann auch erstmal mit relativ stabilen Traditionspapieren (Blue Chips). Die reiten zwar auch die Kurswellen ab, kommen meist aber in größeren Zyklen auch wieder mal auf Höchststände. Da muss man einfach die Nerven haben, das auszusitzen und derweil die meist sicheren Dividenden einkassieren.

Richtig Geld machen kann man aber nur mit Risikopapieren und auch nur mit Glück. Google fing mal mit paar Dollar Einstiegskurs an, heute steht der Wert bei derzeit rund 580 Dollar. Hätte aber auch genauso in die Hose gehen können oder auch noch gehen, weil hinter google ja kein wirklicher realer Wert in wahren Gütern steckt - vom Anlagewert des Server-Pooles mal abgesehen.
Google lebt vom Publikum und wenn das mal entscheidet, google nicht mehr zu mögen...
Ganz wichtig ist auch, wirklich Stopps zu setzen, damit bei einem plötzlichen Abrutschen des Wertes, das eigene Kapital in größtmöglichen Umfang gerettet wird. Wer schon ziemlich oberhalb des ursprünglichen Kaufpreises den Stopp setzen kann, rettet auch den Kursgewinn.

Und das ist dann das "seriöse" Aktiengeschäft.

Ich meine, das Risiko würde auch reichen.

Das Problem der BAnken ist, dass sie eben seit einiger Zeit keine "seriösen" Bankgeschäfte mehr betreiben; also Kreditvergabe an aussichtsreiche REALE Investments oder Existenzgründundungen, dadurch Zinseinnahmen, die sich dann auch als Zinsauszahlungen an die kleinen Sparanleger auszahlen.

Nein - unter Kohl und Nachfolgern wurden die Banken von den Einschränkungen befreit und sie durften jetzt eben auch den Zockerschäften nachgehen. Dieses Risiko durfte der Steuerzahler dann auch mit 50 Milliarden-Bürgschaften abdecken. Meiner Meinung nach hätten da ein paar Banken einfach Konkurs - wenn nicht verantwortungslos herbeigeführten Bankrott - anmelden und schließen müssen.

Im Endeffekt ist ÜBERALL an diesen Fronten der Gesetzgeber in der Pflicht. Er hat es durch "Befreiungs"gesetzte herbei geführt, er kann es auch wieder ändern. Könnnnnteee.....

Klaus
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Beitrag von Klaus » 22.11.2011 15:25

Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Trotzdem, schwer zu durchschauen und meine Befürchtung wird nicht geringer, dass viele "Entscheidungsträger" gar nicht wissen, was da los ist.

Eigentlich müsste das doch eine Sache zwischen Put und Call sein. Was hat schon Otto Normalverbraucher damit zu tun? Wenn die Aktienkurse deswegen verrückt spielen, so wie das ja einmal mit der VW-Aktie war, dann beruhigt sich das auch wieder.

Aber der Hebel. Man könnte meinen, sollen die doch hebeln so viel sie wollen. Mich stört das doch nicht.

Nun ist aber dieser Hebel in Verbindung mit dem Euro- Rettungsschirm gebracht worden. War das jetzt ein schlechter Witz oder betreten die Regierungen/ Parlamente jetzt das Spielkasino?

So wie einer, der finanziell am Ende ist. Entweder Bankraub oder Lottogewinn als einzige Lösungsalternative. Uns bleibt wirklich nur noch die Hoffnung, mit einem blauen Auge davon zu kommen. Was der Kalte Krieg nicht geschafft hat, schafft offenbar jetzt die Globalisierung.

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Bundesfreiwild
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Beitrag von Bundesfreiwild » 23.11.2011 11:17

Ich tippe mal auf "Spielcasino".

Die eigentliche Misere Europas ist die sogenannte Globalisierung, die seid rund 25 Jahren als das non-plus-ultra für Wachstum propagiert wird.

Bedeutet aber nichts anderes, als dass man die Taktik der großen Unternehmen unterstützt, den Subventionen nachzuhecheln, wenn es sein muss, auch ins Ausland. Dass man von Regierunsseite - direkt oder indirekt - unterstützt, dass Arbeit, die man in Europa erledigen lassen könnte, ins superbillige Ausland verlegen darf. Als Begründung dafür diente immer die Aussage, dass der europäische Verbraucher halt möglichst billige Produkte kaufen will.

Tja, da sind wir allerdings auch zwangsweise angekommen, weil der deutsche Arbeiter/Arbeiterin früher mal diese Jobs in Deutschland/Europa geleistet haben, die Arbeit aber ins Ausland verschoben wurde und sie deshalb arbeitslos und in Hartz IV gelandet sind.

Dabei war das eigentliche Ziel der Produktionsindustrie natürlich NICHT, den europäischen Konsumenten mit billigen Produkten zu versorgen, sonder die ABsicht wurde verfolgt, so billig wie möglich zu produzieren, um immer mehr Wachstum - also betriebswirtschaftliches Gewinnwachstum - zu erzeugen. Mehr Kohle für den Aktionär.

Den europäischen Volkswirtschaften hat dies nur mehr Arbeitslose gebracht, vor allem zwischen 30 und 50% Jugendarbeitslosigkeit - auch in den gut bis sehr gut ausgebildeten jungen Menschen. Denn - wo keine Produktion erfolgt, braucht man auch keine Fach- oder Führungskräfte.

ALLES, aber auch restlos alles wurde dem unternehmerischen Gewinnwachstum untergeordnet, ohne dabei von Staats wegen auch mal für die Volkswirtschaft entsprechende Steuermehreinnahmen zu erhalten. Denn gleichzeit hat man die Unternehmenssteuern immer wieder gesenkt, um denen NOCH MEHR Gewinn zu ermöglichen.

Wenn man davon redet, dass es "der Wirtschaft gut geht", wird immer nur an die Betriebswirtschaften und Bilanzen der Unternehmen gedacht. Es wird NICHT an die "Betriebswirtschaft des Staates" - nämlich die Volkswirtschaft gedacht. Die geht dabei seit Jahrzehnten den Bach runter.

Meine Beobachtungen der letzten mittlerweile 30 Jahre des Wirtschaftsgeschehens zeigen: Seit der Ära Kohl haben sich die Gewinne der großen Unternehmen astronomisch vervielfacht. In den 80ern gab es Gewinnwachstumsraten von bis zu 80% pro Jahr - und unser Kanzler Kohl redete zu der Zeit davon, dass es der "Wirtschaft nicht gut gehe".

Bis auf einige Jahre dazwischen, wo die Gewinne sich auch mal "NUR" im Bereich des jeweiligen Vorjahres bewegten, haben sich die Unternehmen in 30 Jahren eine Gewinnsteigerung ins 1000fache geleistet. Wo früher mal 2-5% Wachstum aus dem regulären Unternehmensgeschäft als gut und realistisch galten, wird jetzt gemeckert, wenn ein Unternehmen nicht jedes Jahr 10-30% MEHR Gewinn macht, als im Jahr vorher.

Wie gesagt, das wäre alles nicht so gravierend, wenn über die Unternehmenssteuern auch entsprechend höhrere Steuereinnahmen für den Staat und entsprechendes Lohnwachstum dabei heraus gekommen wären. Aber... man hat ja den umgekehrten Weg genommen, der Staat, bzw. das Land und er normale arbeitende Mensch hat eben das Wachstum nicht mitgemacht. Daraus resultiert die Schuldenlast Deutschlands, die übrigens von 10000 DM/pro Kopf auf mittlerweile fast 25000 Euro pro Kopf gestiegen ist, also das 5fache.
Mit den einer entsprechenden Entwicklung des Staatseinkommens (Steuern) hätte man die Staatsverschuldung nicht erhöhen müssen, sie vielelicht auch ganz abbauen können.

Aber nööööö.... alles in den Rachen der Aktionäre der Aktiengesellschaften.

Und Gewinnwachstum ist die Hauptansage. Welche Volkswirtschaft dabei niedergemäht wird, ist egal. Strategie wie bei Heuschreckenschwärmen: alles abfressen und weiterziehen zu neuen saftigen Feldern.

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Bundesfreiwild
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Beitrag von Bundesfreiwild » 23.11.2011 11:31

Zu dem Spiel mit dem Rettungsfond, dessen Hebel und Zusammenhänge hier den Spiegel-Link, der das schön erklärt.

Am Ende kommt dabei raus, dass wieder der STeuerzahler sehr viel Geld zur Verfügung stellt, um sogenannte Investoren (meist auch wieder die Banken - ich nenn sie Geldabzocker) mit ins Boot zu nehmen, die allerdings dann auch mit der Kohle davonziehen, wenn das Finanzgebäude zusammenbricht.

So kanns doch nicht laufen, wenn die Investoren in den Rettungsfond am meisten davon haben, wenn es NICHT funktioniert.

Noch eine Zusatzinfo: Eine Staatsanleihe ist eigentlich auch nichts anderes als eine Aktie, die sozusagen vom Staat als Unternehmen ausgegeben wird, mit dem Versprechen auf Zinsgewinn.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 41,00.html

Blue Ice Ultra
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Beitrag von Blue Ice Ultra » 23.11.2011 18:59

Onkel Wikipedia hilft auch gerne weiter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hedgefonds

:wink:

Zollkodex-Ritter
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Re: Hedge Fonds

Beitrag von Zollkodex-Ritter » 25.11.2011 19:19

Oder die Erklärung, da wettet man auf sinkende Kurse. Na schön, aber gegen wen wettet man? Zum Wetten braucht man doch wenigstens zwei.
Das ist doch einfach, relativ. Ich versuchs mal, zu erklären: Sagen wir mal, wir haben ein Unternehmen XY AG, welche Aktien ausgegeben hat. Diese werden an der Börse gehandelt. Börse ist ein Ort, an dem Angebot und Nachfrage zusammentreffen und Kurse "billigst" festgesetzt werden. Sagen wir mal, wir wollen an der Börse 10 Aktien der XY AG kaufen, wir wollen also "long" gehen, also wir nehmen an, dass sich die XY AG positiv entwickelt, wir ne ordentliche Kurschance haben, oder wir wollen die Dividende usw. kurz, wir gehen davon aus, dass der Kurs steigen wird. Unser Kaufauftrag, unsere long-order wird nur dann ausgeführt, wenn jemand anderes bereit ist, 10 Aktien der XY AG zu verkaufen. Dieser Verkäufer geht davon aus, dass der Aktienkurs sinkt, schichtet seine Aktien um, braucht das Geld oder hat ähnliche Gründe, genau diese Aktien zu verkaufen. Auf jeden Fall gehören 2 Personen zum Handel, die zwei gegensätzliche Annahmen über die XY AG haben. Nehmen wir an, eine Aktie kostet 1.000 Euro. Der Käufer investiert dann 10.000 Euro in das Unternehmen. Nehmen wir mal an, der Kurs steigt um 5% innerhalb einer Woche, und der Käufer verkauft (Gebühren und Steuern lassen wir hier mal außen vor), macht also 500 Euro Gewinn. Mit 10.000 Euro haben wir 500 Euro verdient, 5%

Jetzt nehmen wir mal an, eine Bank gibt Optionsscheine auf das Unternehmen XY aus. Optionsscheine sind hochkomplexe Anlageformen, die intransparent sind. Es gibt sehr viele Ausgestaltungsmöglichkeiten (und noch weitere Derivate), nehmen wir mal an, unser Optionsschein kostet derzeit 9 zu 10 Euro. Einer dieser Optionsscheine berechtigt zum Bezug (also Kauf) eines Zehntels einer Aktie (ja, das gibt es) von XY. Dieses Kaufrecht endet sagen wir in 6 Monaten ab heute und der vereinbarte Preis des Basiswerts (Aktie XY) ist 1.100 Euro.
Bundesfreiwild hat mit dem Hebel den eigentlichen Hebel beschrieben, das Omega (Eine Kennzahl des Optionsscheins) beschrieben. In unserem Beispiel kaufen wir 100 Optionsscheine für 1.000 Euro. Würden wir diese Scheine sofort wieder verkaufen, bekommen wir nur 900 wieder, 100 Euro sind der sog. Spread, der die ausgebende Bank (Emittent) kassiert. Mit den 100 Scheinen erwerben wir das Recht, in 6 Monaten 100x 1/10 Aktie, also 10 Aktien XY AG für 1.100 Euro zu kaufen. Das hat uns aber nur 1.000 Euro gekostet. Die Aktien hätten uns das 10-fache gekostet, also haben wir hier einen Hebel von 10. Mit einem Hebel bewegt man mehr als man ohne könnte. Nehmen wir an, das Omega ist 5. 1% der Aktienkursbewegen werden mit 5% im Preis des Optionsscheins berechnet. Nach einer Woche (s.o.) können wir unseren Optionsschein also für 5*5=25%, 125% Wert verkaufen. Kurs lautet dann 11,5 Euro zu 12,5 Euro. Mit 1.000 Euro haben wir also 150 Euro verdient (Vor Steuern und Gebühren) und haben damit 15% verdient.

Hier wette ich also mit der Bank um den Kurs der Aktie XY.

Natürlich ist das keine Einbahnstraße, denn Kursverluste fließen genauso faktorisiert ein.

Das hat indirekt etwas mit Hedge-Fonds zu tun. Die tragen den Namen fast immer in einem anderen Sinn, da es hier um Hochrisikokapital geht. Risiko und Rendite sind in der Finanzwelt eineiige Zwillinge: Aufm Tagesgeldkonto mit fast keinem Risiko gibt es fast keine Rendite, Staatsanleihen von Griechenland haben Zinszuschläge, da hier ein Pleiterisiko im Raum steht,

Wo wird nun was gehedgt zw. wo machen Optionsscheine bzw. Futures sinn?

Nehmen wir an, ein Bauer baut Mais an. Er säht dan Mais und noch bevor er erntet, verkauft er einen Teil seiner Ernte mittels Future. Er vereinbart mit seinem Kunden also, dass er ihm nach der Ernte um sechs Uhr 10 Tonnen Mais für 120 €/Tonne verkauft. Der Bauer weiss also schon vor der Ernte, dass er für 10 Tonnen 1200 Euro bekommen wird, um sechs Uhr nach der Ernte. Er kann also mit diesen Einnahmen schon planen, kann seine Betriebsausgaben danach ausrichten usw. Der Kunde, der größte Popcornhersteller Deutschlands, der weiss, welche Menge er wann zu welche Zeitpunkt bekommt, kann auch entsprechend kalkulieren. Und nicht nur der Bauer, sondern auch die Airline weiss, zu welchem Preis sie wann wieviel Kerosin bekommt, das Stahlwerk kennt die Menge und den Preis seiner Rohstoffe im voraus, etc.pp. Futures, Optionen und CFDs haben sich aber nicht selten von dem tatsächlichen Basiswert losgelöst, nicht alle, die mit Mais oder Öl, Gold oder Silber handeln, haben Interesse daran, diese Stoffe zu bekommen, da es nur um den kurzzeitigen Handel mit dem "Papierrohstoff" geht.

Anderes Beispiel: Ich habe mir 100 Aktien von XY gekauft (long gegangen). Ich profitiere also von steigenden Kursen (Kurschance). Da jedoch auch ein Kursrisiko besteht, kaufe ich mir Optionsscheine als Versicherung. Also ein Verkaufsoptionsschein, ein Put, dessen Preis/Kurs/Wert steigt, wenn der Aktienkurs fällt. Fallen meine Aktien, steigt mein Optionsschein und mildert oder niveliert den Verlust. Steigt meine Aktie, verliert der Optionsschein an Wert. Das nennt man (Delta-) Hedging.

Das alles hat aber -relativ- wenig mit der aktuellen Krise zu tun.

Lucass
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Registriert: 29.12.2012 20:11
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Re: Hedge Fonds

Beitrag von Lucass » 29.12.2012 20:12

Sehr gute und interessante Erklärung. Konnte ehrlich gesagt auch anfangs gar nichts mit dem Ausdruck Hedge Fonds anfangen. Aber jetzt ist es im Großen und Ganzen nachvollziehbar.
http://www.lynxbroker.de/

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