Hass auf Gefangene

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Schorschi
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Hass auf Gefangene

Beitragvon Schorschi » 26.02.2016 05:24

Servus zusammen.
Als kurze Einleitung möchte ich mich kurz vorstellen. Ich bin 34 und seit 14 Jahren in einer bayerischen JVA tätig. Im AvD.
Der Umgang mit den Gefangenen bzw. mit deren Delikten war für mich nie ein Problem was mich psychisch belastet hat. Doch seit der Geburt meiner Tochter hat sich das leider um 180 Grad geändert. Wenn ich sie angucke oder wickel muss ich ständig dran denken, was Menschen mit diesen Kindern machen. Dementsprechend nehme ich die Gedanken mit ins Bett, was dazu führte, dass ich Schlaf Probleme habe. Das hat zur Folge, dass ich am darauf folgenden Tag total platt und gereizt bin. Auf der Arbeit hat sich ein Gefühl entwickelt, das ich den Kinderschändern am liebsten was antun möchte.
Wegen diesen Gedanken bin ich seit 3 Wochen in therapeutischer Behandlung und krankgeschrieben. Nun meine Frage an euch: die Anstalt kann mich ja nach 3 Monaten Krankheit zum AA schicken. Wenn das der Fall wäre und meine Genesung zeitlich nicht bestimmbar ist, kann es auf eine Pensionierung herauslaufen. Weiss jemand wie lange der Vorgang sprich Brief zum AA Besuch bis zur Entlassungsurkunde dauert?
Ich denke es wird auf die DDU hinauslaufen da ich mir zur Zeit nicht vorstellen kann, mit denen zu arbeiten.
Danke im Voraus.

P.S. Vielleicht kennt ja einer diese Situation und kann mir Tipp geben.

tiefenseer
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Re: Hass auf Gefangene

Beitragvon tiefenseer » 26.02.2016 09:48

Hallo,
aus Deiner Schilderung erwächst sich mir en Frage:

Wo liegt Deine Priorität - gesund zu werden oder Deine psychischen Probleme zum Anlass zu nehmen vorzeitig in den Ruhestand zu gehen?

Bin doch etwas irritiert von einem 34jährigen solche Gedanken zu lesen.

Gruß
Ärgere Dich nicht über Deine Fehler und Schwächen, ohne sie bist Du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr.

Torquemada
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Re: Hass auf Gefangene

Beitragvon Torquemada » 26.02.2016 10:03

Zuerst sollte das in den Bereich Strafvollzug umgelegt werden.

Ich bin auch von dieser Denkweise irritiert und etwas befremdet.
Wenn wirklich eine Therapie durchgeführt wird (ist die denn bereits genehmigt?) ist deren Ziel die Wiederherstellung der Dienstfähigkeit.

Allerdings stellt sich die Frage, ob hier mit diesem Zustand einen spezielle Dienstunfähigkeit für den Dienst im Strafvollzug erreicht werden soll.

Baumschubser
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Re: Hass auf Gefangene

Beitragvon Baumschubser » 26.02.2016 18:20

Es gibt doch in einer JVA auch Bereiche, wo man keinen direkten Kontakt hat, z.B. im Bereich der Torwache. Wäre da nicht eine Umsetzung möglich? Eine Pensionierung nach nur 14 Dienstjahren ist nicht erstrebenswert.

Adler
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Re: Hass auf Gefangene

Beitragvon Adler » 26.02.2016 21:18

Eine Pensionierung nach nur 14 Dienstjahren ist nicht erstrebenswert.

Wenn man eine DU-Versicherung vielleicht schon.
Beamtenrecht ist nur mein Hobby.

Baumschubser
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Re: Hass auf Gefangene

Beitragvon Baumschubser » 26.02.2016 22:46

Die muss dann aber schon wirklich hoch sein, um den Einkommensverlust auszugleichen.

Es gibt immer Möglichkeiten, den Gefangenen zumindest einigermaßen aus dem Weg zu gehen. Ich habe mir schlichtweg abgewöhnt, mir um die Gefangenen irgendwie Gedanken zu machen. Hier und da schaue ich mal, wegen was der eine oder andere einsitzt oder wie lange der noch hat. Aber in bestimmt 90% der Fälle ist mir das ziemlich schnurz. Im Groben kennt man die Delikte, aber ich behandle die im Prinzip alle gleich. Sind für mich schlicht alles Ganoven und gut. Mit keinem muss ich mich über Gebühr abgeben, ich behandle aber auch keinen schlecht. Früher hat mich die eine oder andere Sache auch belastet, auch nach Feierabend, aber das ist weitgehend durch. Meine Zeit ist mir dafür zu kostbar, 8h und Klappe zu.

Xenia
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Re: Hass auf Gefangene

Beitragvon Xenia » 12.04.2016 13:38

Da kann ich dem Baumschubser nur rechtgeben. Wenn ich hier rausgehe, dann bin ich raus, und dann ist das Thema gegessen.
Du hast sie im Dienst. Mich fragen auch oft Leute, wie ich das aushalte. Ich sag dann immer, es ist für mich IM Knast wesentlich angenehmer, als draußen in der Hinsicht. Herinnen weiß ich täglich mit wem ich es zu tun habe. Weißt Du, wer draußen z. B. im Supermarkt hinter oder vor dir an der Kasse steht. Wer an der Tanke neben Dir steht? Wer in Deiner Nachbarschaft wohnt? Sich da reinzusteigern bringt nichts. Und für mich gilt das Prinzip der Gleichbehandlung. Punkt. Da finde ich andere Dinge im Bereich des öffentlichen Dienstes allgemein wesentlich schlimmer und pensionsfördernder, wenn man das so sagen darf...(Mobbing, ect...). Ansonsten guck halt, ob Du woanders als im Stock arbeiten kannst.

Gruss
Xenia

egyptwoman
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Re: Hass auf Gefangene

Beitragvon egyptwoman » 21.10.2016 03:56

Du hast offenbar Probleme im AvD zu arbeiten. Wenn du zum AA geschickt wirst, wird er - meiner Erfahrung nach - dich zwar für den AvD nicht mehr dienstfähig halten, aber deinem DH mitteilen, das du für andere Dienste zb. in der Verwaltung verwendbar bist. Dann wird dein DH dir schreiben, das du für die Verwaltung (muss nicht in der JVA sein) dienstfähig bist und dich an eine entsprechende Stelle zb. Gericht schicken und dir wird dann eine neue Ausbildung als Verwaltungsbeamter ins Haus stehen. Ablehnen kannst du das nicht, es sei denn das deine psychischen Probleme auch anderer Natur sind und nicht nur mit den Gefangenen zu tun haben.
Selbst wenn du DDU geschrieben wirst, kann dich dein Dienstherr so alle 2 - 3 Jahre (je nach Empfehlung des AA) zur Nachuntersuchung schicken und es kann dir dann passieren das der AA dich für dann wieder für dienstfähig in einem anderen Bereich des Justizvollzuges hält und dann erfolgt seitens deines DH deine Reaktivierung.
Im übrigen kriegst du dann keine Entlassungsurkunde, sondern die Urkunde über die Zurruhestandssetzung.

herr b
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Re: Hass auf Gefangene

Beitragvon herr b » 21.10.2016 16:37

@ egyptwoman
Was für eine Urkunde meinst du genau? Ich habe nur eine Zurruhesetzungsverfügung bekommen.
Ich bin befördert worden...
Aus dem Dienst!


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