Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Hier kann man Fragen stellen die nichts mit Beamten & Co. zu tun haben.

Würdet Ihr euch wieder für den öffentlichen Dienst entscheiden?

Ja
38
59%
Nein
26
41%
 
Abstimmungen insgesamt: 64

tiefenseer
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von tiefenseer » 01.04.2014 17:08

Hallo Miekesch,

ich kann zu dem, was Du zuletzt geschrieben hast, keine Widersprüche erkennen.
Zumal ich keine brauchbaren Vergleich habe, das eine oder andere zu widerlegen.

Natürlich ist nicht alles im ö.D. unterhalb der Gürtellinie.
Bis zu meinem Unfall hatte ich mich über die eine oder andere "willkürliche Entscheidung" der Behörde aufgeregt. Trotzdem hatte ich meinen Job gemocht und bin gerne zum Dienst gegangen. Weil ich wußte, dass ich vieles Gutes bewirken konnte. Es war schön die verweinten Augen einer Mutter mit dem aufgefunden KInd zu trocknen. Der Familie ihren fahrbaren Untersatz wieder beschafft zu haben, der kurz zuvor gestohlen wurde. Ich könnte Beispiele ohne Ende aufzählen, wo ich zufrieden nach Hause gefahren bin, in dem Wissen ein klein wenig geholfen zu haben.

Was mich letztlich aus der Bahn geworfen hat und worüber letztlich jeder denken mag wie er will, ist die Art und Weise von sogenannten Vorgesetzten innerhalb des ö.D., wie dann mit mir umgegangen wurde. Das ist mit negativ gearteten Worten schwer zu beschreiben. Da wird mit allem getreten, was einem zur Verfügung steht, um mit minimalen Aufwand die Kariereleiter schnellstmöglich noch oben zu gelangen. Unter ihnen befinden sich dann Leute, die einen verantwortungsvollen Job studiert haben - Verwaltungswirt. Solche Leute denken sie können damit Menschen führen. Dem einen oder anderen mag es auf die eine oder andere Art auch gelingen. Doch mit welchen Konsequenzen? Denen kann ich nur sagen...sie sollten ihre eigene Wirtschaft verwalten und das Führen von Menschen denen überlassen, die etwas davon verstehen.
Das pervide daran ist, dass ich kein Einzelfall bin. Dank dem www ist das heute wesentlich transparenter und die Amtsstuben sind voll mit Beispielen, wie dem meinigen Erlebnis.

In diesem Sinne Tiefenseer
Ärgere Dich nicht über Deine Fehler und Schwächen, ohne sie bist Du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr.

Steinbock
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Steinbock » 01.04.2014 18:59

tiefenseer hat geschrieben: Was mich letztlich aus der Bahn geworfen hat und worüber letztlich jeder denken mag wie er will, ist die Art und Weise von sogenannten Vorgesetzten innerhalb des ö.D., wie dann mit mir umgegangen wurde. Das ist mit negativ gearteten Worten schwer zu beschreiben. Da wird mit allem getreten, was einem zur Verfügung steht, um mit minimalen Aufwand die Kariereleiter schnellstmöglich noch oben zu gelangen. Unter ihnen befinden sich dann Leute, die einen verantwortungsvollen Job studiert haben - Verwaltungswirt. Solche Leute denken sie können damit Menschen führen. Dem einen oder anderen mag es auf die eine oder andere Art auch gelingen. Doch mit welchen Konsequenzen? Denen kann ich nur sagen...sie sollten ihre eigene Wirtschaft verwalten und das Führen von Menschen denen überlassen, die etwas davon verstehen.
Dies kann ich bestätigen. Solche Leute findet man nicht nur im öffentlichen Dienst, sondern auch in der freien Wirtschaft.
Nur in der freien Wirtschaft geht es viel brutaler zu - bringt man seine Leistungen nicht, darf man gehen.

Also wäre dies ein Vorteil für die Beamtenschaft, denn dort kann man nicht entlassen werden.

Gruß vom Steinbock

tiefenseer
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von tiefenseer » 01.04.2014 19:54

Hallo all,
Hallo Steinbock,
Steinbock hat geschrieben: Dies kann ich bestätigen. Solche Leute findet man nicht nur im öffentlichen Dienst, sondern auch in der freien Wirtschaft.
Nur in der freien Wirtschaft geht es viel brutaler zu - bringt man seine Leistungen nicht, darf man gehen.
Also wäre dies ein Vorteil für die Beamtenschaft, denn dort kann man nicht entlassen werden.
Gruß vom Steinbock
Ich glaube schon, dass der Leistungsdruck in der Wirtschaft spürbar härter von statten geht.
Das setzt natürlich voraus, dass ich bereit bin, mich diesem Druck auch aus zu setzen.
Wie weit ich dabei gehe, ist ebenso eine eigene Entscheidung. Ungeachtet der Bewertung , wie es im Einzelnen dazu kommt.

Es mag sicherlich als Außenstehender ein Vorteil sein, dass ein Beamter nicht entlassen werden kann, wenn er die erforderlichen Leistungen nicht erbringt.
Was aber nun, wenn von außen Ereignisse wirken, die durch Unfall/Krankheit diese Leistung schmälert?

In den ersten 10 bis 15 Jahren des Beamtentum sind Entscheidungen über eine Dienstunfähigkeit und damit verbundene vorzeitige Pensionierung mit kapitalen finanziellen Einbußen zu rechnen. Das ist um so bedeutender, wenn man dabei ist, eine Familie zu gründen oder größere fianzielle Anschaffung getätigt hat.
Wie jeder weiß oder gar durchlebt, sind die DEinbußen nicht unbeachtlich. da stellt sich schnell die Frage nach zusätzlichen Einkommensquellen, die sich auf max. 400 Euro beschränken.

In der Wirtschaft werden mit in Folge eines Unfalles/Krankheit einiges geboten. So ich denn einen verständisvollen AG habe, hilft er mir bei Umschulungen, staatl. Unmschulungen und was weiß ich.
Ich habe während meiner Therapien einen jungen Mann kennen gelernt, der durch einen Motorradunfall am Rollstuhl gefesselt war. Bis dahin war er als Kfz-Techniker in einem Autohaus tätig. Sein Chef hat ihm eine Umschulung für einen kaufmännischen Beruf finanziert und er hat den Verkauf seiner Fahrzeug übernommen.

WAs will ich damit sagen?
Das Leben ist ein GEBEN und NEHMEN.
Der Mittelstand (und davon lebt nun mal unser Land) braucht fähige Mitarbeiter und diese Kaltherzigkeit, wie man es im ö.D. sehr oft vorfindet, kann sich ein mittelständisches Unternehmen nicht leisten. Es ist abhängig von guten Fachkräften, wenn es dem Kunden hochwertige deutsche Qualität liefern möchte.

Irgendo in der Mitte - da hat jeder seine Sonnenseite...ob ö.D. oder Wirtschaft...


Gruß Tiefenseer
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Steinbock » 02.04.2014 12:14

Steinbock hat geschrieben: Dies kann ich bestätigen. Solche Leute findet man nicht nur im öffentlichen Dienst, sondern auch in der freien Wirtschaft.
Nur in der freien Wirtschaft geht es viel brutaler zu - bringt man seine Leistungen nicht, darf man gehen.
Also wäre dies ein Vorteil für die Beamtenschaft, denn dort kann man nicht entlassen werden.
Gruß vom Steinbock
Ich glaube schon, dass der Leistungsdruck in der Wirtschaft spürbar härter von statten geht.
Das setzt natürlich voraus, dass ich bereit bin, mich diesem Druck auch aus zu setzen.
Wie weit ich dabei gehe, ist ebenso eine eigene Entscheidung. Ungeachtet der Bewertung , wie es im Einzelnen dazu kommt.

Es mag sicherlich als Außenstehender ein Vorteil sein, dass ein Beamter nicht entlassen werden kann, wenn er die erforderlichen Leistungen nicht erbringt.
Was aber nun, wenn von außen Ereignisse wirken, die durch Unfall/Krankheit diese Leistung schmälert? [/quote]

Auch als Beamter muss man solche Schädigungen absichern.
z.B. durch eine Unfallversicherung oder Dienstunfähigkeitsabsicherung und dies so früh wie möglich.
In den ersten 10 bis 15 Jahren des Beamtentum sind Entscheidungen über eine Dienstunfähigkeit und damit verbundene vorzeitige Pensionierung mit kapitalen finanziellen Einbußen zu rechnen. Das ist um so bedeutender, wenn man dabei ist, eine Familie zu gründen oder größere fianzielle Anschaffung getätigt hat.
Wie jeder weiß oder gar durchlebt, sind die DEinbußen nicht unbeachtlich. da stellt sich schnell die Frage nach zusätzlichen Einkommensquellen, die sich auf max. 400 Euro beschränken.
Unter Umständen sind auch zusätzliche Einkommensquellen mögen, wo man mehr als 400 € verdienen kann.

Ich erinnere einmal an nicht genehmigungspflichtige Tätigkeiten:

http://dejure.org/gesetze/BBG/100.html
In der Wirtschaft werden mit in Folge eines Unfalles/Krankheit einiges geboten. So ich denn einen verständisvollen AG habe, hilft er mir bei Umschulungen, staatl. Unmschulungen und was weiß ich.
Das wirst Du so nur in ganz wenigen Ausnahmefällen so erleben.
In der Regel läuft dies anders ab. Versetzung in andere Abteilung oder Zweigstelle. Oder Abfindung mit Entlassung.
Ich habe während meiner Therapien einen jungen Mann kennen gelernt, der durch einen Motorradunfall am Rollstuhl gefesselt war. Bis dahin war er als Kfz-Techniker in einem Autohaus tätig. Sein Chef hat ihm eine Umschulung für einen kaufmännischen Beruf finanziert und er hat den Verkauf seiner Fahrzeug übernommen.
Dann hat dieser junge Mann sehr viel Glück gehabt.
WAs will ich damit sagen?
Das Leben ist ein GEBEN und NEHMEN.
Der Mittelstand (und davon lebt nun mal unser Land) braucht fähige Mitarbeiter und diese Kaltherzigkeit, wie man es im ö.D. sehr oft vorfindet, kann sich ein mittelständisches Unternehmen nicht leisten. Es ist abhängig von guten Fachkräften, wenn es dem Kunden hochwertige deutsche Qualität liefern möchte.
richtig - diese Arbeitnehmer sind allerdings nur dann gute Fachkräfte solange sie gesund sind und ihre Aufgaben zur Zufriedenheit ihres Arbeitgebers erfüllen.

Ich selbst habe beides erlebt.

Zuerst 19 Jahre im öffentlichen Dienst - Anfangs als Angestellter und danach Beamter in der Kommunalverwaltung.
Parteipolitischer Führungswechsel auch mit Wechsel der zuständigen Amtsleiter - und schon war die jahrelange Tätigkeit nichts mehr wert.
Junge Beamte die das richtige Parteibuch hatten, wollten den Ton angebeben - ohne Fachkenntnisse zu besitzen.

Und seit ca. 20 Jahren in der freien Wirtschaft, wo man dann die Information erhielt, dass in den nächsten 5 Jahren ca. 350 Arbeitnehmer abgebaut werden. Die restlichen - und dazu gehöre auch ich - durften die Arbeit dieser Entlassenen mit übernehehmen.
Das nennt man dann Arbeitsverteilung - Als Hilfe gibt es ja eine gut ausgereifte EDV.

Wenn ich mein Leben noch einmal neu gestalten könnte - würde ich mich trotzdem nicht mehr im öffentlichen Dienst bewerben.

Gruß vom Steinbock

Florek
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Florek » 02.04.2014 12:52

Man sollte hier auch nicht so schwarz-weiß malen, es gibt in der Wirtschaft nicht nur Betriebe, die Ausbeuterkondidionen anbieten, das können sich in meiner Heimatregion die meisten zwischenzeitlich sowieso nicht mehr leisten. Und die Unternehmen, die anständige Konditionen anbieten sind auch nicht nur die Weltkonzerne, es gibt eine Menge Hidden-Champions, die auch sehr gute Konditionen bieten, oftmals fast auf dem Niveau der ganz großen, die kennt bloß keiner! Ich war in zwei größeren Unternehmen der Chemie- und der Autozulieferbranche beschäftigt, das waren jedoch keine ganz großen Namen und die werden vermutlich auch den meisten nichts sagen, trotzdem waren die Konditionen bei meinem Ausbildungsbetrieb nicht wirklich schlechter als z. B. bei der großen BASF, dort wurde ebenfalls nach Tarif gezahlt, es gab 30 Tage Urlaub, für ältere Mitarbeiter noch monatlich einen Tag Altersfreizeit, eine Pensionskasse (die Rente eines normalen Mitarbeiters mit 25 Jahren Betriebszugehörigkeit liegt derzeit bei ca. 600 € monatlich), sehr großzügigen Schichtzulagen für die Schichtarbeiter, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, variable Gewinnbeteiligung (bis zu 10 % eines Jahresgehalts), 37,5-Stunden-Woche etc. die kaufmännischen Stellen dort waren durchaus begehrt bei regionalen Bewerbern, wer in einem technischen Beruf tätig war, hatte jedoch noch nie größere Probleme, dort reinzukommen. Bei dem Autozulieferer war es etwas schlechter, die Tarife des Haustarifs lagen etliche % unter Metallerniveau, waren allerdings immer noch deutlich über dem damaligen BAT-Niveau und sind heute sicherlich noch über dem TVÖD-Niveau, es gab Urlaubs- und Weihnachtsgeld, einen Fahrtkostenzuschuss, eine betriebliche Altersvorsorge in Form einer Direktversicherung, den Höchstbetrag VL, also alles nicht so schlecht, auch dieser Betrieb ist nur Branchenkennern bekannt, hat aber mehrere 1000 Mitarbeiter weltweit und ertrinkt aufgrund seiner nicht so großen Bekanntheit m. W. n. auch nicht gerade in Bewerbungen von Fachkräften, hat eher das Problem, daß ihm die guten Leute nach einigen Jahren zu den Autobauern abwandern, weil deren Konditionen natürlich auch nochmals eine Schippe drauf legen! Endlos Überstunden angesammelt haben dort eigentlich in erster Linie die ATler, der Rest wurde zum Jahresende in Zwangsurlaub geschickt, weil für Überstunden und alten Urlaub keine Rückstellungen gebildet werden sollten. Entlassen konnte man sicherlich werden, allerdings war das keineswegs an der Tagesordnung, sondern man mußte sich schon etwas geleistet haben, denn lauter High-Performer gabs auch dort nicht, das könnt ihr mir glauben, dort gabs genauso Nieten wie hier im ö. D., die von den Kollegen mitgeschleift worden sind, die sind halt dann mal Änderungsgekündigt worden, um ihnen ans Geld zu kommen, aber Rauswürfe von Mitarbeitern waren nicht an der Tagesordnung, das war schon etwas worüber dann im Betrieb gesprochen wurde, hat Aufsehen erregt! Wie gesagt, man sollte da nicht zu sehr schwarz-weiß malen, letztlich wird überall nur mit Wasser gekocht, das ist meine Erfahrung!

tiefenseer
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von tiefenseer » 02.04.2014 17:42

Hallöle,

DANKE :D Florek....

So ist das, wenn Schwierigkeiten mit den Wörtern hat, um etwas zu erklären.
Naja - und auch, dass aus berufenen Munde hier mal eine Erklärung steht.

Meine Frau und ich haben recht häufig Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen. Besonders interessant sind die Gespräche mit Sebständigen/Gewerbetreibenden. In unserer Region fehlen die Fachkräfte und auch junge Menschen für die Ausbildung. Die sind froh, wenn sie endlich mal jemdanden einstellen können. An Entlassungen denken die nun wirklich nicht.

Nun gut - das war ja nun nicht das Thema.

Steinbock - Dein Rat in allen Ehren.
Meine Unfallversichung mußte über den Klageweg auf seine vertraglichen Pflichten erinnern werden.
Heute weiß ich, dass das gängige Praxis ist und nicht auf ein Versicherungsunternehmen beschränkt ist.
Zu meiner (jungen) Zeit gabs nur eine Berufsunfähigkeitsverscherung. Schade, dass ich sie nicht abschloss.

Natürlich gebe ich Dir recht, dass eine Unfallversicherung unbedingt zur Absicherung gehört.
Das nicht zu tun ist frevelhaft.
Man sollte aber wissen, so lange Beiträge fließen ist man ein gern gesehener Kunde. Der Spass hört auf, wenn das Geld in die andere Richtung fließen soll - dann ist man schnell kein Kunde mehr.

Mit der Übergabe der Urkunde in den Ruhestand erhält man einen Wulst an Papier. Dort steht schwarz auf weiß geschrieben, wie hoch die Einkünfte aus Nebentätigkeiten sein dürfen. Alles was darüber an Einkünften erlangt wird, muss der Behörde mitgeteilt werden. Konsequenz --- die Versorgungsbezüge reduzieren sich um jeden Cent, den man mehr erhält.
Hier sollte jederfür sich selbst einschätzen, wie wertvoll ihm eine solche Nebentätigkeit ist.
Ach so - jede Nebeneinahme, egal ob genehmigungspflichtig oder nicht - ist mitteilungspflichtig.

Gruß tiefenseer
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Sozitante
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Sozitante » 07.02.2017 13:04

Auch wenn dieser Thread schon etwas älter ist, möchte ich meinen Senf dazu geben.

Ich persönlich würde mich nie mehr vom heiligen Beamtentun bei meiner Berufswahl verleiten lassen. Ich würde heute gleich Soziale Arbeit studieren. Sozialarbeiter haben mit unter den Ruf, dass sie schlecht verdienen, schlechte Arbeitskonditionen haben, etc.. Es gibt dort genauso schwarze Schafe bei den Arbeitgebern wie bei der T*****, aber das ist eher die Seltenheit.

Ich habe mich "leider" im Alter von 16 Jahren sehr stark durch meine Eltern bei der Berufswahl (beide einfache Arbeiter und ehemalige Flüchtlinge) beeinflussen lassen. Für sie brauchte eine Frau kein Abitur, da sie ja sowieso Kinder bekommt, eine Beamtenstelle wurde von ihnen mit den Sprüchen: Da hast du ausgesorgt bis ins Alter, etc. angepriesen. Was war ich so dumm. Vor allem durch meine Arbeit als Sozialarbeiterin habe ich den Schein des Beamtentums erlebt. Psychische Erkrankungen, Sucht ohne Ende, Verschuldungen, sogar in der Wohnungslosenhilfe gibt es ehemalige Beamte der gehobenen Beamtenlaufbahn. Meine Kollegen aus der Sozialen Arbeit haben im Alter weiß Gott keine schlechtere Rente als ich mit meiner Mindestpension, die ich zu erwarten habe. Da sind auch Frauen dabei, die sehr lange pausiert haben bzw. nur in Teilzeit gearbeitet haben. Zu denken, dass Beamte so üppig bezahlt werden, ist ein Märchen. Was für mich schon lange aber viel wichtiger als das Geld ist, ist die Zufriedenheit im Beruf, die man mit keinem Geld der Welt bezahlen kann und da toppen die meisten Sozialarbeiter mit ihren Arbeitsstellen nunmal ganz weit oben. Mit dem gelernten Wissen als Sozialarbeiter bin ich nunmal flexibler als durch meine Ausbildung im kaufmännischen Bereich und habe weitaus bessere Optionen als eine Beamtin, vor allem in der freien Wirtschaft. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen in anderen Bereichen der freien Wirtschaft nicht unbedingt schlecht, das gilt für die Chemie-, Automobilbranche, etc. genauso, dort gibt es auch anständige Betriebsrenten, Schicht-, Nachtzulagen, etc. Das Einkommen ist dort teilweise weitaus üppiger als bei Beamten, auch solchen der gehobenen Beamtenlaufbahn. Vor allem habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass man nur mit einem wertschätzendem Umgang gegenüber Mitarbeitern motivierte Arbeiter bekommt, das haben viele Mittel- und Großständische Unternehmen kapiert und setzen das auch um. Für mich würde nur noch zählen, was ich gerne mache und mir vorstellen kann ohne Angst vor schlimmen Schikanen ausüben zu können. Ich finde das eine Boutiqueverkäuferin, die ihren Job mit Leidenschaft macht, im Alter mit 100€ weniger Rente auskommen muss, besser bedient, als ein Beamter, der ein wenig mehr hat, aber die besten Jahre seines Lebens mit einer Tätigkeit verbringen musste, die mit Mobbing und Schikanen und großem Frust verbunden war. Meine private Krankenversicherung macht mich auch nicht gesünder, wenn die Arbeit mich gesundheitlich ruiniert. Da bin ich lieber in der AOK als einfach Verdiener versichert. Für mich ist der Zug leider abgefahren, da ich mittlerweile zu alt bin, da muss ich noch bis zum Erreichen des Vorruhestand oder der DDU ausharren. Meine Kinder lassen sich Gott sei Dank nicht vom Beamtenschein blenden. Meine Kinder sind davon abgesehen sehr gut qualifiziert und wissen natürlich wo sie niemals eine Bewerbung hinschicken werden ;)

Ich will allerdings nicht alles schwarz malen, was so bei B***, T*** und P*** ist, schließlich haben diese drei Arbeitgebern oft auch solchen Menschen Arbeit gegeben, die nirgendwo anders was bekommen hätten. Für einige war das sogar noch die Möglichkeit mit dem Beamtenstatus zu "glänzen". Allerdings merkt man diese Altlasten manchmal auch heute noch, besonders bei der T****, wenn ich einen Mopper brauche, würde ich auch keinen Diplomabsolventen dafür nehmen.

Hanswurst I.
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Re: Öffentlicher Dienst: Würdet ihr es wieder tun?

Beitrag von Hanswurst I. » 07.02.2017 15:19

Auch wenn man sicherlich hin und wieder was zum meckern hat würde ich mich jederzeit wieder für den öffD entscheiden. Ich hoffe meine beiden Töchter sind schlau genug das ebenfalls zu tun. Für eine Frau kann es IMHO kaum eine bessere Entscheidung geben bzgl. der Möglichkeiten mit Familie. Und der Verdienst ist auch nicht so schlecht, also zumindest im schönsten Bundesland der Welt. ;)

Würde meine Mama nicht noch in einer örtlichen öffentlich-rechtlichen Großbank arbeiten, dann hätte ich den Lackaffen der dortigen Personalabteilung schon längst einen schönen Dankesbrief mit einer riesigen Lindt-Packung geschickt zum Dank dafür, dass sie mich damals nicht genommen haben nach der Realschule. "Ihr Einstellungstest war hervorragend, ihr Vorstellungsgespräch war gut, ihre Noten sind es allerdings nicht. Wir haben Sie nur zum Vorstellungsgespräch eingeladen weil ihre Mutter bei uns arbeitet." Ja hallo ihr Clowns, dann hätte Ihr Euch und mir bei dem von vornherein feststehenden Ergebnis die 2 Stunden Aufwand dafür ersparen können. Auch die ganzen anderen Firmen bei denen ich mich beworben hatte wollten mich nicht. Naja, ich war ja auch in der Schule ein stinkfauler Hund, das muss ich ehrlich zugeben. Die einzigen die mich wollten war der Staat. Da hat meine Auswahlprüfung die Schulnoten deutlich egalisiert so dass ich bei den Platzziffern gut dabei war.

Jetzt verdiene ich - obwohl nur im mD - deutlich mehr als meine zwei Mitschüler die es damals dort in die Bank reingeschafft haben. Ich muss keinen verkackten Anzug den ganzen Tag tragen (e.s. rulez :D ) und bin durch meine Tätigkeit mehr oder weniger freischaffender Künstler mit einem Job der mir viel Freude macht, ich absolut eigenverantwortlich arbeiten kann und für 3 Mitarbeiter verantwortlich bin. Und die Beförderung nach A9 ist auch in absehbare Reichweite gerückt obwohl A8 noch nicht solange her ist. Läuft... würde ich jetzt mal sagen.

Dazu kommt die Sicherheit im öffD als Beamter und meine Frau hab ich dort auch noch gefunden. :D Als Beamter bzw. als Beamtenpaar gehst zur Bank, sagt "wolle Immobilie" kaufen und die einzige Gegenfrage ist "Kein Problem, wieviel brauchen Sie?".

Das einzige was mich im Nachhinein betrachtet "stört", ist, dass ich halt "nur" im mD gelandet bin weil ich halt in der Schule stinkfaul war. Sonst wäre es der gehobene Dienst geworden. Aber das ist ja eigenverschuldet. Die Frage ist, ob ich mir als Zeitreisender damals selber in den Arsch treten können würde. Aber in dem relevanten Alter in der Schule hatte ich wichtigere Dinge zu tun als was für die Schule. Ich hoffe, meine beiden Mädels sind mal schlauer wie ihr alter Herr in der Hinsicht. Meine Zeugnisse muss ich jedenfalls verbrennen bevor sie lesen können, weil wenn die die jemals finden, dann brauch ich denen niemals sagen "Tut was für die Schule", weil dann zeigen dir mir den Vogel und sagen nur "schau mal Deine eigenen Zeugnisse an..." :D

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