unsere Soldaten sind zu bequem

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unsere Soldaten sind zu bequem

Beitrag von B... » 21.01.2013 16:04

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière ist offenbar mit der Moral seiner Truppe unzufrieden. Die deutschen Soldaten hätten ein zu geringes Interesse, weit weg von ihrem Heimatort zu dienen, sagte de Maizière der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Ihnen sei eine Verwendung in der Heimat lieber als ein Auslandseinsatz. De Maizière: „Die Sehnsucht junger Leute nach der großen, weiten Welt wird heute anders bedient. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Interesse für das Unbekannte gibt als Sehnsucht nach dem ,Hotel Mama’.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2013 ... seinsaetze
http://www.noz.de/deutschland-und-welt/ ... ienst-sein

Offenkundig ist es der Bundesregierung nicht hinreichend gelungen, den deutschen Soldaten die Sinnhaftigkeit von Auslandseinsätzen zu vermitteln. Viele haben anscheinend wenig Verständnis dafür, als Soldaten in fremde Regionen geschickt zu werden. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass globale Kriege oder dem Hinterherputzen ihrer kollateralen Begleiterscheinungen in „humanitären Missionen“ nicht das sind, wozu sich der deutsche Soldat im 21. Jahrhundert berufen fühlt.

Anstatt seine Soldaten als Weicheier zu beschimpfen, sollte de Maizière vielleicht einmal darüber nachdenken, dass die eigentliche Aufgabe der Bundeswehr aus gutem Grunde wie ich finde, die Verteidigung der Heimat ist. Und das die Heimat auch am Hindukusch oder in der Sahara verteidigt wird, scheint vielen nicht zu einleuchtend.

Da wird von der Politik mehr Einsatz- und Opferbereitschaft gefordert und mehr Motivation zum Schutze „deutscher Sicherheitsinteressen“, ironischerweise handelt es sich dabei übrigens um dieselben tollkühnen Helden, die in ihren fliegenden Debatten nicht genug Eier hatten, sich Volkvermögensplünderungsgesetzen wie dem ESM und anderen verheerenden technokratisch-brüsseler Frankensteinmonstern in den Weg zu stellen.

Oder vielleicht sollte einfach besser geworben werden. Hat früher ja auch geklappt, Abenteuerlust und die Sehnsucht nach weiter Welt zu wecken. Bild
http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/pl007241/index.jpg

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Mikesch
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Re: unsere Soldaten sind zu bequem

Beitrag von Mikesch » 22.01.2013 23:57

Bombadil hat geschrieben:Offenkundig ist es der Bundesregierung nicht hinreichend gelungen, den deutschen Soldaten die Sinnhaftigkeit von Auslandseinsätzen zu vermitteln. Viele haben anscheinend wenig Verständnis dafür, als Soldaten in fremde Regionen geschickt zu werden.

Anstatt seine Soldaten als Weicheier zu beschimpfen, sollte de Maizière vielleicht einmal darüber nachdenken, dass die eigentliche Aufgabe der Bundeswehr aus gutem Grunde wie ich finde, die Verteidigung der Heimat ist. Und das die Heimat auch am Hindukusch oder in der Sahara verteidigt wird, scheint vielen nicht zu einleuchtend.
Genau!
Bevor ich jetzt sage, dass man schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein muss, für wirtschaftliche Interessen den Kugelfänger zu spielen, müssen solchen Leute schon iwie anders gestrickt sein.
Dass wird bestimmt nicht die Masse sein ;-)
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Re: unsere Soldaten sind zu bequem

Beitrag von Bundesfreiwild » 23.01.2013 11:46

Ja mennoo, unsere Rüstungsindustrie muss doch was zu tun haben! Ihr glaubt doch wohl nicht, dass unsere großen Konzern wie Thyssen-Krupp, Kugelfischer, unsere ganze Auto- und Flugzeugbauindustrie und deren Zulieferer nur vom Autobau "leben".

Ich kann mich nocht gut dran erinnern, das an 9/11 einige deutsche Aktien, die ganz nah am Kriegsmaterial ihre Gewinne erzielen, 5 Minuten nach den Flugzeugeinschlägen in die Türme um 30 % hochschnellten. Ich sass da grad vorm PC und war die Börsenindices am besichtigen, als ich gleichzeitig das Drama auf Bloomberg-TV sah.

Kriegsgewinnler gibts überall. Und deren Interesse ist NICHT Frieden auf der Welt.

Und wenn danach alles kaputt ist, gibts schöne große und unbezahlbare Kredite an die plattgemachten Nationen, die sie NIE wieder abbezahlen können und so in die politische und wirtschaftliche Abhängigkeit geraten.

Und da muss man sich eben sagen: Nur wem diese Kriegsspielchen und deren Konsequenzen egal sind, nur wer umbedingt den Kitzel des Adrenalins und des Risikos braucht, um sich als Kerl zu fühlen, der geht noch freiwillig zur Bundeswehr. Ich meinem EX nach seinem Z12 dringlich empfohlen, seinen Abgang in Richtung gehobenen Dienst in einer "friedlichen" Behörde zu machen, damit er nicht in die Verlegenheit kommt, sich irgendwo am persischen Golf oder im Kongo in der "Ballerzone" wiederzufinden.

Nun hat die BW das Problem, dass sie aber auch keine hohlen, schiesswütigen und unberechenbaren Einzelkämpfer braucht, die für Hierarchien nicht geeignet sind, sondern eigentlich doch wieder Leute, die Befehlen überlegungslos folgen. Tja... ein Dilemma.

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Re: unsere Soldaten sind zu bequem

Beitrag von Blue Ice Ultra » 26.01.2013 08:40

Bombadil hat geschrieben: Offenkundig ist es der Bundesregierung nicht hinreichend gelungen, den deutschen Soldaten die Sinnhaftigkeit von Auslandseinsätzen zu vermitteln. Viele haben anscheinend wenig Verständnis dafür, als Soldaten in fremde Regionen geschickt zu werden. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass globale Kriege oder dem Hinterherputzen ihrer kollateralen Begleiterscheinungen in „humanitären Missionen“ nicht das sind, wozu sich der deutsche Soldat im 21. Jahrhundert berufen fühlt.

Anstatt seine Soldaten als Weicheier zu beschimpfen, sollte de Maizière vielleicht einmal darüber nachdenken, dass die eigentliche Aufgabe der Bundeswehr aus gutem Grunde wie ich finde, die Verteidigung der Heimat ist. Und das die Heimat auch am Hindukusch oder in der Sahara verteidigt wird, scheint vielen nicht zu einleuchtend.
Was sich mir bis heute ebenfalls nicht erschließt. Deutschland wird weder am Hindukusch verteidigt noch in der Sahara und humanitäre Missionen gibt es per Definition im militärischen Bereich nicht.

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Bundesfreiwild
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Re: unsere Soldaten sind zu bequem

Beitrag von Bundesfreiwild » 26.01.2013 17:15

Aber Wirtschaftsinteressen der deutschen Rüstungsindustrie. Die beliefert die ganze Welt. Auch wenn sie immer etwas anderes vorheuchelt.

Wer sich mit Waffen auskennt, sollte mal die Fernsehbilder auf den Waffentyp checken, den die diversen Staatssoldaten, Terroristen und alles dazwischen so in der Hand halten. Das deutsche G3 ist weltweit beliebt und verbreitet. Natüüüüürlich liefert Deutschland direkt in Kriegsgebiete. Natüüüüürlich hat z.B. Griechenland Milliardeneinfuhren an Rüstungsgütern, nur um sich -gegen wen? zu verteidigen. Natüüürlich liefern wir nicht direkt an Terroristen.
Allles Heuchelei.

Solange es überall auf der Welt in den politischen Gebälken kracht, verdienen sich einige DAX und M-Dax-Unternehmen dumm und dämlich.
Und die Französischen, die amerikanischen, usw. usw. usw. (Waffen, Patronen, Minen, Ausrüstung jeglicher Art, wie Bekleidung, Stiefel, Helme, Hubschrauber, Luftabwehrkanonen, Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, diverse Luftaufklärer, militärische Luftfrachtmaschinen, Bomber, Drohnen, diverse Flugzeuge, Raketenabschussrampen, Raketenprojektile, Raketenfest- und flüssigteibstoffe, alle möglichen Explosionswaffen, Granaten, U-Boote, Kampfkreuzer, Flugzeugträger), dann all die Firmen, die als Zulieferer arbeiten. Z.B. sind in vielen Geräten Kugellager drin, Kupplungen, heutzutage auch der ganze Elektronikfuhrpark an Soft- und Hardware.
Wenn man mal in die Konzernseiten vieler großer Unternehmen tiefer reingeht und mal nachforscht, wo z.B. Daimler oder Audi, etc. in Beteilugungen stecken und forscht dann jeweils immer tiefer, dann findet man auch die Interessenslage an einer Welt, die sich permanent irgendwo aus mehr oder weniger "logischen" Gründen die Rübe einschlägt.

Frieden... das ist eine Horrorvision für eine ganze Menge Unternehmen weltweit. Und natürlich sind ganz viele unserer Politiker in Vorständen und Aufsichtsräten unterwegs und verdienen dort ganz nette Sümmchen nebenbei. Dagegen sind etwaige Vortragstätigkeiten von Steinbrück einfach nebensächlich. Unsere Politiker treffen in den Unternehmen Entscheidungen, die sie als Politiker (zum Wohle des Volkes) gar nicht treffen dürften.
Deshalb wollen sich auch GERADE die ganzen CDU-Politiker NICHT zu ihren Nebentätigkeiten äußern und/oder ihre Einkommensquellen neben der Mandatsaufgabe vollkommen darlegen. Dann würde nämlich mal offensichtlich, wie tief die in Interessenskonflikte verstrickt sind.

Und für jeden Einsatz der Bundeswehr irgendwo, muss wieder Material zusätzlich geordert und bezahlt werden (vom Steuerzahler).
Der Haushaltsanteil für "Verteidigung" ist in den letzten 15 Jahren nahezu explodiert, seit die Bundeswehr in Ex-Jugoslawien "mithelfen" durfte, bei den Blauhelmen mitmacht, um im wesentlichen die Interessen der dortigen, von den Abzockunternehmen aus USA und Europa subventionierten, Häuptlinge zu schützen (Öl und andere Rohstoffe), mal hier, mal da "den Terrorismus bekämpfen". Die Kohle, die in Afghanistan verpulvert wurde, hätten wir auch gut für Bildung einsetzen können.

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Brauner
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Re: unsere Soldaten sind zu bequem

Beitrag von Brauner » 31.03.2013 13:45

Ich bin anerkannter Kriegsdienstverweigerer. Bei meinen Verhandlungen hieß es immer; Deutschland hat eine Verteidigungsarmee.

Eine ganze Reihe von Bekannten wurde das Recht auf Kriegsdienstverweigerung abgesprochen.



Nein. Sicherlich ist die Bundeswehr keine reine Verteidigungsarmee mehr. Es bleibt zwar auch bei dieser wichtigen Aufgabe der Landesverteidigung, aber klar ist: Landesverteidigung heißt Wahrnehmung innerhalb eines kollektiven Sicherheitssystems. Eine Verteidigung an den Grenzen Deutschlands wird es sicherlich nicht mehr geben. Wir sind wirklich von Freunden umgeben. Das heißt, wir werden unsere Landesverteidigung sicherlich auch dort wahrnehmen, wo die Risiken für uns mit entstehen. Das Verfassungsgericht hat das bereits ausdrücklich bestätigt, dass man im Rahmen kollektiver Sicherheitssysteme eben nicht nur das eigene Land verteidigt, sondern die Sicherheitsinteressen unserer Bündnispartner und die Sicherheitsinteressen im Grunde genommen auch der gesamten Welt, wenn die Vereinten Nationen, die NATO um so ein Engagement bitten. Exakt dies ist ja in Afghanistan geschehen. Sowohl was den OEF anlangt: Die UNO hat zuletzt im Herbst letzten Jahres gesagt, ISAF und OEF sollen eng kooperieren. Dieses ISAF-Mandat - dafür sind die Tornados ja weggeschickt - ist eine ausdrückliche Legitimation der UNO. Wenn dies der Fall ist, werden wir uns jedes Mal ernsthaft überlegen müssen, ob wir können, ob wir wollen, ob es der deutschen Interessenlage auch entspricht.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/inte ... lf/616099/


Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, 2007
Und bis dahin bleiben sie Querulanten, solange das Rückgrat nicht gebrochen wird.

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Re: unsere Soldaten sind zu bequem

Beitrag von Bundesfreiwild » 07.05.2013 09:47

Und mit "Risiken" sind weniger die politschen, als die wirtschaftlichen Risiken für unsere Großunternehmen gemeint.

Jonna
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Re: unsere Soldaten sind zu bequem

Beitrag von Jonna » 14.05.2013 23:48

Dazu gibt es interessante Literatur:

-Berufsbild und Identität des Soldaten im sozialen Wandel (Walter Maringer 2008)

-Identität, Selbstverständnis, Berufsbild. Implikationen der neuen Einsatzrealität für die Bundeswehr. (Angelika Dörfler-Dierken/ Gerhard Kümmel 2010)

Beschäftigt sich u.a. mit dem „Bild vom demokratischen Soldaten“ und geht auf folgende Thesen ein: „Das genuin Soldatische ist ein Tabu, prägt aber die Einsatzrealität und damit auch zunehmend das Selbstbild der Soldaten“, „Die Soldaten fragen nach dem großen Ganzen neben dem Klein-Klein der verschiedenen Einsätze“, „Das Verhältnis zur zivilen Bevölkerung, ein wichtiger Bezugspunkt für das Selbstverständnis der Soldaten, wird als ‚einseitig‘ empfunden“.

-Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Sozial- und politikwissenschaftliche Perspektiven (Anja Seiffert/ Phil C. Langer/ Carsten Pietsch 2012)

Darin äußert sich Carsten Pietsch „Zur Motivation deutscher Soldatinnen und Soldaten für den Afghanistaneinsatz“, Winfried Nachtwei: "Von der Friedenssicherung zur Aufstandsbekämpfung" und Klaus Naumann: „Zum Verhältnis von Politik und Militär im ISAF-Einsatz“.

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